Ein Plus gegen den Trend

Rekord beim wasserseitigen Güterumschlag im Kehler Hafen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 23. Februar 2021 um 14:30 Uhr

Offenburg

Während andere Häfen an Oberrhein und Neckar weniger Waren umschlagen, kann Kehl dank der Stahlwerke und deren ständigem Hunger nach Schrott und Eisen 2020 zulegen.

War es 2018 der niedrige Pegelstand des Rheins, der den Umsatz im Kehler Hafen beeinträchtigte, so war es 2020 Corona? Das Gegenteil ist richtig. Der wasserseitige Güterumschlag im Rheinhafen Kehl ist im Jahr 2020 um 3,4 Prozent trotz Corona-Pandemie gestiegen. Registriert wurden nach Angaben der Hafenverwaltung 4 431 380 Tonnen und damit 147 272 Tonnen mehr als im Vorjahr und auch rund 300 000 Tonnen mehr als 2017 vor dem Niedrig-Pegel-Jahr 2018.

Die Bahn bringt fast ein Drittel

Erfreulich sei 2020 ebenso die Entwicklung bei den Bahntransporten gewesen. Hier wurden 2 405 571 Tonnen registriert – ein Plus von knapp 3 Prozent. In der Summe lag das Kehler Transportvolumen bei Schiff und Bahn mit 6 836 951 Tonnen 3,2 Prozent über Vorjahresniveau.

Mit der wasserseitigen Gütermenge hat der Rheinhafen Kehl im Jahr 2020 nominal einen historischen Rekord erzielt. Allerdings sei die Vergleichbarkeit mit den Vorjahreswerten auf Grund einer im Jahr 2018 durchgeführten Änderung bei der statistischen Erhebung nicht gegeben, so die Hafenverwaltung.

Andere Häfen im Minus

Bei den anderen deutschen Oberrheinhäfen war der wasserseitige Güterumschlag rückläufig. In Mannheim reduzierte er sich um 11 Prozent auf 6 898 862 Tonnen, in Karlsruhe um 10 Prozent auf 6 254 027 Tonnen, in Breisach um 20 Prozent auf 440 000 Tonnen und in Weil um 8 Prozent auf 435 351 Tonnen. Auch die Neckarhäfen Heilbronn (minus 20 Prozent auf 1 844 075 Tonnen) und Stuttgart (minus 13 Prozent auf 1 009 129 Tonnen) hätten Abschläge hinnehmen müssen. Ebenso Kehls Nachbarhafen Straßburg, der einen Rückgang um 9,5 Prozent auf 6 842 262 Tonnen meldete.

Im Gesamtjahr wurden in Kehl 4043 Schiffe registriert. Das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Lademenge pro Schiff ging allerdings auch 2020 Fahrwasser bedingt gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent auf 1096 Tonnen zurück. Der Anteil der Schiffe im Hafen Kehl, die unter niederländischer Flagge fahren, stieg auf 70 Prozent. Deutsche Schiffe sind mit einem Anteil von 22 Prozent weiter rückläufig. Jeweils 3 Prozent der Schiffe kamen aus Belgien und Frankreich.

Eisen und Stahl als Umsatztreiber

Der wasserseitige Umschlag in der Gütergruppe "Eisen- und Stahlwaren" stieg im Berichtjahr um 271 798 Tonnen oder 9,7 Prozent. Damit trägt diese Gütergruppe das positive Ergebnis des Gesamthafens. Registriert wurden 3 059 687 Tonnen. Der Anteil von Eisen- und Stahlwaren am Gesamtumschlag erhöhte sich auf 69 Prozent und ist damit dank der Badischen Stahlwerke vor Ort weiter dominant für das Geschehen im Rheinhafen Kehl.

Zellulose, Futtermittel, Ölsaaten, Baukonstruktionen

Bei der "Gemischtwarengruppe" wurde ein Rückgang von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 526 221 Tonnen registriert. Die Zahl der per Schiff umgeschlagenen Containereinheiten ermäßigte sich im Berichtsjahr um 2,3 Prozent auf 30 489 Standard-Container-Einheiten. Die Tonnage der in Schiffscontainern umgeschlagenen Güter stieg hingegen leicht um 1 Prozent auf 239 299 Tonnen an. Zählt man die über Lkw und Bahn abgewickelten Container hinzu, kommt das Terminal Kehl auf eine Verkehrsleistung von 127 110 Standard-Container-Einheiten. Dieses Ergebnis liegt 8,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Der Umschlag von Zellulose fiel im Berichtsjahr um 21 Prozent auf 176 309 Tonnen. Futtermittel und Ölsaaten blieben mit 43 304 Tonnen auf Vorjahresniveau. Baukonstruktionen lagen mit 2660 Tonnen im Plus. Die Zahlen bei Holz mit 3417 Tonnen und chemischen Produkten mit 3820 Tonnen im Minus.

Baustoffe

Nach dem kräftigen Anstieg im Vorjahr auf den höchsten Wert seit 1970 ging der Umschlag von Baustoffen im Berichtsjahr um 4,4 Prozent zurück. Registriert wurden 371 926 Tonnen. In erster Linie sind das Kieswerkprodukte und Schlacke.

Mineralölprodukte und Kohle

Trotz des Rückgangs um 13,6 Prozent bleibt der Umschlag von Mineralölprodukten auf hohem Niveau. Mit 356 514 Tonnen wurde der zweithöchste Wert seit 2009 registriert. Während Diesel (minus 23 Prozent auf 168 233 Tonnen) und Benzin (minus 12 Prozent auf 85 853 Tonnen) in reduziertem Umfang umgeschlagen wurden, gab es beim Heizöl ein Plus von 5 Prozent auf 102 428 Tonnen.

Dank eines Kraftwerkes in Oberkirch gehört der Kohleumschlag nach wie vor zum Hafengeschehen und komplettiert die Palette der Umschlaggüter. Mit 58 917 Tonnen lag das Ergebnis 10 Prozent unter Vorjahresniveau.

Beschäftigung und Arbeitsplätze

Trotz Corona-Pandemie zeigt sich die Beschäftigungslage im Rheinhafen Kehl in einer relativ robusten Verfassung. Am 31. Dezember 2020 wurden 4457 besetzte Stellen registriert. Dieses Niveau liegt 1 Prozent unter dem des Jahres 2019 (4513) und ebenso knapp unter den Zahlen des Rekordjahres 2018 (4518). Sehr erfreulich war die Entwicklung bei den Gewerbebetrieben mit einem deutlichen Plus von 53 auf 611 Stellen. Die Industrieunternehmen mit einem Minus von 32 auf 3090, der Bereich Spedition, Schifffahrt und Umschlag mit einem Minus von 57 auf 533 sowie die Dienststellen – Minus 20 auf 223 – meldeten hingegen rückgängige Zahlen. Der Anteil der Grenzgänger erhöhte sich leicht auf 19,3 Prozent.