Landgericht Freiburg

Maria H. sagt am zweiten Prozesstag umfassend aus – unter Ausschluss der Öffentlichkeit

dpa/bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Mo, 13. Mai 2019 um 16:00 Uhr

Freiburg

Die heute 18-jährige Maria H. war jahrelang verschwunden. Vor Gericht erzählt sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Details der Entführung, für die sie selbst ihre Mutter aus dem Saal bittet.

Am zweiten Tag der Verhandlung gegen den 58 Jahre alten Bernhard H. aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen, der wegen Entführung und 108-fachen sexuellen Missbrauchs der minderjährigen Maria H. aus Freiburg angeklagt wird, hat am Montag das inzwischen 18 Jahre alte Opfer ausgesagt. Dieses tritt ebenso wie seine Mutter als Nebenklägerin auf.

Über den Inhalt der Aussage wurde nichts bekannt, da auf Antrag von Maria H.s Anwältin Claudia Meng die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Es kämen Umstände aus der Intimsphäre der Schülerin zur Sprache, deren schutzwürdige Interessen in Anwesenheit von Publikum und Medien verletzt würden, sagte der Vorsitzende Richter Arne Wiemann. Auch Marias Mutter Monika B., die am kommenden Freitag als Zeugin aussagen soll, verließ den Gerichtssaal, als ihre Tochter aussagte. Maria habe darum gebeten, sagte sie.

Maria erzählt vor Gericht "konzentriert und sehr umfassend", sagt die Staatsanwältin

Laut einem Sprecher des Gerichts äußerte sich Maria H. zur Person und zu den in der Anklage erhobenen Vorwürfen gegen den 40 Jahre älteren Bernhard H., mit dem sie von Mai 2013 bis August 2018 in verschiedenen europäischen Ländern untergetaucht war. Maria äußere sich vor Gericht "konzentriert und sehr umfassend", sagte Staatsanwältin Nikola Novak. Sie gebe den Prozessbeteiligten so die Möglichkeit, sich ein besseres Bild zu machen. Auch der Angeklagte, der am vergangenen Mittwoch zu den Vorwürfen nicht-öffentlich ausgesagt hat, habe umfassend über die Taten gesprochen.

Maria habe sich bewusst zur Teilnahme an allen Verhandlungstagen entschieden, sie leide bis heute unter den Taten, sagte ihre Anwältin Claudia Meng: "Für sie ist es wichtig, aufarbeiten zu können, was ihr widerfahren ist." Am 17. Mai wird die Verhandlung am Landgericht Freiburg fortgesetzt. Neben Marias Mutter soll Bernhard H. s Ex-Ehefrau aussagen.

Verstörender Auftritt zum Prozessauftakt

Zum Prozessauftakt zeigte sich Bernhard H. in der vergangenen Woche von Emotionen übermannt – aber keinerlei Unrechtsbewusstsein."Meine Arme werden immer offen sein für sie", sagte er am Mittwoch mit Blick auf Maria. Viele Prozessbeobachter fragten sich: Hat er begriffen, was ihm vorgeworfen wird?

Maria H. wirkte an diesem ersten Verhandlungsmorgen äußerlich locker, ab und zu lächelte sie. Mal schaute sie sich im Saal um, mal fixierte sie Bernhard H. Eine Reihe dahinter saßen Mutter Monika B. als zweite Nebenklägerin und ihr Anwalt Winfried Jörissen. B. sagte in der Verhandlungspause, sie und ihre Tochter planten, dem gesamten Prozess beizuwohnen, "sofern das möglich ist".

Anklage sieht Missbrauch in mehr als 100 Fällen

Bernhard H. war laut Anklage im Mai 2013 mit der damals 13-Jährigen aus Freiburg ins Ausland geflüchtet, ohne dass deren Eltern von dem Plan wussten oder einverstanden waren. Er soll das Mädchen in mehr als 100 Fällen sexuell missbraucht haben. Nach der Rückkehr Marias im vergangenen August wurde der Mann in Italien festgenommen. Ein Urteil soll es Ende Juni geben.

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