Reaktionen auf Anschlag

Stimmen aus der jüdischen Gemeinde Emmendingen/Ortenau zur Tat in Halle

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Do, 10. Oktober 2019 um 17:57 Uhr

Offenburg

Erschüttert zeigen sich Mitglieder aus der Region über die abscheuliche Tat in Sachsen-Anhalt. Der Offenburger AfD-Stadtrat Taras Maygutiak schreibt von einer "Inszenierung".

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle mit zwei Todesopfern ist erschütternd. Dass jüdische Einrichtungen in Deutschland Ziel von Gewalttätern werden, weckt schlimmste Erinnerungen. Auch in Offenburg und der Ortenau, wo etliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde Emmendingen/Ortenau wohnen. Für Offenburg werde die Sicherheitslage zwar nicht als kritisch eingeschätzt, heißt es auf Anfrage. Aber seit einem verbalen Übergriff auf das Sommerfest der Gemeinde im Juni 2019, sind die Gemeindemitglieder gewarnt. Offenburgs AfD-Stadtrat Taras Maygutiak verbreitet auf Facebook eine Verschwörungstheorie zum Anschlag in Halle.

"Wir sind wirklich sehr traurig und fühlen uns nicht wohl", sagt eine Sprecherin der jüdischen Gemeinde Emmendingen/Ortenau am Tag nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Ort der Sprechstunde wird nicht genannt

Die Sicherheitslage in Offenburg schätzt sie für die Gemeindemitglieder dort aber als weniger kritisch ein. "Denn wir haben ja kein Gebäude in Offenburg." Die Synagoge und das Büro der Gemeinde befinden sich in Emmendingen. Auch am gestrigen Jom Kippur-Feiertag waren Ortenauer Gemeindemitglieder zum Feiern nach Emmendingen gekommen. "In Offenburg findet lediglich ein- bis zweimal im Monat eine Sprechstunde unserer Sozialarbeiterin statt." Die Sprecherin bittet darum, vor dem Hintergrund des Anschlags vom Mittwoch, den Ort der Sprechstunde nicht in der Zeitung zu nennen.

Antisemitische Tat im Sommer in Offenburg

Das einzige Mal, dass sich die jüdische Gemeinde in der Ortenau in der Öffentlichkeit zeigt, ist bei ihrem Sommerfest zum Jerusalemtag, das in Offenburg gefeiert wird. Dieses Jahr gab es einen verstörenden Vorfall. Ein bislang Unbekannter hatte am 2. Juni auf dem Sommerfest Gemeindemitglieder auf übelste antisemitische Weise beschimpft. Etwa 60 Mitglieder der Gemeinde hatten damals den Jerusalemtag in Offenburg gefeiert. Seit dem Sechstagekrieg 1967 feiern viele Juden mit diesem Tag die Vereinigung Ost-Jerusalems, das seit 1948 jordanisch besetzt war, mit der übrigen Stadt. An diesem Sonntag war es heiß, die Türen standen offen. Die Feiernden hätten normale Sommerkleidung getragen. Nur der Rabbiner, der zum Zeitpunkt des Vorfalls aber nicht im Raum gewesen sei, und der der BZ auf Anfrage den Vorfall schildernde Mann hätten eine Kippa, die religiöse Kopfbedeckung, getragen.

Unbekannter konnte nicht ermittelt werden

Gegen 15.30 Uhr habe der Unbekannte das SFZ betreten. Der etwa 40-jährige Mann sei damals von einem Gemeindemitglied höflich gefragt worden, was er wolle. Der habe geantwortet: "Was wollen Sie von mir? Wir sind hier in Deutschland. Ich kann machen, was ich will." Überrascht vom harschen Ton, habe der Zeuge ihn daraufhin auf den privaten Charakter der Feier hingewiesen und gebeten den Raum zu verlassen. Daraufhin seien die Worte gefallen: "Was wollen Sie hier in Deutschland? Gehen Sie dorthin zurück, wo sie hergekommen sind". Vor dem Eingang habe sich der Mann auf den Rasen gesetzt und gerufen: "Von Euch sind nicht genug vergast worden." "Als ich daraufhin mein Handy gezückt habe, um die Polizei zu rufen, hat er sich aus dem Staub gemacht", berichtete der Zeuge damals der BZ. Eine Anzeige erfolgte. Auch der Staatsschutz hätte sich damals eingeschaltet. Der Unbekannte konnte nach Auskunft des Zeugen von damals aber nicht ermittelt werden.

Maygutiak äußert kein Bedauern für die Opfer

Der Offenburger AfD-Stadtrat Taras Maygutiak kommentierte den Anschlag von Halle öffentlich auf Facebook ohne ein Wort des Bedauerns für die Opfer so: "Bin ja mal gespannt, wer das in Halle inszeniert hat. Die Zeit wird’s zeigen. Das stinkt zum Himmel. Weshalb nur habe ich noch vor der Thüringen-Wahl mit einer derartigen Schweinerei gerechnet?"