LESETIPP: Kriegerin im Drogenland

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

In einem anderen Leben hätte sie Heere in die Schlacht geführt. In South Central, L.A., ist Lola Vasquez nur der Betthase des Gang-Chefs Garcia, eine beliebige Chica in der Muy-Macho-Welt brutaler Latino-Gangs. So scheint es zumindest – doch dass Lola der Kopf hinter dem strategischen und operativen Geschäft der Gang "Crenshaw Six" ist, stellt sich spätestens nach einem vermasselten Drogendeal heraus, bei dem die Truppe zwischen die Fronten eines Großdealers, seines Konkurrenten, eines mexikanischen Kartells und der Staatsgewalt gerät. Lola muss buchstäblich über Leichen gehen, um nicht selbst eine zu werden. Melissa Scrivner Love hat mit diesem ihrem Debüt den Dagger Award abgeräumt, für "Lola", eine Feministin by nature, die wegen der Umstände nun halt nicht Heere, sondern eine Drogen-Gang in die Schlacht führen muss – aber sie führt, überlebt und triumphiert.

Melissa Scrivner Love: Lola. Roman. Aus dem Englischen von Sven Koch und Andrea Stumpf. Suhrkamp Verlag, Berlin 2019. 392 Seiten, 14,95 Euro