Vortrag

Sarah Wiener referierte im Audimax über nachhaltige Ernährung

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Do, 13. Februar 2020 um 17:48 Uhr

Freiburg

Die Europaabgeordnete und Fernsehköchin Sarah Wiener ließ sich von 40 gestohlenen Werbeplakaten nicht die Stimmung verderben. Im gut gefüllten Audimax referierte sie über nachhaltige Ernährung.

Der Diebstahl von rund 40 Werbeplakaten für die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Sarah Wiener unter dem Titel "Ernährungswende statt Klimawandel" schien sich nicht negativ ausgewirkt zu haben. Das Audimax der Universität war gut gefüllt, die bekannte deutsch-österreichische Fernsehköchin, Autorin und Politikerin hatte viele Interessierte angelockt, so wie es sich die Initiativen des Projekts "Gemeinsam jetzt" erhofft hatten.

Durch Prominente soll Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit geschaffen werden für die Engagierten, erklärte Franz-Albert Heimer vom Treffpunkt Freiburg, dessen Verein den Abend zusammen mit der Gemeinwohlökonomie Baden-Württemberg und "Kultur leben" organisiert hat, finanziell unterstützt von der Regionalwert AG. Vor dem Vortrag von Wiener durften sich deshalb 13 Initiativen und Vereine aus dem Raum Freiburg vor großen Publikum vorstellen und ihre Arbeit im Bereich Ernährung und Landwirtschaft skizzieren. Wiener saß da bereits im Publikum und spendete allen Applaus.

Nachhaltige Ernährung und der Job im Parlament

Sie war aus Straßburg angereist, denn 2019 wurde sie für die österreichischen Grünen ins Europaparlament gewählt, wo sie – ohne parteipolitische Erfahrung – eine "steile Lernkurve" hinter sich habe. Typische Politiker-Worthülsen scheint sie sich aber nicht angeeignet zu haben. Etwa eine Dreiviertelstunde referierte sie in freier Rede über nachhaltige Ernährung und ihren neuen Job im Parlament, vor allem den im Landwirtschaftsausschuss "mit vielen alten weißen Männern". Sie hat schnell festgestellt, dass "obwohl die Ernährung die Säule unserer Existenz ist, viele Politiker glauben, es wäre ein weiches Frauenthema".

Als Köchin engagiert sie sich seit 2007 in einer eigenen Stiftung für die gesunde Ernährung von Kindern, und hat neben ihren Restaurants inzwischen auch einen Bio-Bauernhof in der Uckermark und eine Holzofenbäckerei.

"Selber frisch, regional und vielfältig zu kochen, ohne Surrogate und Industrieprodukte, ist am sinnvollsten und am wichtigsten, um der Agroindustrie die Stirn zu bieten", sagte die 57-Jährige. Sie wetterte gegen industriell gefertigte Brote, gegen H-Milch, Überproduktion und Saatgutkonzerne, für sie sind das "Chemiekonzerne, die nebenher Saatgut herstellen". Und sie beklagte die Benachteiligung von kleinen Handwerksbetrieben. "Wir müssen auch Qualität einfordern", erklärte Wiener und rief die Zuhörenden dazu auf, mit ihren Ideen als "zivile Kämpfer" dazu beizutragen.

An der Diskussionsrunde mit ihr und Vertretern von Vereinen waren dann aber trotzdem nicht mehr so viele interessiert, das Audimax hatte sich um mehr als die Hälfte geleert.

Bei den Fragen aus dem Publikum, bei denen es unter anderem um die europäische Landwirtschaftspolitik ging, meldete sich auch eine Mutter zu Wort, die sich darüber beklagte, dass es in der Schulkantine ihre Kindes täglich zwei Fleischgerichte gebe, und weder regional noch saisonal gekocht, sondern nur auf den Preis geachtet werde. Winzer Andreas Dilger, der zum Ernährungsrat Freiburg gehört und auf dem Podium das Agrikulturfestival vertrat, sah ebenfalls "Widersprüche" in der Stadt, die sich so gerne als "Green City" bezeichne. Nicht nur in vielen Schulkantinen seien "Anspruch und Realität weit auseinander".

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