TURMSPITZEN: Tablett für Brezel

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Sa, 23. Mai 2020

Rheinfelden

Kennen Sie Max Goldts Kolumne "Schulen nicht unbedingt ans Netz"? Vor genau 20 Jahren sinnierte Goldt über den Zweck, Schulen mit Internet und Computern zu versorgen. Er erinnert sich an seine eigene Schulzeit in den 70ern, als die Sprachlabore aufkamen: Ein Raum, "in welchem jeder Schülerplatz mit einem Kopfhörer, einem Mikrophon und zwei oder drei Knöpfen zum darauf Herumdrücken ausgestattet war", beschreibt Goldt. Leider aber hätten weder die Lehrer noch die Schüler je so richtig verstanden, wie sich diese "technische Revolution" richtig einsetzen lässt, und die Sprachlabore wurden zu Abstellkammern und Ausweichklassenräumen. Heute ist der Nutzen von digitalen Medien im Unterricht kaum umstritten. Unbestritten aber ist, dass die schönsten Tablets nichts nutzen, wenn keine stabile Internetverbindung da ist. Die hat Rektor Volker Koch in der Eichendorffschule. Tablets möchte er aber trotzdem nicht geschenkt bekommen, aus gutem Grund. Bevor also landesweit tausende von Euros investiert werden, sollte vielleicht mal jemand mit Koch und seinen Kollegen reden. Sonst ergeht es den Tablets wie den Sprachlaboren aus Goldts Schule: "Gelegentlich, bei Raummangel, wurden noch Erdkunde oder Deutschstunden im Sprachlabor abgehalten. In diesen Stunden zerrten die Schüler an den heraushängenden Kabeln, flochten sie zu Brezeln", schreibt er. Brezeln flechten kann man mit Tablets schlecht. Aber als Tablett für die Frühstücksbrezel würden sie sich schon eignen. Was doch aber schade wäre.