Rot, süß und anspruchsvoll

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 29. Juni 2019

Schallstadt

Naturgut Hörnle in Schallstadt betreibt einigen Aufwand für monatelangen Himbeeranbau.

SCHALLSTADT-MENGEN. Jetzt ist Himbeerzeit. Wer liebt nicht die roten Beeren mit dem unverwechselbaren Geschmack, die man einfach so genießen und sie zu Kuchen und Torten, leckeren Desserts, Marmelade und Saft und vielen weiteren leckeren Lebensmitteln verarbeiten kann? Demeter- Obstbauer Joel Siegel jedenfalls bezeichnet die Himbeeren als seine Lieblingskultur. Die BZ hat sich beim Naturgut Hörnle in Schallstadt-Mengen zeigen lassen, wie die Himbeeren angebaut werden.

"Himbeeren gefallen mir schon immer, sie sind einfach edel. Ich finde sie haben was Damenhaftes", sagt Joel Siegel, "sie sind allerdings keine einfache Kultur, man muss viel dafür tun, dass sie gut gedeihen". Der Landwirt führt zu großen Folientunneln, die an den Stirnseiten komplett mit Kulturschutznetzen verschlossen sind. Damit man einen Tunnel betreten kann, muss man erst schwere, mit Erde gefüllte Säcke auf die Seite legen, mit denen die Kulturschutznetze am Boden gehalten werden. Mit dieser Maßnahme verhindert Siegel, dass die gefürchtete Kirschessigfliege, Drosophila suzukii, die Himbeeren anstechen und für weiche und matschige Früchte sorgen könnte. "Kirschessigfliegen können enorme Schäden verursachen. Als ökologisch produzierender Betrieb können wir ja keine synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen", erläutert er.

Die Folientunnel sorgen außerdem für den notwendigen Regenschutz der Beeren. Überhaupt sei es inzwischen unmöglich, im Bioanbau ohne Regenschutz wirtschaftlich zu produzieren, sagt er. Denn Regen fördert die Gefahr, dass die Früchte von Pilzen befallen werden. "Die Anforderungen der Kunden an die Qualität der Früchte sind so hoch, dass der Handel keine Freilandware mehr akzeptiert", erklärt Siegel. "Freilandware ist nur ganz kurz haltbar, so zu produzieren, kann sich höchstens ein Landwirt leisten, für den die Himbeerkultur nur ein Nebenprodukt ist, bei dem es nicht so schlimm ist, wenn er Ausfall hat." Im Freilandanbau würde der Ertrag nur 20 bis 30 Prozent ausmachen, so der Landwirt.

Handel akzeptiert keine Freilandware mehr

Die Himbeeren werden direkt in 200-Gramm-Schälchen gepflückt und kommen sofort ins Kühlhaus. Ware für den Großhandel wird am gleichen Tag abgeholt und steht einen Tag später in den Bioläden. Das Naturgut Hörnle beliefert außerdem Bioläden und Hofläden in der Umgebung direkt. Auf einer Fläche von 60 Hektar baut Joel Siegel mit zwölf fest angestellten Mitarbeitern und etwa 20 Saisonkräften Demeter-Obst an, darunter Beeren, Äpfel und Birnen.

Das Dach der Folientunnel ist mit Hagelschutznetzen schattiert und zusätzlich von außen geweißelt. Ab der Mittagszeit sei es im Tunnel dadurch kühler als draußen, berichtet der Landwirt. Der Nachteil dieser Anbauweise ist, dass keine natürliche Befruchtung der Blüten durch Insekten stattfinden kann. Alle vier, fünf Wochen muss Siegel deshalb Hummelvölker in die Tunnel bringen, die diese Aufgabe übernehmen. "Eigentlich widerspricht dies dem Biogedanken, aber momentan gibt es leider noch keine andere Lösung", sagt er. Gleiches gilt für die Nutzung der Folientunnel. Joel Siegel verweist darauf, dass er die Tunnel dreimal jährlich nutzt und das seit sieben Jahren. Es gebe intensive Forschung nach anderen Materialien, er sei sicher, in ein einigen Jahren werde es andere Lösungen als Plastiktunnel geben.

Auch in den Tunneln werden im Obstbau sogenannte Mulchfolien eingesetzt, um den Boden zu bedecken und damit Unkrautwuchs zu verhindern. "Im Bioanbau haben wir kein Herbizid, außerdem bleibt die Feuchtigkeit im Boden erhalten und wir brauchen weniger Bewässerung", beschreibt Siegel einen weiteren Vorteil. Dennoch versucht er, in den Tunneln die Folie zu ersetzen. 2018 hat er zwischen den Himbeerreihen sogenanntes Mikrokleegras gesät, das die Folienbedeckung ersetzt und macht positive Erfahrungen mit dieser Methode. Trotz hoher Feuchtigkeit im Gras, gibt es keinen Pilzbefall mit Botrytis an den Himbeerpflanzen.

In diesem Jahr ist er noch einen Schritt weiter gegangen und hat eine breite Grassilage um neu gepflanzte Himbeerstecklinge ausgebracht. Er hebt eine Grasschicht hoch und zeigt den Boden unter dem Gras. Er ist feucht und voller Leben. Das Ergebnis begeistert ihn. "Die Mikroorganismen im Boden liefern Stickstoff an die Himbeerpflanzen und düngen sie. Wir haben die Stickstoffwerte gemessen, sie sind deutlich höher. In diese Richtung werden wir weitergehen, auch bei den Erdbeeren", sagt der Demeter-Landwirt.

In den kommenden Wochen kommt ein Tunnel über die Neuanlage, die Himbeerpflanzen werden kräftig wachsen, sie werden bis zu 1,70 Meter groß. Ernten wird er sie im Herbst. Wenn alles gut läuft, wird Joel Siegel die letzten Himbeeren Mitte November auf den Markt bringen.

Naturgut Hörnle, Horner 3 in Schallstadt-Mengen, der Hofladen ist am Freitag und Samstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet.