Vorwerk in der Kritik

Neuer Thermomix verärgert die Käufer des alten Modells

dpa

Von dpa

Mi, 13. März 2019 um 10:59 Uhr

Wirtschaft

Der Hersteller Vorwerk bringt überraschend einen neuen Thermomix auf den Markt. Käufer des alten Modells erwägen eine Klage, sie fühlen sich über den Tisch gezogen.

Der neue Thermomix TM6 von Vorwerk macht Schlagzeilen. Nicht wegen seiner Funktionen, sondern weil sich Käufer des Vorgängermodells über den Tisch gezogen fühlen. Sie hatten sich das mehr als 1000 Euro teure Luxus-Küchengerät erst kürzlich gekauft – ohne zu wissen, dass der Wuppertaler Hersteller überraschend ein neues Modell präsentieren würde.

In den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter machten die Kundinnen und Kunden ihrem Ärger in den vergangenen Tagen Luft. Die Reaktion von Vorwerk fällt allerdings eher verhalten aus. "Wir bedauern, dass einige unserer Kunden verärgert sind", hieß es am Dienstag.

Der Auslöser des Streits: Rund fünf Jahre nach Einführung des Thermomix TM5 hatte Vorwerk am Freitag überraschend das Nachfolgemodell TM6 vorgestellt. Das 1359 Euro teure Gerät bietet eine Reihe neuer Funktionen – vom Vakuum-Garen über das Niedrigtemperatur-Garen bis hin zum Anbraten. Der Thermomix sei damit "in eine noch höhere Kochliga aufgestiegen", bewarb der Hersteller sein Produkt. Es ist für Vorwerk von enormer Bedeutung. Jahrelang war der Thermomix der größte Wachstumstreiber bei den Wuppertalern. Doch zuletzt waren die Verkaufszahlen des alten Modells eingebrochen. Allein 2017 ging der Thermomix-Umsatz um fast 13 Prozent zurück.



Das neue Modell stieß bei den Kunden jedoch nicht auf ungeteilte Begeisterung. Vor allem jene, die in den vergangenen Monaten noch einen TM5 gekauft hatten, ärgerten sich. Eine Kundin klagte etwa: "Warum werden Kunden bei der Bestellung nicht darauf hingewiesen, dass in den nächsten Monaten ein neues Modell erscheint?!" Und fügte hinzu: "Mein 8 Wochen alter TM5 war mein erstes und letztes gekauftes Produkt von euch." Eine andere meinte: "So geht man nicht mit seinen Kunden um." Vorwerk bietet bisher nur Kunden, die zwischen 20. Februar und 8. März einen Thermomix gekauft haben, einen Wechsel auf das Nachfolgemodell an und will darüber offenbar nicht hinausgehen. "Eine Änderung dieser Regelung ist nicht vorgesehen", betonte das Unternehmen. Generell sei bei einem Modellwechsel eine Übergangsphase nicht zu vermeiden. Egal, wann man einen Gerätewechsel ankündige, immer werde es einige Kunden geben, die kurz zuvor ein neues Gerät erworben hätten und deshalb enttäuscht seien.

Einige Thermomix-Besitzer wollen sich damit aber nicht abfinden und spielen offenbar sogar mit dem Gedanken an eine Musterfeststellungsklage gegen den Hersteller. Der Facebook-Account "Musterfeststellungsklage Thermomix Tm5 Tm6" bekam jedenfalls innerhalb weniger Tage mehr als 1400 "Gefällt mir"-Bekundungen.

Der Leiter der Rechtsabteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Thomas Bradler, dämpfte allerdings die Hoffnungen. "Ich sehe keinen Anhaltspunkt für eine Klage. Es gibt keine Pflicht, ein neues Gerät anzukündigen", sagte Bradler. "Es reicht nicht, wenn die Leute enttäuscht sind."