Karlsruher Atomforschungsinstitut

Der unheimliche Nachbar

Meinrad Heck

Von Meinrad Heck

Mi, 14. September 2011

Südwest

Das Karlsruher Atomforschungsinstitut will erweitern, doch Kommunalpolitiker sind dagegen. Jetzt soll ein Mediator den Konflikt entschärfen.

K 30/65 wird in wenigen Tagen 27 Jahre alt. Hinter dem Aktenzeichen steckt ein dünnes Dokument, das auf zwei Seiten knapp 300 Wissenschaftlern im Institut für Transurane (ITU) auf dem Gelände des Karlsruher Forschungszentrums außergewöhnliche Kompetenzen einräumt. Dieses Institut darf laut Beschluss des baden-württembergischen Umweltministeriums seit dem 19. September 1984 jährlich bis zu 180 Kilogramm Plutonium und 50 Kilogramm Uran hinter seinen dicken Stahlbetonmauern lagern und mit diesen Stoffen forschen. Doch Deutschland will aus der Kernenergie aussteigen. Wozu sie also noch erforschen?, mag der Deutsche fragen.

Was politisch als beendet gilt, wird auf wissenschaftlicher Ebene im Forschungszentrum Karlsruhe munter weiter betrieben. Es geht um die Forschung an Kernreaktoren der vierten Generation. Reaktoren, die in der Lage sein sollen, langlebige Spaltprodukte mit einer Halbwertszeit von mehreren zehntausend Jahren in kurzlebige von nur noch wenigen hundert Jahren umzuwandeln. Diese so genannte Transmutation – wenn sie denn funktioniert – ließe das Entsorgungsproblem als lösbar erscheinen, und das könnte in der Industrie neue Begehrlichkeiten wecken.

Deshalb tobt seit Monaten in Nordbaden, von einer breiten Öffentlichkeit ...

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