Große Koalition ist sich einig

Meisterpflicht kommt wieder

dpa

Von dpa

Mo, 09. September 2019 um 18:55 Uhr

Wirtschaft

In zwölf Berufen soll vom nächsten Jahr an wieder der Meisterzwang gelten. Das Handwerk freut sich, die Monopolkommission bleibt kritisch.

Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker oder Orgelbauer – für mehr Qualität soll in diesen Berufen künftig wieder die Meisterpflicht gelten. Darauf einigte sich die schwarz-rote Koalition. Die Meisterpflicht soll von Anfang 2020 an für insgesamt zwölf Gewerke wieder eingeführt werden.

2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Bis dahin hatten nur ausgebildete Handwerksmeister solche Betriebe führen dürfen.

Der Zentralverband des Handwerks dringt seit langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen. Verbandspräsident Hans Peter Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität. Seit 2004 sei es in einigen Gewerken zu "Fehlentwicklungen" gekommen, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks am Montag: "Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz."

Konkret soll die Meisterpflicht wieder gelten für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger. Außerdem für: Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten. Entscheidend für die Einführung der Meisterpflicht ist laut CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol, ob es sich um Handwerke handle, deren unsachgemäße Ausübung eine "Gefahr für Leben und Gesundheit" bedeute. Außerdem sollten Handwerke berücksichtigt werden, die als immaterielles Kulturgut anzusehen seien, wie Orgelbauer.

Die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht soll fünf Jahre nach der Neuregelung überprüft werden. Die Änderung der Handwerksordnung soll Anfang 2020 in Kraft treten. Es gibt aber auch Kritik an der Wiedereinführung der Meisterpflicht. Die Grünen-Mittelstandsbeauftragte Claudia Müller sagte, dies werde nicht automatisch dazu führen, dass die Engpässe im Handwerk behoben werden. Stefan Körzell, Mitglied im Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), kritisierte, dass die Gebäudereiniger in der Liste der in Zukunft wieder meisterpflichtigen Berufe fehlten.

Die Monopolkommission – ein Beratergremium der Bundesregierung – hatte sich gegen eine Rückkehr zur Meisterpflicht ausgesprochen. Eine Ausweitung des "Meisterzwangs" dürfte zu einem deutlichen Rückgang der Betriebsgründungen in zulassungsfreien Gewerken führen, hieß es in einem zu Jahresanfang vorgelegten Bericht. Der Wegfall der Meisterpflicht habe zu einem Gründungsboom geführt. Die Kunden könnten selbst entscheiden, für welche Arbeit sie einen teureren Meisterbetrieb engagieren und für welche einen günstigeren Anbieter.