Siemes-Knoblich tritt nicht wieder an

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 28. Juni 2019

Müllheim

Bürgermeisterin erklärt Verzicht auf erneute Kandidatur bei den anstehenden Wahlen / Reaktionen aus dem Gemeinderat.

MÜLLHEIM. Diese Entscheidung war in Müllheim schon länger mit Spannung erwartet worden – nun ist es offiziell: Amtsinhaberin Astrid Siemes-Knoblich wird bei der Bürgermeisterwahl im Oktober nicht erneut antreten. Sie wolle zu einer Aufgabe in der freien Wirtschaft zurückkehren, erklärte Siemes-Knoblich im Gemeinderat. Die ersten Reaktionen aus dem Gremium künden von Respekt, sind aber eher verhalten.

Es bleibt bei einer Amtsperiode. Astrid Siemes-Knoblich, die 2011 als Nachfolgerin von René Lohs zur Bürgermeisterin von Müllheim gewählt wurde, tritt bei der anstehenden Wahl zum Stadtoberhaupt des Mittelzentrums am 13. Oktober nicht wieder an. Eine Entscheidung bezüglich Siemes-Knoblichs erneuter Kandidatur war in Müllheim schon länger mit Spannung erwartet worden, nun erklärte sich die Rathauschefin mit einem kurzen Statement in der letzten Sitzung der ablaufenden Legislaturperiode des Gemeinderats am Mittwochabend.

Die Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, habe sie nicht leichtfertig gefällt. Doch "nach reiflicher Überlegung mit meiner Familie und weiteren Vertrauten habe ich mich entschlossen, zu einer Aufgabe in der freien Wirtschaft zurückzukehren", erklärte Siemes-Knoblich. Nähere Gründe für ihren Entschluss, sich nicht erneut für das Bürgermeisteramt zu bewerben nannte sie nicht.

"Die letzten siebeneinhalb Jahre haben mir einen reichen Erfahrungsschatz beschert. Viele neue Aufgaben und viele neue Menschen haben meinen Alltag bereichert. Dabei habe ich Erkenntnisse und Erfahrungen gewonnen, die für meine neuen Aufgaben sehr wertvoll sein werden", sagte Siemes-Knoblich. Sie blicke mit Dankbarkeit auf die ablaufende Amtszeit zurück und deutete an, dass sie die ihr noch verbleibende restliche Zeit mit Elan angehen wolle: "In den verbleibenden Monaten werden wir gemeinsam noch einige Projekte vorantreiben oder gar zu Ende bringen – da bin ich sicher. Und ich hoffe sehr, dass ich meinem Nachfolger, meiner Nachfolgerin damit auch noch ein Portfolio von spannenden, deutlich vorangetriebenen Projekten hinterlassen kann", erklärte die Bürgermeisterin in der Ratsrunde.

Die ersten Reaktion aus dem Gemeinderat auf die Entscheidung von Astrid Siemes-Knoblich fallen eher verhalten aus. Respekt und Verständnis dafür klingen überall durch, deutlich wird aber auch, dass das Ratsgremium mit der Rathauschefin nicht wirklich warm geworden ist. Das gilt selbst für die CDU-Fraktion, die sich oft noch am deutlichsten auf Seiten von Siemes-Knoblich positioniert hat. "Aber auch wir waren nicht immer ganz auf ihrer Linie", sagt Ulli Waldkirch, CDU-Stadtrat und Stadtverbandsvorsitzender der Müllheimer Christdemokraten.

Nicht wieder anzutreten sei ihre ureigene Entscheidung, "die wir natürlich respektieren", sagt Waldkirch, der auch darauf verweist, dass die vergangenen acht Jahre kein Zuckerschlecken für die Bürgermeisterin gewesen seien. "So ein politisches Amt mit vielen Widerständen kann auch sehr zermürbend sein", zeigt Waldkirch Verständnis für den Rückzug. Den mitunter zu hörenden pauschalen Vorwurf, es hätte sich unter der Ägide von Siemes-Knoblich in Müllheim nichts getan, könne er nicht unterschreiben. Allerdings: "Auch unser Empfinden war es, dass man sich oft schwer getan hat, Entscheidungen zu treffen und diese auch durchzuziehen", meint Waldkirch und verweist unter anderem auf die Probleme bei den Schulsanierungen und der aus CDU-Sicht zu zögerlichen Baulandentwicklung.

Von "weiterem Stillstand" nach der Amtszeit von René Lohs spricht Michael Nutsch. Vielleicht sei Lohs’ Erbe auch nicht so schnell zu reparieren gewesen, meint der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, aber jetzt brauche Müllheim unbedingt jemanden, der die Stadt wieder voranbringe und ihr zu der Bedeutung verhelfe, die sie als Mittelzentrum habe. Auch in der Konkurrenz zu anderen Orten in der Region, wie etwa Bad Krozingen, habe Müllheim in den vergangenen 16 Jahren zu sehr das Nachsehen gehabt, meint Nutsch.

"Am Ende hat sie die Praxis eingeholt"

Astrid Siemes-Knoblich sei zu sehr mit der Verwaltung beschäftigt gewesen, auch die angekündigte Bürgerbeteiligung habe nicht das gebracht, was man sich erhofft habe. "Es gab diverse Workshops und Foren, aber am Ende hat sie die Praxis eingeholt", meint Nutsch. Umso wichtiger sei nun, geeignete Kandidaten zu finden, so der FWG-Stadtrat. Er schlägt vor, dass sich die Fraktionen zusammensetzen sollten, um zu klären, ob man nicht auch gemeinsam auf die Suche gehen könne – "oder ob jeder sein eigenes Süppchen kocht".

Zwar seien Gerüchte im Umlauf gewesen, dass die Bürgermeisterin nicht wieder kandidiert, dennoch habe sie die am Mittwochabend verkündete Entscheidung durchaus überrascht, zumal sie ja auch noch für den Kreistag kandidiert habe, erklärt Ulrich Menny, Fraktionssprecher der SPD im Müllheimer Gemeinderat. Siemes-Knoblichs Amtszeit sei "nicht unholprig gewesen", man sehe sie aber nicht nur negativ. "Sie war ohne Zweifel eine intelligente, fleißige und ambitionierte Bürgermeisterin", so Menny. Allerdings sei sie in den Ergebnissen nicht effektiv genug gewesen.

Man müsse sich auch fragen, so der SPD-Gemeinderat, ob Siemes-Knoblich die Aufgabe zu Beginn nicht unterschätzt habe. Nach alternativen Bewerbern hätten die Müllheimer Sozialdemokraten auch Ausschau gehalten bei einer Entscheidung von Siemes-Knoblich für eine erneute Kandidatur. "So oder so war schon eine gewisse Wechselstimmung spürbar", meint Menny.

"Wir sind darüber nicht unglücklich", sagt Martin Richter, Sprecher der Fraktion ALM/Grüne ganz offen. Siemes-Knoblichs Entscheidung sei schon "gewissen Realitäten" geschuldet. "Wir hatten öfter das Gefühl, sie schafft das nicht so richtig", meint Richter und gibt ebenfalls der Hoffnung Ausdruck, nun ein Stadtoberhaupt zu finden, das Müllheim besser voranbringe. In Richters Überlegungen schwingt aber auch die Befürchtung mit, dass dies nicht ganz einfach sein könnte. "Wir haben da schon eine gewisse Sorge, dass sich zu wenig qualifizierte Leute finden könnten."