Freiburger Gewerbeakademie

Oswald Metzger wettert gegen die Dämonisierung des Autos

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Do, 10. Oktober 2019 um 07:43 Uhr

Wirtschaft

Der Publizist, früher rot, später grün und heute schwarz, hält eine Verkehrswende mit Verzicht auf den Individualverkehr weder für ökologisch noch für bezahlbar.

Der Zug traf nicht wie erwartet ein. Mit rund einer Viertelstunde Verspätung kam Oswald Metzger am Montagabend in die Freiburger Gewerbeakademie. Der politische Weltenwanderer – anfangs SPD-Mitglied, später grüner Bundestagsabgeordneter, heute in der CDU – machte der Deutschen Bahn dennoch keinen Vorwurf: "Das hätte mir auch mit dem Auto passieren können", sagte er vor den Vertretern der CDU-Mittelstandsvereinigung Südbaden, die Metzger eingeladen hatte.

Der Verweis darauf, dass auch der Auto-Individualverkehr Schwierigkeiten mit sich bringen kann, war dem Oberschwaben wichtig, denn er präsentierte in Freiburg sein neuestes Buch "Demnächst ohne Auto". Kernthese: Mobilität sei ohne eigene vier Räder nicht möglich, eine Verkehrswende mit dem Verzicht auf das Privatauto weder ökologisch sinnvoll noch bezahlbar. "Ich bin kein Ideologe", betonte Metzger, "mir geht es um die Fakten." Was ihn stört, sei die vor allem von Gefühlen getragene Dämonisierung des Autos, die aus seiner Sicht den Wohlstand in der Bundesrepublik gefährdet. Dabei schlug sich Metzger aber nicht auf die Seite der AfD. Sie streitet die These des menschengemachten Klimawandels ab, was Metzger nicht tut. Vielmehr setzt der Publizist auf den Handel mit Verschmutzungsrechten für Verkehr und Gebäudebeheizung, um die international vereinbarten Klimaschutzziele einzuhalten.

Bei diesem Handel müssen für Treib- oder Heizstoffe, deren Verbrennung das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) verursacht, Zertifikate zu einem Preis erworben werden. Das Verfahren gilt als ökonomisch effizient. Die CO2-Reduzierung erfolgt so mit den geringsten Kosten.

Metzger warf den Autogegnern mangelnden Realismus von. So kämen auf einen gefahrenen Kilometer in Bahn oder öffentlichem Nahverkehr nach wie vor fünf gefahrene Kilometer im privaten Pkw. Daran werde sich auch nicht viel ändern. "Ohne Auto sind Sie auf dem Land aufgeschmissen", sagte Metzger. Auch in urbanen Großräumen mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr werde das Auto weiter geschätzt: "Es ist bequem." Und es gebe seinen Nutzern die Freiheit, von A nach B zu kommen, ohne sich dabei nach irgendwelchen Vorgaben richten zu müssen. In der Fahrrad-Vorzeigestadt Münster hätten neue Radwege nach seiner Aussage nicht zu einem Rückgang des Autoverkehrs geführt – vielmehr werde weniger zu Fuß gegangen und weniger Bus gefahren.

Der Publizist brach eine Lanze für den Diesel. Ein mit mehreren Personen besetzter Diesel-Kleinwagen habe eine bessere CO2-Bilanz als die Bahn. Dazu kämen die großen Fortschritte bei der Reduzierung von Schadstoffen wie Schwefeldioxid oder beim Feinstaub. Wer dies ignoriere und leichtfertig Fahrverbote fordere, gefährde mit der Automobilindustrie einen der wichtigsten deutschen Wirtschaftszweige. "Kein Land der Welt würde dermaßen leichtfertig eine so entscheidende Branche diskreditieren, wie es Politik und Medien in Deutschland mit Wonne tun." Dem batteriebetriebenen Auto steht Metzger skeptisch gegenüber: "Das ist allenfalls eine Übergangslösung." Weder seien die Netze für eine massenhafte Zunahme der Akku-Autos gerüstet, noch gebe es genügend Kapazitäten für die Erzeugung regenerativen Stroms: "Der Ausbau der Windkraft ist mehr oder weniger zum Erliegen gekommen", sagte er.

Er plädiert für mehr Technologieoffenheit. Mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Autos oder neue Kraftstoffe hätten ebenfalls große ökologische Vorteile. Deshalb sei es wenig nützlich, wenn sich der Gesetzgeber auf die Förderung einer einzelnen Antriebsart wie der Batterie festlege. Auf die Frage, ob Kfz-Handwerker bald genau wissen werden, wie die Verkehrswende aussieht, sagte Metzger: "Sie dürfen keine Verbindlichkeit erwarten." Das einzig Gute am Klimaschutzpaket der Großen Koalition sei, dass sie mit dem Zertifikatehandel auf ein Instrument setzt, dessen Grundlage der marktwirtschaftliche Preismechanismus ist.