Offenburg

Task Force will junge Leute aus der Corona-Isolation holen

ske

Von ske

Do, 22. Juli 2021 um 08:45 Uhr

Offenburg

"Keine und keiner darf verloren gehen" – das ist das Ziel der Task Force gegen Schulabbruch im Ortenaukreis. Es soll auch die Persönlichkeitsentwicklung besonders hart getroffener Schüler stärken.

Dass die Corona-Pandemie Folgen gerade für junge Menschen haben würde, veranlasste eine im Februar gebildete Task Force aus dem Bereich der Schulsozialarbeit beim Landratsamt des Ortenaukreises zum Handeln: Ergebnis ist ein Projekt namens "Pick U up" auf dem Tisch, das Schülerinnen und Schülern, die durch Corona mehr als sonst vom Schulabbruch bedroht sind, die Hand reichen sollte.

Das Geld dazu kommt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), der entsprechende Fördermittel für den Kampf gegen Ausgrenzung und Armut, verursacht durch die Pandemie, zur Verfügung stellt und das Offenburger Projekt als förderwürdig erkannt hat. Georg Benz, langjähriger Sozialdezernent des Landratsamtes Ortenaukreis und ab September diesen Jahres im Ruhestand, betonte bei der Vorstellung des nach den Herbstferien anlaufenden Förderprojekts, dass die Geschwindigkeit und Qualität des Projektkonzepts für den Zuschlag entscheidend gewesen seien. Bernhard Kohler, Leiter des Amtes für Schule und Kultur, und Marion Stumm, Sachgebietsleiterin Schulsozialarbeit an Beruflichen Schulen Ortenaukreis, berichteten über Ziele, Zielgruppe und die einzelnen Bausteine des Projekts.

Schulabschlüsse und Zukunftsperspektiven in Gefahr

Es sei auffallend, dass durch vermehrten Schulausfall, Homeschooling und mangelnde Direktkontakte mit Lehrkräften und Gleichaltrigen, durch Zukunftsängste und mangelnde Planungssicherheit viele junge Menschen psychisch belastet seien und dadurch Schulabschlüsse und Zukunftsperspektiven in Gefahr seien, berichtete Marion Stumm. Das sei besonders in den Beruflichen Schulen deutlich, denn dort sei man ja verstärkt mit dem Thema Schulabschluss und Berufswahl konfrontiert und gleichzeitig in einem Alter – etwa zwischen 16 und 22 – , in dem auch Herausforderungen wie frühe Elternschaft oder Suchtproblematik eine Rolle spielten. 12 700 Schülerinnen und Schüler gebe es an 13 Beruflichen Schulen und sieben Standorten im Kreis.

"Im Oktober geht es mit einer Auftaktveranstaltung richtig los."
Bernhard Kohler

Deshalb wende sich "Pick U up" an Berufsschüler und -schülerinnen, die im Kontakt mit Lehrerinnen, Eltern und der Schulsozialarbeit als entsprechend gefährdet erkannt worden seien, und biete für 165 Förderwillige ein einjähriges Projekt aus drei Bausteinen, wie Bernhard Kohler erläuterte: "Im Oktober geht es mit einer Auftaktveranstaltung richtig los." Die Geldmittel belaufen sich nach Angaben der Projektverantwortlichen auf 280 000 Euro.

» Beim ersten Baustein "Let’s work it" gehe es um Persönlichkeitsentwicklung und Potentialentfaltung mithilfe ausgesuchter Expertinnen.
Baustein 2 bringe durch ein Online-Netzwerk, Events und Workshops die Teilnehmenden in Kontakt mit Ortenauer Firmen und Arbeitgebern.
Baustein 3 vermittle durch Angebote aus den Bereichen Kickboxen, Graffiti, Film, Rap und Yoga persönlichkeitsstärkende Erfahrungen, die auch im späteren Alltag für Entspannung und Ausgleich genutzt werden könnten, so Marion Stumm.

"Hier haben wir tolle und motivierende Experten ins Boot holen können, beispielsweise einen echten Weltmeister im Kickboxen, oder den erfahrenen Kunstpädagogen Elias Ererd", sagt Stumm. In einem persönlichen "Meilenstein-Tagebuch" würden die erlernten Methoden und Erkenntnisse für die Zukunft festgehalten. Innerhalb des Projektjahres werde sich eine helfende Community aufbauen und die Teilnehmenden hoffentlich gestärkt entlassen können: "Denn wir dürfen keinen und keine verlieren."