Leserbriefe

Rolf Metzger (Bad Säckingen)

Von Rolf Metzger (Bad Säckingen)

Sa, 09. Mai 2020

Leserbriefe Waldshut

BELÜFTUNG DES BERGSEES
Ein See kippt nicht von jetzt auf plötzlich um
Zur Eilentscheidung von Bürgermeister Guhl, eine neue Belüftungsanlage für den Bergsee anzuschaffen (BZ vom 30. März und 8. Mai):

Wenn eine Eilentscheidung gemacht wird, dann muss offensichtlich Eile geboten sein. Ich frage mich allerdings, ob bei der Vergabe für eine neue Tiefenwasserbelüftung eine derartige Eile geboten war. Ein See kippt nicht von jetzt auf plötzlich um. Eine Gefahr kündigt sich über mehrere Jahre an. Das war schon vor über 40 Jahren so, als ich mich um den Bergsee gekümmert hatte. Damals kannte ich durch jahrelange eigene Messungen den Zustand des Sees sehr genau und konnte die Gefahr rechtzeitig vorhersehen.

Deswegen stellt sich auch heute berechtigterweise die Frage: Wie waren denn die Messwerte in den letzten Jahren und Monaten? Soviel ich weiß, hat sich die Uni Basel sehr intensiv mit dem Bergsee beschäftigt. Ich gehe davon aus, dass sie bis heute die Messwerte entweder selbst erhoben oder gesammelt, aber zumindest ausgewertet hat. Hat sich von Seiten der Wissenschaft hier ein Unheil angekündigt? Hat man sich vor allem versichert, dass die neue Anlage keine Gefahr für den See bedeutet? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass damals sehr großer Wert auf die Art und Weise der Sauerstoffeinbringung in den See gelegt wurde. Nur Sauerstoff nach unten zu leiten, reicht nicht. Im Gegenteil, es würde den See endgültig zum Umkippen bringen. Ist es also sicher, dass nur soviel Sauerstoff eingebracht wird, wie im Wasser gelöst werden kann? Ansonsten würden Gasblasen aufsteigen und die Sprungschicht zerstören. Ist gewährleistet, dass konstruktionsbedingt die Ausfließgeschwindigkeit der Tiefenwasserbelüftung keinen Schlamm aufwirbelt und dadurch Nährstoffe aus dem Sediment freisetzt? Dadurch würde die Nährstoffbelastung, die Wurzel allen Übels für den See, weiter zunehmen. Ist sichergestellt, dass die Anlage die Temperatur des Tiefenwasserbereichs nicht übermäßig erhöht? Ich hoffe, dass alle diese wichtigen Überlegungen abgeklärt wurden. Ansonsten droht ein Desaster. Rolf Metzger, Bad Säckingen