Degusto-Chef

"Wertige Küche funktioniert, davon bin ich überzeugt"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 18. Juni 2019 um 09:30 Uhr

Freiburg

Degusto-Chef Uwe Wehrle expandiert und verkauft im Freiburger Stadtzentrum bald Pizza. Im Interview betont der Feinkosthändler, dass Menschen mehr darüber nachdenken sollten, was sie essen.

Anfang Juli will Uwe Wehrle, Inhaber des Feinkostgeschäfts Degusto im Hauptbahnhof, expandieren und eine Filiale mitten im "Bermudadreieck" eröffnen. An der Ecke Universitäts- und Niemensstraße soll das "Degustino" entstehen, ein Imbiss mit gehobenem Anspruch (siehe Infobox). Holger Schindler hat sich mit dem Unternehmer über seine Pläne unterhalten.

"Leider denkt man ja, wenn es um die Freiburger Innenstadt geht, nicht unbedingt zuerst an Genuss und hochwertiges Essen."

BZ: An der Adresse, die Sie jetzt neu beleben wollen, ist zuvor die Bäckerei K&U mit einer Filiale gescheitert, obwohl die Ecke ja extrem belebt ist. Wie wollen Sie da bestehen?
Uwe Wehrle: Leider denkt man ja, wenn es um die Freiburger Innenstadt geht, nicht unbedingt zuerst an Genuss und hochwertiges Essen. Das ist schade und hat sicher verschiedene Gründe. Ich will mich da nicht als jemand aufspielen, der das alles umkrempelt und alles besser weiß, aber ich will das machen, was mir wichtig ist: wertige, solide Küche mit hochwertigen Lebensmitteln. Wir werden im "Degustino" aus den Zutaten, die wir auch im Laden verkaufen, handgemachte Pizza produzieren, dazu Salate und kleine, feine belegte Brote – aus dem eigenen Backofen. Wertige Küche funktioniert, davon bin ich fest überzeugt, auch wenn man preislich im Rahmen bleibt.

"Die Eröffnung des "Degustino" wird voraussichtlich nur der erste Schritt sein – ich habe noch weitere Pläne."

BZ: Sie führen den Degusto-Laden und das Degusto-Bistro im Hauptbahnhof und dazu unter dem Label "Markt am Gleis" noch einen kleinen Supermarkt und eine Drogerie. Weshalb jetzt die weitere Expansion?
Wehrle: Ich war im Jahr 2011 mehrere Monate schwer erkrankt und habe mir in diese Zeit einige Gedanken über mein Unternehmen gemacht. Dabei ist mir klar geworden, dass ich einige Dinge anders aufstellen muss. Danach habe ich beispielsweise alle Bereiche unter dem Dach einer GmbH zusammengefasst, damit die Stabilität weniger von meiner Person abhängt. Nun will ich die Verantwortung und die Leitungsaufgaben auf mehr Schultern verteilen. Dazu ist es allerdings zunächst einmal notwendig, dass wir Degusto breiter aufstellen. Die Eröffnung des "Degustino" wird voraussichtlich nur der erste Schritt sein – ich habe noch weitere Pläne. Die sind aber noch nicht ganz spruchreif.
Das Neue "Degustino"

An der Ecke Universitäts- und Niemensstraße wird voraussichtlich am Montag, 1. Juli, der Imbiss "Degustino" eröffnen. In den 20 Quadratmeter großen Räumen wird es Pizza, belegte Brote, Salate und andere kleine Speisen geben – vorwiegend zum Mitnehmen. Gäste finden aber auch je ein Dutzend Sitzgelegenheiten im Laden und im Außenbereich vor. Zum Start kümmern sich vier Mitarbeiter um den Betrieb. Die genauen Öffnungszeiten stehen noch nicht fest. Es soll aber Montag bis Samstag Verkauf sein, zum Wochenende hin auch in den Abendstunden.

BZ: Sie werben bei Degusto nicht damit, dass Sie besonders gesunde, biologische oder nachhaltige Lebensmittel verkaufen, sondern schlicht Delikatessen. Verpassen Sie da nicht eine Chance?
Wehrle: Wir haben zum Beispiel einen Alpkäse im Sortiment, den produziert ein Senn in den Schweizer Alpen auf einer Alm von Hand aus der Milch von Kühen, die täglich nur auf den Bergwiesen weiden. Der bekommt dafür aber nicht das Biosiegel. Das muss man bedenken. Für mich ist das dennoch ein sehr nachhaltiges, handwerklich und geschmacklich extrem hochwertiges Produkt. Insgesamt denke ich, dass es uns sehr zugute kommt, wenn Menschen mehr darüber nachdenken, was sie essen.
Zur Person

Uwe Wehrle (56) war einmal Zollbeamter. Doch dann entschied er sich, den Beruf zu wechseln, machte eine Kaufmannslehre und gab schließlich seinen Beamtenstatus auf. Anfang der 90er-Jahre machte er sich als Edeka-Kaufmann selbstständig. 2002 gründete er das Feinkostgeschäft Degusto im Hauptbahnhof, im Jahr 2013 kam das Degusto-Bistro direkt gegenüber dazu. Heute beschäftigt er 50 Menschen und bietet auch Catering an. Seine Tochter arbeitet im Unternehmen mit.

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