LESETIPP: Menschliches Gerichtsurteil

M. Wunderle, Redaktion Neustadt

Von M. Wunderle & Redaktion Neustadt

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Von Menschlichkeit und einem ungewöhnlichen Gerichtsurteil handelt Bertold Brechts Drama "Der kaukasische Kreidekreis", das der Schriftsteller 1944 in seinem Asyl in den USA geschrieben hat. Darin geht es um das kleine Kind einer Gouverneursfrau, das diese nach dem Tod ihres Mannes bei ihrem überhasteten Auszug aus dem Haus vergisst. Ihre Magd Gutsche muss vor den Truppen des Fürsten fliehen und kümmert sich zunächst um den kleinen Michel, der dann doch in die Hand von Soldaten fällt, weil die Mutter nach ihm suchen lässt. Bei der Gerichtsverhandlung zieht der alkoholsüchtige und bestechliche Richter einen Kreidekreis um das Kind mit der Vorgabe, die richtige Mutter werde es schon aus dem Kreis ziehen. Als Gutsche das Kind zweimal loslässt, statt zu ziehen, spricht ihr der Richter das Kind zu, weil sie auf sein Wohl geachtet hat. Ort der Handlung ist Georgien zur Zeit des Persischen Krieges.

Bertolt Brecht: Der kaukasische Kreidekreis, Suhrkamp Verlag, 144 Seiten, 7 Euro.