Rheinfelden

Michael Kobre und Volker Klüpfel stellen ihren ersten Krimi vor

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

So, 08. März 2020 um 20:00 Uhr

Rheinfelden

"Heute gibt es nichts zu lachen", warnen die Bestseller-Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel im Rheinfelder Bürgersaal vor. Das Duo hat das Genre gewechselt und stellte den ersten Thriller vor.

Das Kultduo, das mit seinen Allgäu-Krimis um den grantigen Kommissar Kluftinger eine riesige Leserschaft begeistert, hat das Genre gewechselt. Auf Einladung des Kulturamts stellten die Erfolgsautoren ihren ersten Thriller "Draußen" vor, eine knallharte Story um drei Außenseiter, die versteckt im Wald ums Überleben kämpfen und von einem unsichtbaren Feind verfolgt werden.

Düsteres Thema, witzige Lesung

"Es wird ganz anders, es wird vor allem nicht lustig", stimmte Klüpfel die rund 120 Zuhörer ein. "Schön, dass Sie den Mut gefunden haben", spielte er auf das grassierende Corona-Virus an, das Auswirkungen auf viele Veranstaltungen hat. Auch während der Lesung kam das Thema mal auf, etwa, als Klüpfel (gespielt) hustete und sein Kollege in Deckung ging und kommentierte, er freue sich schon auf sechs Wochen Quarantäne. Es stimmte natürlich nicht, dass es nichts zu lachen gab. Im Gegenteil: Trotz oder gerade wegen der düsteren Geschichte in dem hochspannenden Thriller, lockerten die Autoren die Leseblöcke durch einen witzigen und ironischen Schlagabtausch auf. Die beiden machten aus ihrer Buchpräsentation eine Inszenierung mit kabarettreifen Pointen, Sticheleien und Hintergrund-Bildprojektionen.

Verteilte Rollen auf der Bühne

Die Rollen scheinen deutlich verteilt: Michael Kobr aus Kempten, der als Realschullehrer arbeitete, gibt mit trockenem Humor im Dialekt Paroli, grätscht immer wieder in die Passagen seines Freundes. Wenn dieser "knisternde Spannung" aufbauen will, kontert Kobr: "Das Knistern kommt vom Beamer...". An einer Gänsehaut erzeugenden unheimlichen Passage, die im tiefsten Wald spielt, macht Kobr Vogellaute nach und erzählt etwas über den Sumpfrohrsänger. "Ich kann so nicht arbeiten", fährt Klüpfel seinen Partner an, und schon ist der nächste Lacher garantiert.

Journalist Klüpfel will den "coolen Hund" geben und schürt mit suggestiver Stimme eine bedrohliche Atmosphäre und Spannung, bis sein Co-Autor wieder dazwischen funkt. Die beiden sind, das merkt man, ein über Jahre bestens aufeinander eingespieltes Team, nicht nur beim Schreiben, sondern auch auf der Bühne.

Die kleinen Dispute laufen mit viel Selbstironie ab. So schiebt Kobr seinem Kollegen wie bei den Kluftinger-Lesungen die Frauenparts zu, weil er so sensibel und emotional sei. "Ich bin also verweichlicht", empört sich Klüpfel, dass er immer die Frauen lesen soll, und liest prompt mit einer ultra-männlichen Stimme à la Bruce Willis.

Ein unterhaltsam ausgefochtenes Streitgespräch entwickelt sich über das Klinikbild, das Kobr zur Illustration für die Fluchtszene aus dem Krankenhaus ausgesucht hat: ausgerechnet die Schwarzwaldklinik. Prompt lassen sich die beiden über Professor Brinkmann aus.

Sie können auch Thriller

Eines wird klar an diesem Abend: Kobr und Klüpfel können auch Thriller. Ihr finsteres Buch spielt in der Survival- und Prepper-Szene. Prepper sind Leute, die in Camps hart für das Überleben in der Wildnis trainieren, um für Krisen, Notfälle und Katastrophen gewappnet zu sein. Schon der Einstieg zieht in den Bann. Da streift die Hauptfigur des Buches, die 17-jährige Cayenne, durch den Wald und wird von einem Fremden mit einem Messer und einer Drahtschlinge brutal angegriffen. Die nächste Szene, die Kobr und Klüpfel im Wechsel lesen, spielt in einer Klinik, in der Cayenne schwer verletzt liegt, rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Der mysteriöse Stephan, ihr Beschützer, verhilft ihr als Pfarrer verkleidet zur Flucht aus dem Krankenhaus.

Blutige Action gibt es in der Episode, als es im Wald zum Kampf mit einem Keiler und einer Rotte von Wildschweinen kommt. "Es roch nach Tod..." Geschildert wurde auch eine Szene aus dem Survival-Trainingscamp. Ein weiterer Lese-Abschnitt führte auf das mit Stacheldraht abgeschottete Gehöft des Reichsbürgers Horst Deutz, der Waffen hortet und ein grausames Ende nimmt.

"Hart" recherchiert

Das Autoren-Duo hat auch einen Trailer dabei, um zu zeigen, wie "hart" sie in einem Survival-Camp für den Thriller recherchiert haben. Man sieht sie durch den Wald stapfen, unterm Baum auf einer Matte campieren und Feuer machen. Ein paar Utensilien packen sie bei der Lesung gleich aus: ein Zelt, eine Sitzkiste, einen Nothocker und ein Tarnnetz, zwischen denen sie in "Lagerfeuer"-Optik die packenden Actionszenen im Wald lesen. Es war diese Mischung aus düsterem Thriller und witzig-ironisch aufgebrochener Stimmung, die den Abend so speziell und kurzweilig machte.

Und selbst auf ihren heiß geliebten Kluftinger mussten die Fans nicht ganz verzichten. Denn zum Schluss kam noch eine kleine Stelle, in der von Kluftinger die Rede ist…