Fragen und Antworten

Termine, Kosten, Prioritäten – Alle Informationen zur Corona-Impfung

Elena Stenzel, Michael Saurer

Von Elena Stenzel & Michael Saurer

Di, 19. Januar 2021 um 09:31 Uhr

Südwest

Seit Ende Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. Doch wer einen Impftermin vereinbaren möchte, braucht Geduld. Hier sind alle Infos zu den Impfzentren in Südbaden.

Ende Dezember haben im Freiburger Impfzentrum die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Zusätzlich besuchen mobile Teams die Altenpflegeeinrichtungen und impfen Bewohner und Pflegekräfte. Doch viele Fragen sind noch offen. Hier ein Überblick.

Wer kann sich derzeit impfen lassen?

In der ersten Phase können sich nur Menschen impfen lassen, die in einem Senioren- oder Altenpflegeheim leben, die mindestens 80 Jahre alt sind, in der Altenpflege arbeiten oder in medizinischen Berufen Kontakt zu besonders vulnerablen Gruppe (zum Beispiel in der Hämatoonkologie oder der Transplantationsmedizin) haben.

Wie läuft es mit der telefonischen Hotline für die Terminvergabe?

Um einen Termin für eine Impfung eines Über-80-Jährigen zu bekommen, braucht man vor allem eines: viel Geduld. Die bundesweite Hotline Tel. 116117 war zeitweise komplett überlastet. Laut Auskunft des Sozialministeriums arbeiten im Callcenter allein für die Terminvergabe 500 Menschen in Vollzeit. Ursprünglich sei eine Wartezeit von zehn Minuten vorgesehen gewesen. "Durch teilweise extremen Redebedarf der anrufenden Zielgruppe kann dieses Ziel gerade nicht eingehalten werden", teilt das Ministerium mit.

Gibt es eine Alternative?

Ja, auf dieser Internetseite: www.impfterminservice.de. Dort muss man zu Beginn sein Bundesland und sein Impfzentrum auswählen. Danach muss man angeben, ob der Anspruch auf eine Impfung bereits geprüft wurde. Ist das der Fall, hat man schon einen zwölfstelligen Vermittlungscode bekommen, den man eingeben kann. Hat man den noch nicht, muss man auf "Nein (Anspruch prüfen)" klicken und die Schnellprüfung durchführen.

Danach gibt man eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer an und bekommt einen Code als SMS geschickt, den man zur Verifizierung eingeben muss. Dann bekommt man eine E-Mail für die Vergabe des ersten und des notwendigen Folgetermins drei Wochen später. Klickt man auf den Link, kann man das gewünschte Impfzentrum und die bevorzugten Wochentage angeben und bekommt einige Stunden später die Termine.

Kann man sich auch zuhause impfen lassen?

Viele pflegebedürftige Menschen werden von Angehörigen in der eigenen Wohnung gepflegt. Oft sind sie nur eingeschränkt mobil. Für diese Menschen gibt es vorerst keine Möglichkeit einer Impfung. "Aufsuchende Impfungen bei pflegebedürftigen Menschen in der eigenen Häuslichkeit sind aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs noch nicht möglich", heißt es aus Stuttgart.

Wo kann man sich impfen lassen?

In Baden-Württemberg sind derzeit neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) in Betrieb. Bei vier davon, auch das ZIZ in Offenburg, gab es Schwierigkeiten und der Start verzögerte sich. Es öffnete schließlich am 5. Januar, mehr als eine Woche später als geplant.

Ab dem 22. Januar sollen zusätzlich zu den ZIZ noch Kreis-Impfzentren in allen Landkreisen an den Start gehen. In Südbaden wird es sie etwa in Lörrach, Müllheim, Waldshut-Tiengen, Kenzingen, Müllheim, Lahr und Villingen-Schwenningen geben. Außer den Impfzentren gibt es auch mobile Teams, die in die Einrichtungen der Altenpflege gehen. Deren Bewohner müssen keinen Termin machen, um den kümmert sich die Einrichtung oder deren Träger.

Ein FAQ zum Kreisimpfzentrum in Lörrach finden Sie hier.

Gibt es genug Impfstoff?

Zum Impfbeginn Ende Dezember war nur eine geringe Menge verfügbar. Das wird laut Frank Uekermann, dem Koordinator des Freiburger ZIZ, auch in den kommenden Wochen so sein. Er rechnet damit, dass in den ersten Wochen nach Impfbeginn nur wenige Tausend Impfdosen pro Woche verabreicht werden können. Das wären weit weniger, als vom Land prognostiziert. Dort geht man von 85.000 Impfdosen pro Woche in Baden-Württemberg aus – für Freiburg sollten somit weit höhere Zahlen abfallen. Und selbst die 85.000 wären, teilt das Sozialministerium auf BZ-Anfrage mit, eine deutlich geringere Menge, als vor ein paar Wochen angekündigt wurde.



Seit dem 6. Januar ist außerdem das Impfen mit dem Vakzin von Moderna erlaubt. Den Impfstoff aussuchen, kann man sich nicht. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut beurteilt die beiden Impfstoffe Comirnaty von BioNTech/Pfizer und den Covid-19-Impfstoff von Moderna hinsichtlich ihrer Sicherheit und Wirksamkeit als gleichwertig. Eine begonnene Impfserie sollte mit demselben Produkt abgeschlossen werden.

Auch der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca hat die EU-Zulassung seines Impfstoffes beantragt.

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gibt es?

Wie bei jeder Impfung, können auch nach der Corona-Schutzimpfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Impfreaktionen treten laut dem Portal Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an.

Sollten der Verdacht einer Nebenwirkung auftreten, kann dies sowohl der Hausärztin/dem Hausarzt als auch beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als oberster Bundesbehörde, dem örtlichen Gesundheitsamt oder online gemeldet.

Über die App "SafeVac" können Nebenwirkungen an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

Wer kommt als Nächstes dran beim Impfen?

In der zweiten Phase können sich Über-70-Jährige, Menschen mit schweren Vorerkrankungen, nahe Angehörige pflegebedürftiger Menschen, weiteres Krankenhauspersonal sowie Polizisten und Ordnungskräfte impfen lassen. Ebenfalls geimpft werden dann Menschen, die engen Kontakt zu Schwangeren haben, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 oder einer geistigen Behinderung. Auch wer in einer Geflüchteten- oder Obdachloseneinrichtung lebt oder arbeitet, kann sich in der zweiten Phase impfen lassen.



In der dritten Phase kommen Menschen über 60 zum Zuge, solche mit Vorerkrankungen (Adipositas , chronische Nierenerkrankung, chronische Lebererkrankung, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes mellitus, diverse Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma), Mitarbeiter in Apotheken und anderen systemrelevanten Einrichtungen sowie Lehrer und Mitarbeiter des Einzelhandels. Alle anderen folgen danach.

Wie lange die einzelnen Phasen dauern, steht noch nicht fest. Gesundheitsminister Jens Spahn bat auch hier um Geduld: Es werde mindestens ein bis zwei Monate dauern bis das erste Ziel, die Schwächsten zuerst zu impfen, erreicht sei. Die STIKO empfiehlt, dass der Zeitpunkt, wann von einer Stufe in die nächste gewechselt werden soll, lokal und nach Verfügbarkeit der Impfdosen entschieden werden soll.

Was kostet die Impfung?

Die Impfung ist kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund.

Wie komme ich zum Impfzentrum?

Eine Fahrt zum Impftermin muss privat organisiert werden. Für Menschen, die in Pflege – oder Seniorenheimen leben, gibt es mobile Impfteams.

Hilfsbedürftige Menschen dürfen eine Begleitperson zum Impftermin mitbringen – geimpft wird aber trotzdem nur die Person, die den Termin hat. Einige Seniorenbüros bieten Unterstützung an (siehe weiter unten).

Wie wird die Impfung dokumentiert?

Generell gilt: Wer sich impfen lässt, muss das in seinen Impfausweis eintragen lassen. Auch die Corona-Impfung wird in den Impfausweis eingetragen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, jede Schutzimpfung zu bestätigen. Es gibt genaue Vorgaben, was zu dokumentieren ist: Das Datum der Impfung, die Bezeichnung des Impfstoffes und der Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde, anschließend unterschreibt der Arzt. Wenn kein Impfausweis vorliegt, muss eine Impfbescheinigung ausgestellt werden.

Zudem gibt es ein digitales Impfquotenmonitoring am RKI. Laut dem Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Infektionsschutz.de ist dabei die zeitnahe Bewertung der Inanspruchnahme der Impfung sowie der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wichtig.

Ich hatte schon Covid-19 – muss und darf ich mich nun impfen lassen?

Laut dem Land Baden-Württemberg ist davon auszugehen, dass man nach einer Covid-19- Erkrankung immun ist. Wie lange die Schutzwirkung anhält, ist derzeit noch nicht klar. Wer bereits erkrankt war, für den ist eine Impfung erstmal nicht notwendig, schreibt das Land. Sollte jemand unbemerkt eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, für den ist eine Impfung nicht schädlich.

Wo finde ich Hilfe?

In der Region gibt es einige Initiativen, die bei der Terminvereinbarung oder beim Transport zum Impfzentrum Unterstützung anbieten.

Weitere Informationen zu den Angeboten finden Sie hier:
  • Breisach: Ein Hilfsangebot von Stadtverwaltung, Stadtseniorenbeirat und ehrenamtlicher Corona-Hilfe hilft älteren Mitbürgerinnen und -bürger ab Montag, 18. Januar bei der Vereinbarung eines Impftermins. Im Bedarfsfall kann auch ein Fahrdienst zum Impfzentrum organisiert werden. Kontakt: Michael Mros, Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter Tel. 07667/941648 oder 0174 /3059707. Der Seniorenbeirat bietet außerdem persönliche Sprechstunden in der Spitalkirche an.

Wie viele Impfungen sind in Baden-Württemberg und in den Bundesländern bislang erfolgt?

Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Für einen zuverlässigen Impfschutz müssen zwei Impfungen vorgenommen werden. Die beiden Dosen werden innerhalb von drei Wochen verabreicht. Bei der Terminvereinbarung bekommt man gleichzeitig die Termine für die Erst- und Zweitimpfung. So wird sichergestellt, dass die Zeiträume bis zur zweiten Impfung eingehalten werden.