Coronavirus

So steht es um das Coronavirus im Landkreis Lörrach

Savera Kang, Julia Jacob

Von Savera Kang & Julia Jacob

Mi, 26. Februar 2020 um 18:25 Uhr

Kreis Lörrach

Atemschutzmasken sind in Lörracher Apotheken bereits ausverkauft. Wie ist der Landkreis aufgestellt, wenn es zu Infektionen kommt? Und worauf müssen 25 000 Grenzgänger gefasst sein? Ein Überblick.

Wer in Lörrach eine Atemschutzmaske kaufen will, kommt zu spät. Diese bieten jedoch ohnehin nur bedingt und für wenige Stunden Schutz, regelmäßiges Händewaschen ist sinnvoller. Noch ist keine Corona-Infektion im Landkreis gemeldet. Doch wie wäre der Landkreis aufgestellt, käme es doch zu Infektionen? Und worauf müssten sich die rund 25 000 Grenzgänger im Kreis gefasst machen?

Wie ist die Situation im Landkreis?
"Derzeit gibt es im Landkreis Lörrach weder Erkrankungsfälle noch begründete Verdachtsfälle einer Coronavirusinfektion", schreibt Katharina von der Hardt, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit im Landratsamt (LRA). Sie verweist für allgemeine Fragen zum Coronavirus an die telefonische Hotline des Landesgesundheitsamts im Regierungspräsidium Stuttgart.
Bei Fragen: Hotline des Landesgesundheitsamts im Regierungspräsidium Stuttgart: 0711/90 43 95 55.

Und bei den Schweizer Nachbarn?
Im Ernstfall sei mit einer erfolgreichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu rechnen, heißt es aus dem LRA. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen bestätigt: "Wir haben derzeit täglichen Kontakt." Seit Januar habe es in Basel-Stadt 55 Verdachtsfälle gegeben, "44 waren negativ, 11 sind aktuell noch offen", informiert Steffen. Einen bestätigten Erkrankungsfall gebe es dort nicht, es sei allerdings "wahrscheinlich, dass auch in Basel ein Fall auftritt".

An wen wenden bei Verdacht?
Erste Anlaufstelle für Menschen mit einem Verdacht ist der Hausarzt oder der hausärztliche Notdienst. Auch an das Gesundheitsamt im Landratsamt kann man sich wenden. Die Kontaktaufnahme sollte telefonisch erfolgen, um im Fall einer Erkrankung keine weiteren Ansteckungen zu riskieren. Grundsätzlich seien die Kliniken im Kreis für den Ernstfall gerüstet, heißt es von den Kreiskliniken.
Bei Verdacht: Das Gesundheitsamt im Landratsamt ist montags bis donnerstags zwischen 8 und 16 Uhr und freitags von 8 bis 12.30 Uhr unter der Telefonnummer 07621/41 02 101 erreichbar.

Was raten die Gesundheitsämter?
Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit im Landratsamt, Von der Hardt, schreibt: "Da es im Landkreis Lörrach derzeit keine Coronavirus-Erkrankungsfälle gibt, gelten die allgemeinen Empfehlungen des Robert-Koch Instituts zu COVID-19. Bei Infekten der oberen Luftwege wird insbesondere auch zu Grippezeiten empfohlen, Einmaltaschentücher zu verwenden, diese anschließend sofort zu entsorgen (geschlossene Behältnisse) sowie die Hände mehrfach täglich, insbesondere nach dem Nasenputzen, gründlich mit Wasser und Seife zu waschen. Beim Husten und Niesen sollten die Ellenbeuge oder ein Einmaltaschentuch vor Mund und Nase gehalten werden."
Allgemeine Empfehlungen: Die Hinweise des Robert-Koch Instituts zu COVID-19 sind hier zu finden.

Und wenn man kürzlich in Italien war?
Das LRA informiert: "Personen, die sich in einem Risikogebiet (in Italien derzeit nur Provinz Lodi und Stadt Vó) aufgehalten haben und innerhalb von 14 Tagen nach Rückkehr Krankheitszeichen wie beispielsweise Fieber oder Husten entwickeln, sollen sich unbedingt telefonisch an ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt wenden." Das selbe gilt für diejenigen, die Kontakt zu einer nachgewiesenermaßen an Coronavirus erkrankten Person hatten. Wer in Italien war, jedoch nicht in einem der Risikogebiete, dem rät das Gesundheitsamt: Wenn "innerhalb von 14 Tagen nach Rückkehr Krankheitszeichen, wie zum Beispiel Fieber oder Husten" auftreten, "wird empfohlen, bis zur Genesung möglichst zu Hause zu bleiben, unnötige Kontakte zu vermeiden und sich bei Bedarf zunächst telefonisch beim Hausarzt mit Hinweis auf die durchgeführte Reise anzumelden."

Was erwartet Grenzgänger?
Nachdem in Norditalien Fälle der Viruserkrankung bekannt geworden sind – und es auch in der Schweiz einen ersten bestätigten Fall gibt – diskutieren die Eidgenossen über die Möglichkeit, die Grenze zum südlichen Nachbarn im Tessin dicht zu machen, über die jeden Tag Tausende Arbeiter einreisen. Soweit wird es vermutlich nicht kommen. Noch unwahrscheinlicher erscheint derzeit ein Einreisestopp aus Deutschland.
Informationen des Landesgesundheitsamts zum Coronavirus gibt es hier

Wie reagiert die Wirtschaft?
Handel und Industrie würden im Fall einer längerfristigen Abriegelung der Schweiz erheblich leiden. "Ich will mir gar nicht ausmalen, was das bedeuten würde", sagt IHK-Sprecher Uwe Böhm. Dass Grenzschließungen derzeit jedoch nur im Bereich des Spekulativen liegt, zeigt die Nachfrage beim Bundesinnenministerium. Grenzschließungen müssten, sollten sie erfolgen, von dort angewiesen werden. Am Telefon wird man jedoch nur lapidar gebeten, per E-Mail nachzufragen. Die Anfrage scheint nicht als dringlich wahrgenommen zu werden.

Bleiben bereits Touristen aus?
Die Basler Fasnacht zieht aufgrund ihrer Einzigartigkeit Touristen aus aller Welt an, erfahrungsgemäß überwiegend "aus grenznahen Ländern wie Deutschland, Italien und Frankreich", erläutert Anneke Geyer von Basel Tourismus. Beinahe 23 000 Logiernächte habe man im vergangenen Jahr während der "drey scheenschte Dääg" verzeichnet. Stand Mittwochnachmittag sei, dass sich für diesen März weder eine Stornierungswelle noch große Verunsicherung abzeichnet. "Wir dürfen im Gegenteil feststellen, dass wir über Budget liegen", so Geyer.

Gibt es am EAP längere Wartezeiten?
"Der Euroairport ist in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden der Schweiz und Frankreichs", antwortet Flughafensprecherin Vivienne Gaskell. Bereits seit Ende Januar werden Passagiere dort durch Flyer und Plakate "über die Symptome der Krankheit sowie die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden sensibilisiert". Besondere Kontrollen, die Wartezeiten verlängern würden, werden derzeit jedoch nicht durchgeführt.
Weitere Infos:

Infos der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung hier.

Mehr zum Thema: