Leserbriefe

Michel Sellner

Von Michel Sellner (Staufen)

Sa, 13. August 2022

Staufen

FAUSTFORUM STAUFEN
Aus der Zeit gefallen
Zum Beschluss des Gemeinderats, in Staufen ein Bürgerhaus mit Mediathek ("Faustforum") zu bauen (BZ vom 27. Juli) erreichten uns die folgenden Zuschriften:

Der Beschluss zum Bau des Faustforums ist völlig aus der Zeit gefallen, da damit neun Gemeinderäte und der Bürgermeister jetzt zementieren wollen, was sie sich in der Überflussgesellschaft schon immer gewünscht hatten: Eine hochkarätige Konzerthalle für 450 Gäste, die zwischen Basel und Freiburg ihresgleichen sucht, die aber – damit es das Volk nicht gleich merkt – sich als Bürgerhaus maskiert. Für die örtlichen Gruppen und Vereine, die dringend kleinere Räume für Sitzungen, Proben und Zusammenkünfte suchen, gibt es eventuell die Möglichkeit, sich in zwei Obergeschossräumen zu treffen, sofern diese nicht für den Konzertbetrieb gebraucht werden. Angesichts der drängenden Pflichtaufgaben wie Schutz der Bürger vor den Folgen des Klimawandels – hier müsste Staufen jährlich etwa zwei Millionen ausgeben um die schlimmsten Folgen für die Stadt abzuwenden – will die Stadt das Defizit von jährlich über 500 000 Euro auf Dauer aus dem laufenden Haushalt ausgleichen. Die Investition wurde auf Stand Juli 2022 knapp unter 19 Millionen Euro heruntergerechnet ohne Solarstromanlage und die nötigen Parkplätze, obwohl doch die Landesgesetze diese Gebäude-Ergänzungen jedem Bauherrn verpflichtend vorschreiben. Und ein Abwarten auf "bessere Zeiten", mit dem einige Stadträte ihre Enthaltung begründet hatten, wird uns wohl die Erfüllung dieses Kindheitstraumes nicht erleichtern. Verantwortungsvolles Handeln zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger – wie es alle Kommunalpolitiker mal gelobt haben – heißt jetzt, die Notbremse ziehen und nicht noch mehr Geld für unzeitgemäßen Luxus ausgeben. Auch wenn der Entwurf eine schöne Lösung der vom Bauherrn gestellten Bauaufgabe verspricht , ist der Neubau nicht mehr verantwortbar! Auf der Titanic musste das Orchester immer noch fröhlich musizieren als einigen Passagieren das Wasser schon bis zum Hals stand. Es bleibt zu Hoffen, dass es denen auf der Brücke des Staufener Narrenschiffes noch gelingt, den Eisberg zu umschiffen! Michel Sellner, Staufen
Genau die richtige Größe

In der Diskussion um das geplante Bürgerhaus in Staufen spielt die Größe ein wichtige Rolle. Die Skepsis und schließlich die Ablehnung der Umweltliste (ULS) speist sich vor allem aus der Vorstellung, das ein kleineres Haus für Staufen passender wäre und damit Geld eingespart werden könnte. Ich hatte in den letzten Jahren auf Grund meiner beruflichen Tätigkeit (Verleih und Konzertservice von historischen Tasteninstrumenten) viele Gespräche mit Betreibern von kleinen und großen Häusern in ganz Europa. Ich bin überzeugt davon, dass die jetzige Planung richtig ist. Die ideale Größe eines Veranstaltungssaals orientiert sich nicht allein an der Größe der Kommune sondern auch an deren Einzugsgebiet und Attraktivität. Beides sollte man in Staufen nicht unterschätzen. Ein Bürgerhaus wird zwar nicht für die Ewigkeit gebaut, aber doch für eine Epoche von 50 oder mehr Jahren. Also dürfen sich die Pläne nicht am gegenwärtigen sondern am zukünftigen Bedarf messen. Einen Veranstaltungssaal und seine Infrastruktur kann man anders als Schulen oder Bürogebäude nicht einfach erweitern, wenn der Bedarf wächst. Das liegt in seiner Natur. Man muss also vorausschauend planen. Auf lange Zeit ist das sparsamer. Der wichtigste Aspekt ist der Betrieb. Mit den Betriebskosten kann man das Stadtsäckel viel eher ruinieren als mit den Baukosten. Ein Saal für 300 Personen (das dürfte die Zielmarke der ULS sein) ist gegenüber einem mit 450 Plätzen bei den Energiekosten und der Reinigung zwar etwas günstiger, nicht aber in der Veranstaltungsorganisation, der Technik, Verwaltung oder bei Hausmeisterstunden. Im Gegenteil: Wenn zu klein geplant wird, verursacht das später umständliche Handhabung und höhere Personalkosten. Und nicht zuletzt ist die Größe entscheidend für die Einnahmeseite. Ist ein Saal zu klein, kann man damit nicht genug Umsatz generieren, um bestimmte attraktive Veranstaltungen durchzuführen. Ein großer Saal erlaubt höhere Mietpreise und erweitert das Nutzerspektrum. Kleinere Veranstaltungen können mit einer entsprechenden Mietpreisstaffelung ermöglicht werden. Das neue Bürgerhaus wird für den Zusammenhalt Staufens und die Weiterentwicklung des Kultur- und Vereinslebens von großer Bedeutung sein. Und da es nun einmal beschlossen ist, sollten wir lieber noch etwas mehr investieren, damit es auf Grund guter Infrastruktur herausragt unter all den anderen Häusern in der Regio. Dann wird es jeden Abend von Innen heraus leuchten, weil sich dort Menschen begegnen. Christoph Kern, Staufen