23. Prozesstag

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für Hussein K.

Carolin Buchheim (aktualisiert um 13.22 Uhr)

Von Carolin Buchheim (aktualisiert um 13.22 Uhr)

Fr, 09. März 2018 um 07:00 Uhr

Freiburg

Oberstaatsanwalt Eckart Berger hat im Mordprozess gegen Hussein K. Höchststrafe gefordert: Lebenslange Haft, Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Der Prozess ist für heute beendet. Er wird am kommenden Montag, 12. März 2018 fortgesetzt. Dann werden Nebenklagevertreter Bernhard Kramer und Hussein K.s Verteidiger Sebastian Glathe ihre Schlussvorträge halten. Das Urteil soll am Donnerstag, 22. März 2018, verkündet werden.
Schlussvortrag der Staatsanwaltschaft
12.50 Uhr Oberstaatsanwalt Eckart Berger beginnt sein Plädoyer an einem Stehpult an seinem Platz stehend. Berger beginnt mit einleitenden Ausführungen. "Ich bin von der Presse oft gefragt worden, wie es sein kann, dass diese Verhandlung so lang dauert", beginnt er. "Es liegt nicht an einer schlechten Anklage, nicht an der Verteidigungsstrategie, nicht an der Verhandlungsführung." Diese sei ruhig und exzellent gewesen. "Es freut mich, dass ich Ihnen das in öffentlicher Verhandlung sagen kann", sagt er in Richtung der Kammer. An Verteidiger Glathe gerichtet sagt er: "Sie haben zu Beginn des Prozesses darauf hingewiesen, dass seine Aussage nicht aus Ihrer Feder war. Das war evident", sagt Berger. "Ich habe Ihnen Respekt auszusprechen, dass Sie sich diesem Verfahren in seiner Gänze gestellt haben." Das hätten nicht viele Verteidiger gewagt.

"Finden Sie die Rückkehr zur Wahrheit. Sie haben in drei Tagen bei Ihrem letzten Wort die Möglichkeit dazu."Oberstaatsanwalt Eckart Berger zum Angeklagten Hussein K. Warum hat die Verhandlung so lange gedauert? Zum einen hätten die Ermittlungen lange gedauert, die Anklage habe aus Fristgründen erfolgen müssen, bevor etwa das Handy ausgewertet worden sei. Außerdem sei das Verteidigungsverhalten des Angeklagten von Lügen geprägt worden. Berger spricht Hussein K. direkt an: "Das beginnt bei Ihrem Alter, Ihrer Herkunft und persönlicher Geschichte", sagt der Staatsanwalt. "Sie haben zu Ihrem Verhalten, Ihrem Zustand falsche Angaben gemacht. Sie haben sich als betrunken, als Kiffer, als schizophren dargestellt", sagt er. "All das musste widerlegt werden." Berger listet weiter auf: "Sie haben Sozialleistungen in fünfstelliger Höhe erschwindelt, Sie haben Ihre Gastfamilie, die Sie großzügig unterstützt hat, belogen, Daten aus Ihrem Handy gelöscht." All das sei legitim, sagt Berger. "Aber Sie erschweren damit dem Gericht, sie zutreffend zu beurteilen." Die Lügen, die er erzählt habe, würden ihn für die kommenden Jahre verfolgen. "Finden Sie die Rückkehr zur Wahrheit", sagt Berger. "Sie haben in drei Tagen bei Ihrem letzten Wort die Möglichkeit dazu."

Berger beginnt seine Ausführungen zum Fall, beschreibt die Tat noch einmal: Hussein K. habe sich zum Tatzeitpunkt am Tatort aufgehalten, sei zu diesem Zeitpunkt nicht beeinträchtigt gewesen. An der Dreisam habe er Maria L. aufgelauert, vom Fahrrad gezogen, sie sofort gewürgt, zur Dreisam herabgezogen, sie teilweise entkleidet und sexuell missbraucht. Danach platzierte er die noch Lebende so, dass sie ertrinken würde.

"Es ging ihm an den Abend darum, sexuelle Erfahrung zu haben."Eckart Berger "Er wollte sein Opfer töten", sagt Berger. "Es war ihm gleichgültig, ob der Tod schon durch die Drosselung oder erst nach der Vergewaltigung geschah." Es sei ungewöhnlich und sehr nützlich gewesen, dass es aus der Tatnacht Videoaufnahmen des Angeklagten gebe, die ihn bis 45 Minuten vor der Tat zeigten. Diese zeigten, dass K. nicht so beeinträchtigt gewesen sei, wie er es gesagt habe. "Es ging ihm an den Abend darum, sexuelle Erfahrung zu haben", sagt Berger. Dann geht er die Aussagen der Zeugen aus der Innenstadtbar durch, in der Hussein K. kurz vor der Tat feierte. Diese beschrieben K. als nicht auffällig betrunken oder "betrunken spielend". Die Aussage eines Zeugen, der K. als deutlich betrunken beschrieb, der sogar hingefallen sei, sei durch Videoaufnahmen widerlegt worden.

Schon in der Bar habe K. versucht, sexuelle Kontakte anzubahnen. Berger zitiert aus der Aussage einer Zeugin, die von K. fordernd angebaggert und auch begrabscht worden sei. Auch in der Tram, die er um 1.57 ...

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