Leitungen für die Energiewende

Strom von der Küste für den Süden

dpa

Von dpa

Do, 21. Februar 2019 um 20:23 Uhr

Wirtschaft

Der Bau der wichtigsten und leistungsstärksten Stromtrasse von Nord nach Süd rückt näher. Die Kosten liegen bei zehn Milliarden Euro für 700 Kilometer Leitung.

700 Kilometer unterirdische Stromleitung von Norden nach Süden, Kostenpunkt zehn Milliarden Euro – die Betreiberfirmen Tennet und Transnet-BW haben ihre Pläne vorgelegt, wie Windstrom aus Norddeutschland und Norwegen nach Süddeutschland gelangen soll (siehe Karte). Über die endgültige Trasse entscheidet die Bundesnetzagentur.

Warum wird gebaut?
Notwendig sind Stromautobahnen wie Suedlink, Ultranet oder Suedostlink, weil Deutschland aus der Atomkraft und der Kohle aussteigt. Der Ökostromanteil von heute mehr als einem Drittel soll bis 2030 auf 65 Prozent steigen. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, muss der an Nord- und Ostsee erzeugte Windstrom dorthin fließen. Außerdem sollen die Stromtrassen den Stromtransport von und nach Skandinavien und Osteuropa erleichtern.

Was kostet das?
Die beiden Betreiberfirmen Tennet und Transnet-BW rechnen nach eigenen Angaben "konservativ" mit zehn Milliarden Euro für Suedlink. Ursprünglich waren drei Milliarden geplant, denn eigentlich sollten die Trassen als Freileitungen mit Masten gebaut werden. Dann gab es Bürgerproteste, die Bundesregierung lenkte ein, die Leitungen werden nun größtenteils unterirdisch verlegt. Das hat seinen Preis.

Wer bezahlt das?
Die Stromkunden werden zur Kasse gebeten. Sie zahlen mit der Stromrechnung auch die Kosten für den Ausbau des Stromnetzes.

Wie viele Stromtrassen
soll es geben?

Insgesamt sind drei Trassen geplant. Suedlink ist die mittlere Trasse, die auch die leistungsstärkste sein soll. Genau genommen besteht sie aus zwei Leitungen, die parallel gebaut und betrieben werden sollen. Östlich davon soll Suedostlink verlaufen, im Westen Ultranet. Diese Trasse soll durch das Ruhrgebiet verlaufen und bei Karlsruhe enden.

Wo geht Suedlink entlang?
Suedlink soll vom südlichen Schleswig-Holstein bis Grafenrheinfeld in Unterfranken und zum Umspannwerk Großgartach bei Heilbronn führen. 20 Kilometer der Stromtrasse sollen durch Schleswig-Holstein führen, mit 315 Kilometern bekommt Niedersachsen den Plänen zufolge den längsten Teil der Kabel, die überwiegend unterirdisch verlaufen sollen. Durch Hessen sollen 59 Kilometer führen, 78 durch Thüringen, 135 durch Bayern und 97 Kilometer durch Baden-Württemberg. Hier sollen die letzten 14 Kilometer in Bergstollen der Südwestdeutschen Salzwerke verlegt werden.

Wie geht es weiter?
Vom 28. Februar an legen die Unternehmen ihre Pläne der Bundesnetzagentur vor. Parallel wollen Tennet und Transnet-BW die Bürger vor Ort über Hintergründe ihrer Streckenauswahl informieren. Über einen ersten Abschnitt eines 1000 Meter breiten Korridors will die Behörde voraussichtlich Ende 2019 entscheiden, wie ein Sprecher sagte. Der konkrete, 30 Meter breite Korridor werde dann in einem Planfeststellungsverfahren bis 2021 festgelegt, 2025 soll Suedlink fertig sein und in Betrieb gehen. Ob das klappt, ist nach Einschätzung der Unternehmen aber alles andere als sicher. Es wird also spannend, ob Bürgerinitiativen und Politik sich mit den Plänen abfinden – oder ob es viele Klagen und Proteste gegen die Stromtrasse gibt.