Corona-Demo

Schädliche Mischung aus Falschmeldung, Meinungsmache und Stigmatisierung

Peter Pampuch

Von Peter Pampuch (Freiburg)

Fr, 04. Dezember 2020

Freiburg

Zu: "Da braut sich was zusammen", BZ vom 19. November:
Ich verbinde mit Anthroposophie eine bis heute Kultur schaffende, gesellschaftlich engagierte und vielfach anerkannte Wirksamkeit: Waldorfpädagogik, anthroposophische Medizin und Kliniken, Weleda und Wala, Demeter und so weiter. Ich verfolge eine zumeist anspruchsvolle Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit.

Anthroposophie hat nichts mit "dumpfer Unzufriedenheit", Ideologie und schon gar nichts mit Antisemitismus zu tun, in deren gesellschaftlich zerstörenden Kontext Altstadtrat Müller und die Artikelschreiber sie stellen. Mit dem Gegenteil dieser Unterstellungen würden sie richtiger liegen.

Ebenso wenig können Coronaleugnung, Maskenverweigerung oder provokative Ordnungswidrigkeiten aus anthroposophischem Bemühen hergeleitet werden. Ein Diskurs über Ursachen und Umgang mit der Pandemie findet in der Regel auf hohem Niveau auch in anthroposophischen Veröffentlichungen statt – Beiträge zum Verständnis und zur Überwindung dieser gesellschaftlichen Herausforderung, wenn auch nicht immer im Meinungsmainstream.

Wieweit das auf dem Rathausplatz von anthroposophischer Seite Vorgetragene dem oben dargestellten Anspruch entsprach, kann ich nicht beurteilen. Ich war nicht dabei. Natürlich gibt es auch im anthroposophischen Umfeld ideologische Verengungen und dogmatische Diskursverweigerung. In welcher Gruppierung auch immer ist das denn nicht anzutreffen?

Aber wenn Altstadtrat Müller und die Autoren des Artikels Anthroposophie generalisierend in den Kontext mit demokratiegefährdenden und ideologisierten Umtrieben oder in die Nähe rassistischer, antisemitischer Menschenverachtung rücken, dann müssen sie sich fragen lassen, ob sie nicht selbst eine schädliche Mischung aus Falschmeldung, ideologischer Meinungsmache und desinformierender Stigmatisierung zusammenbrauen.

Peter Pampuch, Freiburg