Fragen und Antworten

Termine, Kosten, Prioritäten – alle Informationen zur Corona-Impfung

Elena Stenzel, Michael Saurer

Von Elena Stenzel & Michael Saurer

Mi, 07. April 2021 um 13:47 Uhr

Südwest

Seit Ende Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. Wer einen Impftermin vereinbaren möchte, braucht noch Geduld. Hier sind alle Infos zur Impfung in Südbaden.

Seit Ende Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. Überall in Baden-Württemberg gibt es Impfzentren, die die Impfungen vornehmen. Zusätzlich besuchen mobile Impfteams Menschen in Seniorenheimen. Seit April können Impfungen außerdem in Hausarztpraxen verabreicht werden. Wann kommt wer dran? Und gibt es genügend Impfstoff? Ein Überblick.

Wer kann sich derzeit impfen lassen?

In der ersten Phase können sich Menschen impfen lassen, die in einem Senioren- oder Altenpflegeheim leben, die mindestens 80 Jahre alt sind, in der Altenpflege arbeiten oder in medizinischen Berufen Kontakt zu besonders vulnerablen Gruppe (zum Beispiel in der Hämatoonkologie oder der Transplantationsmedizin) haben.

Auch Menschen der zweiten Impfgruppe mit hoher Priorität können nun einen Impftermin buchen. Berechtigt sind alle Menschen ab 70 Jahren, weiterhin unter anderem auch Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und Hebammen sowie Polizei- und Ordnungskräfte, auch Über-65-Jährige aus diesen Gruppen bekommen nun ein Impfangebot. Menschen mit Down-Syndrom, Menschen mit besonderen Vorerkrankungen (Diabetes, Mukoviszidose, Adipositas und weitere) oder nach einer Organtransplantation können ebenfalls einen Impftermin vereinbaren, ebenso Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen oder Schwangeren oder Menschen, die in einer Geflüchteten- oder Obdachloseneinrichtung leben oder tätig sind.

Wie läuft es mit der telefonischen Hotline für die Terminvergabe?

Um einen Termin für eine Impfung zu bekommen, braucht man vor allem eines: viel Geduld. Die bundesweite Hotline Tel. 116117 war zeitweise komplett überlastet, Anrufer warteten bisher teils stundenlang in der Warteschleife. Seit dem 8. Februar wird ein Rückruf-System angeboten.

Anrufer aus der höchsten Prioritätsgruppe, die einen Impftermin vereinbaren wollen, werden dabei registriert. Anschließend bekommen sie einen Termin mitgeteilt und müssen nicht weiter bei der Hotline anrufen. Auch der Start des System war holperig verlaufen: Am ersten Tag hatten rund 305.000 Menschen versucht die 116117 zu erreichen – nur etwa 10 Prozent der Anrufer waren durchgekommen. Mittlerweile stehen rund 80.000 Menschen auf der Warteliste für die Corona-Impfung.

Gibt es eine Alternative?

Ja, auf dieser Internetseite: www.impfterminservice.de. Dort muss man zu Beginn sein Bundesland und sein Impfzentrum auswählen. Danach muss man angeben, ob der Anspruch auf eine Impfung bereits geprüft wurde. Ist das der Fall, hat man schon einen zwölfstelligen Vermittlungscode bekommen, den man eingeben kann. Hat man den noch nicht, muss man auf "Nein (Anspruch prüfen)" klicken und die Schnellprüfung durchführen.

Danach gibt man eine E-Mail-Adresse und eine Handynummer an und bekommt einen Code als SMS geschickt, den man zur Verifizierung eingeben muss. Dann bekommt man eine E-Mail für die Vergabe des ersten und des notwendigen Folgetermins drei Wochen später. Klickt man auf den Link, kann man das gewünschte Impfzentrum und die bevorzugten Wochentage angeben und bekommt einige Stunden später die Termine.

Kann man sich auch zuhause impfen lassen?

Ja. Hausärztinnen und Hausärzte sollen ab dem 6. April Menschen aufsuchen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen impfberechtigt und zugleich an die häusliche Umgebung gebunden, also beispielsweise bettlägerig sind, und kein Impfzentrum aufsuchen können.

Wo kann man sich impfen lassen?

In Baden-Württemberg sind derzeit neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) in Betrieb, unter Anderem in Freiburg. Bei vier davon, darunter auch das ZIZ in Offenburg, gab es Schwierigkeiten und der Start verzögerte sich. Es öffnete schließlich am 5. Januar, mehr als eine Woche später als geplant.

Seit dem 22. Januar sind zusätzlich zu den ZIZ noch Kreis-Impfzentren in allen Landkreisen an den Start gegangen. In Südbaden gibt es sie etwa in Lörrach, Müllheim, Waldshut-Tiengen, Kenzingen, Lahr und Villingen-Schwenningen. Außer den Impfzentren gibt es auch mobile Teams, die in die Einrichtungen der Altenpflege gehen. Deren Bewohner müssen keinen Termin machen, um den kümmert sich die Einrichtung oder deren Träger.
Ein FAQ zum Kreisimpfzentrum in Lörrach finden Sie hier.

Seit dem 6. April können nun auch Hausärzte flächendeckend gegen das Coronavirus impfen. Die Impfungen durch die Allgemeinmediziner sollen zuerst die bislang bestehende Lücke im Impfsystem schließen. Wie sie danach eine Reihenfolge unter ihren impfberechtigten Patienten festlegen, ist in ihr Ermessen gelegt.

Gibt es genug Impfstoff?

Zum Impfbeginn Ende Dezember war nur eine geringe Menge des Impfstoffes Comirnaty von Biontech/Pfizer verfügbar. In den ersten Wochen konnten daher nur wenige tausend Menschen pro Woche gegen das Coronavirus geimpft werden. Verbesserung der angespannten Situation bringt die Zulassung neuer Impfstoffe durch die EMA.



Seit dem 14. Januar ist zudem das Impfen mit dem Vakzin von Moderna erlaubt. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut beurteilt die beiden Impfstoffe Comirnaty von BioNTech/Pfizer und den Covid-19-Impfstoff von Moderna hinsichtlich ihrer Sicherheit und Wirksamkeit als gleichwertig. Eine begonnene Impfserie sollte mit demselben Produkt abgeschlossen werden.

Seit dem 8. Februar wird außerdem der Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft – vorerst nur Unter-65-Jährige, seit dem 9. März aber auch an Menschen, die über 65 Jahre alt sind. Ab dem 31. März kommt der Impfstoff nur noch bei Impfberechtigten von über 60 Jahren zum Einsatz. Oder bei unter 60-Jährigen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 nach ärztlichem Ermessen und sorgfältiger Aufklärung bei individueller Risikoanalyse.
Astrazeneca

Nachdem mehrere Fälle einer speziellen Form von schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung mit Astrazeneca festgestellt wurden, hatte Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca am 15. März vorerst gestoppt. EMA-Experten hatten den Impfstoff erneut geprüft und die Fortsetzungen der Impfungen empfohlen. Am 19. März wurden die Impfungen mit Astrazeneca wieder aufgenommen. Nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Länder werden ab dem 31. März heute nur noch Personen ab 60 Jahren und nach ärztlichem Ermessen jüngere Personen mit Astrazeneca geimpft. Hintergrund sind die Fälle von Hirnvenenthrombosen

Außerdem hat der US-Hersteller Johnson & Johnson die EU-Zulassung für sein Vakzin beantragt.Die EMA hat am 11. März grünes Licht für die Zulassung des Impfstoffes gegeben. Das Besondere: Eine Dosis des Vakzins von Johnson & Johnson reicht zur Immunisierung.
Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson – die vier Impfstoffe im Vergleich

Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen gibt es?

Wie bei jeder Impfung, können auch nach der Corona-Schutzimpfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Laut dem Portal Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung treten Impfreaktionen in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an.

Sollten der Verdacht einer Nebenwirkung auftreten, kann dies sowohl der Hausärztin/dem Hausarzt als auch beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als oberster Bundesbehörde, dem örtlichen Gesundheitsamt oder online gemeldet.

Über die App "SafeVac" können Nebenwirkungen an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

Am 15. März setzte Deutschland Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca vorübergehend aus. Grund waren einige Fälle vonschwerwiegenden Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen. 13 solcher Fälle sind in Deutschland bekannt, davon drei Todesfälle. Die EMA prüfte den Impfstoff erneut und gab am 18. März das Signal, die Impfungen mit Astrazeneca wieder aufzunehmen.

Wer kommt als Nächstes dran beim Impfen?

In Baden-Württemberg wurde die Impfpriorisierung aufgrund der aussichtsreichen Menge an Impfstoff für einige Gruppen geöffnet, die zur Priorisierung zwei und drei zählen. Das bedeutet, dass einige aus der zweiten und dritten Priorisierung bereits einen Impftermin vereinbaren können(siehe Punkt 1: Wer kann sich derzeit impfen lassen?). In der zweiten Priorisierung sind Über-70-Jährige, die sich impfen lassen können. Mit der dritten Priorisierung kommen Menschen über 60 zum Zuge.

Außerdem gibt es eine Härtefall-Klausel für die zweite und dritte Gruppe: Menschen, denen ein Arzt bescheinigt, dass bei ihnen nach einer Corona-Infektion ein "sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf" besteht, gewinnen mit hoher Priorität Anspruch auf eine Impfung. In Baden-Württemberg soll laut Sozialministerium damit eine Ethikkommission betraut werden, die den Einzelfall prüft.



Was kostet die Impfung?

Die Impfung ist kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund.

Wie komme ich zum Impfzentrum?

Eine Fahrt zum Impftermin muss privat organisiert werden. Für Menschen, die in Pflege – oder Seniorenheimen leben, gibt es mobile Impfteams.

Hilfsbedürftige Menschen dürfen eine Begleitperson zum Impftermin mitbringen – geimpft wird aber trotzdem nur die Person, die den Termin hat. Einige Seniorenbüros bieten Unterstützung an (siehe weiter unten).

Wie wird die Impfung dokumentiert?

Generell gilt: Wer sich impfen lässt, muss das in seinen Impfausweis eintragen lassen. Auch die Corona-Impfung wird in den Impfausweis eingetragen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, jede Schutzimpfung zu bestätigen. Es gibt genaue Vorgaben, was zu dokumentieren ist: Das Datum der Impfung, die Bezeichnung des Impfstoffes und der Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde, anschließend unterschreibt der Arzt. Wenn kein Impfausweis vorliegt, muss eine Impfbescheinigung ausgestellt werden.

Zudem gibt es ein digitales Impfquotenmonitoring am RKI. Laut dem Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Infektionsschutz.de ist dabei die zeitnahe Bewertung der Inanspruchnahme der Impfung sowie der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wichtig.

Ich hatte schon Covid-19 – muss und darf ich mich nun impfen lassen?

Laut dem Land Baden-Württemberg ist davon auszugehen, dass man nach einer Covid-19- Erkrankung immun ist. Wie lange die Schutzwirkung anhält, ist derzeit noch nicht klar. Wer bereits erkrankt war, für den ist eine Impfung erstmal nicht notwendig, schreibt das Land. Sollte jemand unbemerkt eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, für den ist eine Impfung nicht schädlich.

Wo finde ich Hilfe?

In der Region gibt es einige Initiativen, die Bürgerinnen und Bürger aus ihrem eigenen Ort bei der Terminvereinbarung oder beim Transport zum Impfzentrum Unterstützung anbieten.

Weitere Informationen zu den Angeboten finden Sie hier:
  • Bad Krozingen: Die Stadt hat eine Impf-Hotline eingerichtet. Dort wird allen Impfberechtigten der Stadt Hilfe bei der Vereinbarung eines Impftermins angeboten. Außerdem gibt es Unterstützung bei Fahrten zu den Impfzentren in Müllheim und Freiburg. Die Impf-Hotline der Stadt Bad Krozingen ist erreichbar unter 07633/407-604 immer montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr.
  • Breisach: Ein Hilfsangebot von Stadtverwaltung, Stadtseniorenbeirat und ehrenamtlicher Corona-Hilfe hilft älteren Mitbürgerinnen und -bürger ab Montag, 18. Januar bei der Vereinbarung eines Impftermins. Im Bedarfsfall kann auch ein Fahrdienst zum Impfzentrum organisiert werden. Kontakt: Michael Mros, Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter Tel. 07667/941648 oder 0174 /3059707. Der Seniorenbeirat bietet außerdem persönliche Sprechstunden in der Spitalkirche an.
  • Lahr: Ältere Menschen können sich beim Treffpunkt Stadtmühle unter 07821/21787 von Dienstag bis Freitag, jeweils von 13.30 bis 17.30 Uhr, melden.Das Bürgerzentrum vermittelt bei Bedarf auch einen Begleitdienst durch die Nachbarschaftshilfe. Die Kosten von 12,80 Euro pro Stunde werden bei Personen mit einer Pflegestufe von der Pflegekasse übernommen.
  • Schuttertal: Die Nachbarschaftshilfe bietet Unterstützung beim Buchen eines Impftermins an – von Montag bis Freitag, 14 bis 16 Uhr unter Tel. 07823/960360.