Die Vereine und Corona

Musikverein Opfingen startet ins Jubiläumsjahr – und weiß nicht, was kommt

Thomas Jäger

Von Thomas Jäger

Sa, 16. Januar 2021 um 00:03 Uhr

Freiburg

Opfingens Musikverein, der vor 100 Jahren gegründet wurde, will das Beste aus der Situation machen. Man hoffe, doch noch irgendwann feiern zu können, erläutert Vorstandssprecherin Elke Mackensen.

Sein 100-jähriges Bestehen wollte der Musikverein Opfingen eigentlich groß feiern. Nun hat das Jubiläumsjahr begonnen – und noch immer ist unklar, was möglich sein wird. In der BZ-Serie "Die Vereine und Corona" blickt Vorstandssprecherin Elke Mackensen zurück auf ein Vereinsjahr im Pandemie-Modus und schildert die aktuelle Lage.

Wie hatte sich Corona in den ersten Monaten auf den Musikverein Opfingen ausgewirkt?
Der erste Lockdown startete im März genau an dem Freitag, dem 13., an dem unsere Mitgliederversammlung stattfinden sollte. Die mussten wir kurzfristig absagen. Dieses Datum werden wir nicht so schnell vergessen. Bis zum Ende der Pfingstferien fanden keinerlei Musikproben statt. Unsere zehn Ausbilderinnen und Ausbilder konnten glücklicherweise alle ihren Instrumentalunterricht auf Online-Unterricht umstellen. Das war toll, was hier innerhalb kürzester Zeit geleistet wurde. Gerade für die Jugendlichen ist es nicht förderlich, eine so lange musikalische Pause zu haben. In die Zeit des ersten Lockdown fielen die Hochzeit eines Musikers und die Beerdigung eines Ehrenmitglieds – Anlässe, bei denen der Musikverein normalerweise aktiv mitgewirkt hätte. Immerhin konnten jeweils zwei Musikerinnen diese Ereignisse musikalisch umrahmen. Der geschäftsführende Vorstand und unser Dirigent haben sich bereits recht früh getroffen, um zu überlegen, was unter den ganzen Randbedingungen auch nach dem Lockdown machbar sein könnte. So waren wir auch einer der Vereine, die gleich nach den Pfingstferien bei Proben wieder musiziert haben. Im Sommer gab es Freiluftproben am Maisfeld-Labyrinth von Erwin Wagner in Opfingen, und im Herbst konnten wir bis zum zweiten, nun leider anhaltenden Lockdown in der Tuniberghalle in Opfingen proben. Wir hatten bereits ein ausgefeiltes Konzept für ein Kirchenkonzert mit Ensembles für Ende November, aber das konnte leider nicht stattfinden.


Und was bedeuten die neuen Verschärfungen für Sie?
Eigentlich wollten wir 2020 intensiv unser 100-jähriges Bestehen, das in diesem Jahr ansteht, planen und organisieren. Die Planungen sind allerdings weitestgehend zum Stillstand gekommen, da ja völlig unklar ist, was kommt. Bis kurz vor Weihnachten konnte wenigstens der Instrumental-Einzelunterricht in Präsenz für unsere Jugendlichen stattfinden, erst jetzt ab Januar sind wir wieder im Online-Modus. Wir nutzen nun den zweiten Lockdown, um planbare Dinge für unser Jubiläumsjahr voranzutreiben, zum Beispiel die Anschaffung von Fleece-Jacken. Zudem wurde ein Jubiläumswein mit dem Badischen Winzerkeller kreiert, der ab dem Frühjahr zu kaufen sein wird. Insbesondere bei den vorgesehenen Veranstaltungen tun wir uns sehr schwer, die Planungen weiter fortzusetzen. Was uns momentan zunehmend umtreibt, ist das Thema Finanzierung – so etwas wie neue Kleidungsstücke oder eine Jubiläumsfestschrift sind nicht umsonst. Auch die Fragestellung, wie wir unsere Musikerinnen und Musiker motivieren können, nach so langer Pause wieder aktiv mitzuwirken, beschäftigt uns. Solch eine Zwangspause birgt die große Gefahr, das ein oder andere Mitglied zu verlieren.

Wie soll es jetzt weitergehen?
Das beschäftigt uns natürlich alle. Wir hatten für unser Jubiläumsjahr mehrere große Veranstaltungen vorgesehen. Die ein oder andere Veranstaltung können wir sicherlich auch unter Corona-Randbedingungen durchführen. Das für den vergangenen November geplante Kirchenkonzert, das wir ja bereits durchgeplant hatten, ist sicherlich eine gute Möglichkeit, zeitnah mit etwas Musikalischem durchzustarten, sobald wir dazu die Möglichkeit haben. Aber uns ist allen bewusst, dass es nicht das Jubiläum werden wird, das wir ursprünglich im Fokus hatten und uns alle so sehr gewünscht haben. Wir alle hoffen, dass wir zumindest möglichst bald wieder miteinander musizieren können.
Elke Mackensein (51) arbeitet als Dozentin an der Hochschule Offenburg und ist seit 40 Jahren Mitglied im Musikverein Opfingen, in dem sie schon früh ehrenamtliche Aufgaben übernahm. Seit 2015 ist sie Vorständin Organisation und Vorstandssprecherin.
Der Musikverein Opfingen hat gut 100 aktive Mitglieder, davon 45 Jugendliche in Ausbildung, sowie 120 passive Mitglieder.
Mehr Infos: http://www.mv-opfingen.de