Entscheidung

Offenburg richtet 2032 die Landesgartenschau aus

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Di, 15. Dezember 2020 um 11:47 Uhr

Offenburg

Offenburg hat den Zuschlag für die Landesgartenschau im Jahr 2032 bekommen. Das gab Oberbürgermeister Marco Steffens am Dienstag im Offenburger Rathaus bekannt.

Im dritten Anlauf hat es geklappt: Offenburg wird 2032 eine Landesgartenschau ausrichten. Das haben OB Marco Steffens und seine Beigeordneten Oliver Martini und Hans-Peter Kopp am Dienstag bekanntgegeben. Alle drei versprechen sich von einer Landesgartenschau einen großen Schub für die städtebauliche Entwicklung Offenburgs und eine nachhaltige Stärkung der Lebensqualität in der Stadt. Ziel ist es, die Kinzig zu renaturieren und "erlebbar zu machen" sowie ungenutzte Grünflächen zu aktivieren.

Die Bekanntgabe

Punkt 10.08 Uhr am Dienstagmorgen wurde Marco Steffens von Minister Peter Hauk "über die schöne Nachricht informiert, dass Offenburg vom Landeskabinett den Zuschlag für die Landesgartenschau im Jahr 2032 bekommen hat. Dies sei ein schönes Weihnachtsgeschenk kund gebe Planungssicherheit. "Das hat uns alle sehr gefreut, denn viele Beteiligte aus der Verwaltung und unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt waren in die Projektentwicklung einbezogen."



Das vom Land ausgegebene Motto "Natur in Stadt und Land" präge auch die Offenburger Bewerbung und zeige, dass das von Baubürgermeister Martini und seiner Mannschaft entwickelte Konzept mit dem Ansatz "Die Kinzig erlebbar machen" der richtige Ansatz sei. Offenburg habe nun "den Rückenwind des Landes für die Finanzierung unterschiedlicher Projekte zur Weiterentwicklung der Stadt". Insgesamt 17 Städte und Gemeinden hatten sich für den Zeitraum 2031 bis 2036 beworben, wobei immer in den geraden Jahren große Landesgartenschauen ausgerichtet werden. Rastatt ist 2036 an der Reihe.

Dass Offenburgs Wunschtermin 2034 an Bad Mergentheim ging, trübt die Freude nicht: "Wir können alle Jahre", sagte Oliver Martini und ergänzte: "Ich freue mich, dass wir jetzt durchstarten können." Dies sei auch nötig, um 2032 eine Punktlandung machen zu können. Denn im Gegensatz zu anderen Projekten sei das Datum gesetzt und ein Verschieben nicht möglich.

Die Chancen

"Es ist ein Stadtentwicklungsprojekt", sagt Oliver Martini. Dass nun der Zuschlag für Offenburg erfolgt sei, helfe auch bei der Planung einiger anderer Projekte, die daran gekoppelt seien. Das LGS-Gelände betrifft unter anderem bekanntlich das Heitz-Stadion des Offenburger Fußball-Vereins und damit das Sportstättenkonzept. Aber auch mit dem Burda-Areal werde man sich nun intensiver beschäftigten.

"Das Burda-Areal ist ein Add-on", sagte OB Steffens, der über diese mögliche Ergänzung mit Paul-Bernhard Kallen im Austausch ist und den Burda-Vorstandschef noch gestern über den Zuschlag für Offenburg persönlich informierte und hervorhob, dass es seitens des Medienkonzerns nie an Unterstützung gefehlt habe: "Hubert Burda war immer an unserer Seite."

Weitere Themen, bei denen eine Landesgartenschau die Stadt vorwärts bringt, sind aus Sicht von Oliver Martini unter vielen Infrastrukturmaßnahmen die Bereiche Verkehr – etwa Radschnellwege am Kinzigdamm – aber auch die Weiterentwicklung Offenburgs als soziale Stadt. Der Stadtteil Stegermatt werde von einer Landesgartenschau besonders profitieren.

Die Finanzen

Der Zuschlag für eine Landesgartenschau ist mit fünf Millionen Euro an Förderung verbunden – öffnet zugleich aber auch weitere Fördertöpfe: "Der Zugang zu unterschiedlichen Projektfördermöglichkeiten wird deutlich vereinfacht", so Marco Steffens. Finanzbürgermeister Hans-Peter Kopp machte deutlich, dass Offenburg nicht nur von einer Landesgartenschau geträumt, sondern diese zugleich mit einer Finanzierung hinterlegt habe. Mit dem bereits 2018/19 ins Leben gerufenen Landesgartenschau- Fonds, der über 30 bis 35 Jahren laufen solle, setzte die Stadt bereits ein Prozent ihrer Steuerkraft dafür ein. Das sei aktuell eine Million Euro pro Jahr. Durch das LGS-Projekt würden auch Projekte umgesetzt, die die Stadt ohnehin hätte angehen müssen.
Zahlen der Landesgartenschau aus Lahr

Was eine Landesgartenschau in Bewegung bringt, zeigt das Beispiel Lahr 2018:

Investitionsbereich:
Gesamtkosten: 59,7 Millionen Euro (2014 wurde noch mit 43 Millionen geplant)
davon Bürgerpark: 35,6 Millionen (z.B. Sporthalle mit 20,3 Millionen)
davon Seepark: 20,2 Millionen (z.B. Ortenaubrücke mit fünf Millionen und Haus am See mit 2,3 Millionen)
davon Kleingartenpark: 2,8 Millionen
Fördermittel: 11,3 Millionen Euro
weitere Investitionen: 1,9 Millionen (Straßenbau oder Gastro im Seehaus)

Ausrichtung/Betrieb:
7,5 Millionen Euro städtischer Zuschuss (2,5 Millionen mehr als ursprünglich vorgesehen, der Hauptgrund sind weniger verkaufte Tickets)

Begleitmaßnahmen:
44,5 Millionen Euro (Bahnhofsvorplatz, Kanadaring oder Museum). Fördermittel: 13,1 Millionen.

Die Kritiker

Noch am Vorabend der LGS-Zusage hat der Gemeinderat den Nachtragshaushalt für 2021 auf den Weg gebracht. Dabei monierte Grünen-Sprecher Ingo Eisenbeiß, dass es in seiner Fraktion eine Mehrheit gegen eine Landesgartenschau gebe. Er frage sich, ob angesichts der jüngsten Zahlen – durch Corona fehlen Offenburg zwischen 2020 und 2023 nach aktuellem Stand rund 29 Millionen Euro – eine Verschuldung zugemutet werden könne. Man frage sich, was eine Verlegung des Karl-Heitz-Stadions ins Offenburger Wasserschutzgebiet soll und ob die Kinzig in zehn Jahren überhaupt noch Wasser führe.

Eisenbeiß kündigte an, dass die Grünen eine Landesgartenschau im Falle des Zuschlags "sehr kritisch begleiten wird."Finanzbürgermeister Kopp hielt am Dienstag vor der Presse dagegen: Es habe in Offenburg in den vergangenen 25 Jahren immer wieder schwierige Zeiten gegeben. Dennoch habe man mutige Großprojekte wie die Konversion oder die 50 Millionen Euro teure Messe-Erneuerung gestemmt. Auch die Landesgartenschau sei ein langfristiges Projekt für viele Offenburger Generationen.