Entscheidende Spiele

SC-Fans zeigen ihre Glücksbringer im Abstiegskampf

Christian Engel und Moritz Aichele

Von Christian Engel & Moritz Aichele

Fr, 04. Mai 2018 um 16:49 Uhr

Freiburg

Beim Abstiegskampf kommt es auf zwei Dinge an: Kampf und Glück. Wenn der SC Freiburg in Gladbach um den Klassenerhalt kämpft, hat er zumindest das Glück auf seiner Seite – dank seiner Fans und ihrer Talismane.

Andreas Mück, 35, Glücksbringer: Schal


Sein Onkel machte ihn einst zum SC-Fan. Bereits 1996, als kleiner Steppke, bekam Andreas Mück einen Schal geschenkt – den hat er bis heute. "Erstaunlich gute Qualität", sagt er. Kein einziges Mal habe er den Schal flicken müssen. Aber einmal wäre er ihm beinahe abhandengekommen. In Stuttgart war das, vor drei Jahren. Bei dem Auswärtsspiel gerieten er und seine Kumpels in eine Meute von VfB-Ultras. Einer riss ihm den Schal vom Hals und rannte davon – Mück hinterher. Als der Ultra merkte, dass sich der SC-Fan nicht abschütteln ließ, pfefferte er den Schal in eine Hecke. Andreas Mück drückte ihn an sich, legte ihn um, ging ins Stadion und beschwor die Macht seines Glücksbringers – der SC glich dank Doppelpacker Petersen einen 0:2-Rückstand noch aus.

Stefan Mäder, 40, Glücksbringer: Trikot



Seit 1985 geht Stefan Mäder regelmäßig ins Stadion, natürlich immer im Trikot des SC Freiburg. Das Trikot ist seiner Meinung nach ein Accessoire, das bei keinem Spiel fehlen darf – insgesamt hat er mehr als 20. Sein erstes bekam der Freiburger Anfang der 90er-Jahre, damals lief der Sportclub noch mit Sponsor Pöpperl auf der Brust auf. Stefan Mäder hat kein Lieblingstrikot, jedoch zieht er immer jenes der aktuellen Saison an, wenn er ins Stadion geht – zur Zeit am liebsten das mit der Nummer 18, das von Nils Petersen. Vergangene Saison reiste er mit Freunden zum letzten Spiel nach München. Dort kauften sie sich alle das damalige Ausweichtrikot in Grün – leider brachte es kein Glück: Bayern gewann. Seit einem Jahr kommt auch Sohn Jannis (links im Bild) regelmäßig mit ins Stadion – selbstverständlich nur im Trikot des SC. Eigentlich haben die beiden eine Dauerkarte auf Nord, ganz selten sitzen sie mal auf der Osttribüne. Fan vom SC ist Stefan Mäder deshalb, weil er es toll findet, hier und da mal einen großen Verein zu ärgern. "Außerdem", sagt er, "ist hier alles sehr familiär." Er ist sicher, dass der SC in der ersten Liga bleibt.

Livia Fleischer, 23, Glücksbringer: Füchsle-Schal



Zum zehnten Geburtstag bekam Livia Fleischer (Foto rechts) von Bruder Felix einen Füchsle-Schal geschenkt – seitdem kann sie sich ein Leben ohne ihren SC nicht mehr vorstellen. Sie besitzt Trikots, Accessoires und Wollmützen, falls es mal kalt wird (wie das Foto von der Südtribüne mit Freundin Julia Urbatzka zeigt). Seit drei Jahren ist die Sportstudentin als Betreuerin bei SC-Grundschulturnieren dabei. Als Dank bekommt sie eine Dauerkarte – und die nutzt sie: Livia Fleischer lässt kaum ein Heimspiel sausen. Häufig ist ihr Glücksbringer, der 13 Jahre alte Füchsle-Schal, mit dabei. Er hat hier und da Ketchup- oder Senfflecken, weil die Stadionwürste hin und wieder kleckern – Livia Fleischer glaubt aber an seine Glücksbringerqualitäten. Wichtiger als Glück ist ihrer Meinung nach aber das: "Laute Fans, kämpfende Spieler – und Supertrainer Christian Streich."

Victor Köster, 24, Glücksbringer: Socken



Mit weiten Reisen kennt sich Victor Köster aus. Der Krankenpfleger fährt zu jedem Auswärtsspiel, wenn es die Arbeit zulässt. Vergangenen Sommer bretterte er sogar nach Domzale/Slowenien – drei Tage vor seiner praktischen Abschlussprüfung: Er flog nicht durch, der SC allerdings raus. Seine Glückssocken dürfen nie fehlen. Die hat sich Victor Köster vor drei Jahren im SC-Fanshop gekauft, seitdem trägt er sie bei jedem Spiel – auch in Peru. Dort befindet sich der gebürtige Freiburger derzeit, um das Land kennenzulernen und sein Spanisch zu verbessern. Jeden Samstag ist er bisher um 8 Uhr aufgestanden, um die SC-Spiele übers Internet zu verfolgen. Gegen Mainz hatte er sogar eine Kneipe gefunden, die extra für ihn das Spiel auf vier Bildschirmen zeigte (das Ergebnis hätte er sich gern gespart). Beim Heimsieg gegen Köln trug er die schlichten, schwarzen (und stets gewaschenen) Socken – und gegen Gladbach will er es auch tun. Victor Köster drückt die Zehen für den Klassenerhalt.

Ada Haas, 22, Glücksbringer: Kaffeetasse



Dass der SC wochenlang ohne Sieg war, lag nicht – wie Experten meinten – an Personalmangel und Offensivflaute. Es lag an der Kaffeetasse von Ada Haas. Denn ihr Glücksbringer war nicht in Gebrauch, als die Auftritte des Sportclubs schmeckten wie kalter Cappuccino. Neulich, in den Semesterferien, flog die Jurastudentin für drei Wochen in die Karibik – ihre SC-Tasse, die der Mitbewohner ihr zum Saisonstart geschenkt hatte, musste daheim bleiben. Also blieb auch das übliche Glücksbringerritual aus, das Ada Haas vor Spieltagen ausübt: Kaffee mit einem Schuss Milch aus der SC-Tasse trinken. Und was geschah in der dreiwöchigen Ritual-Abstinenz? Niederlagen gegen Wolfsburg, Mainz und Hamburg. Vor Köln nippte sie wieder an der Tasse, logisch, dass der SC die Partie gewann. Gegen Gladbach ist das Haas’sche Ritual erneut fest eingeplant – ein Sieg also auch.

Gecko, 34, Glücksbringer: Mujdza



Vor zwei Jahren entschied sich Gecko (den richtigen Namen behält er für sich) spontan, zu einem SC-Auswärtsspiel zu fahren. Er war für einen Tag geschäftlich in Frankfurt gewesen, fuhr nach Hamburg zurück – da fiel ihm ein: Sein Sportclub kickt in Braunschweig. Also raus in Braunschweig, rein in den Gästeblock: in Anzug und Business-Hemd (die Laptoptasche hatte er am Eingang abgegeben, die Krawatte zog er aus). Gecko und 300 SC-Fans bejubelten den Ausgleich in der Nachspielzeit. Beim Abklatschen mit den Spielern am Zaun muss dem SC-Kicker Mensur Mujdza der Mann in dem feinen Zwirn aufgefallen sein: Er schenkte ihm prompt sein Trikot. "Mujdza dachte wohl: Dem Typen fehlt noch ein passendes Fan-Accessoire", sagt Gecko. Seitdem trägt er am liebsten das Trikot des SC-Verteidigers, wenn er mit seinen Kumpels vom Fanclub Alsterfüchse den Sportclub vor dem Bildschirm oder von der Tribüne aus unterstützt.