Nutzungskonzept

Viel Applaus für Faust-Forum-Pläne bei Infoveranstaltung in Staufen

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Fr, 30. Juli 2021 um 16:19 Uhr

Staufen

Staufen soll am Schladererplatz ein Bürgerhaus mit Mediathek bekommen. Das Interesse an einer Veranstaltung für Rat und Bürgschaft war groß – und das Nutzungskonzept kam gut an.

War das der Durchbruch für das Staufener Bürgerhaus? Nimmt man den starken Schlussapplaus der rund 200 Besucher bei der Infoveranstaltung der Stadt am Donnerstagabend zum Maßstab, dürfte kein Zweifel bestehen, dass das mit einem Investitionsvolumen von 16,9 Millionen Euro seit langem größte Bauprojekt der Fauststadt in der Bürgerschaft breit verankert ist und von vielen Bevölkerungsgruppen herbeigesehnt wird. Auch im Gemeinderat sieht es nach einer breiten Zustimmung aus, wie sich bei der Vorstellung des Nutzungskonzepts zeigte.

Das Nutzungskonzept
Sowohl in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend im Foyer der Belchenhalle wie auch tags darauf bei der städtischen Infoveranstaltung im großen Zelt der Kulturbaustelle wurde das Nutzungs- und Betreiberkonzept von Gerhard Baral vorgestellt. Der Inhaber einer Agentur für Kulturkonzepte aus Pforzheim war vom Gemeinderat mit der Moderation der Arbeitsgruppe betraut worden, der neben Bürgermeister Michael Benitz, die Leiter von Hauptamt und Bauamt, Isabella Schuhmann und Michael Kübler, fünf Gemeinderäte und fünf Sachverständige aus Staufener Kultureinrichtungen angehörten. Das Ergebnis von fünf Sitzungen der Arbeitsgruppe zwischen Februar und Juni ist ein einstimmig verabschiedetes, 69 Seiten umfassendes Dokument. In diesem sind minutiös Vorschläge zur Ausstattung, möglichen Veranstaltungen, einem Marketingkonzept, Hinweisen zum Bau, den Betriebskosten und Mietpreisen aufgelistet. Es steht zum Download auf der Webseite der Stadt zur Verfügung.

Baral machte deutlich, dass Staufen mit dem Faust-Forum die Chance für einen neuen Kristallisationspunkt, eine neue Agora, einen Marktplatz im Herzen der Stadt habe. Er betonte, dass man in dem Kombinationsbau von Bürgerhaus mit Mediathek zwei wichtige Kultureinrichtungen bekomme, die perfekte Synergien und einen deutlichen Mehrwert für die Stadt und die ganze Raumschaft und deren Bevölkerung, aber auch Wirtschaft, Hotels und Gastronomie versprechen.

Der Bau
Architekt Michael Maucher vom Büro Fuchs-Maucher (Waldkirch), das einstimmig aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen war, präsentierte die aufgrund der Hinweise aus dem Nutzungskonzept leicht überarbeiteten Baupläne, die nun etwa Seminarräume nicht mehr im Anschluss des zum Neumagen hin transparenten Foyers, sondern im Obergeschoss vorsehen, wo sie unabhängig vom Haupthaus betreten werden können. Es habe sich gezeigt, dass es positiv war, dass die Wohnbebauung zuerst realisiert wurde, so dass nun deutlicher werde, wie sich der Bau des Bürgerhauses mit seinem Satteldach und der dreigeschossigen Mediathek, die die Höhe der Attikageschosse der Gisinger-Bauten aufnehme, bestens ins Stadtbild einpassten, so Maucher.

Die Bürgerbeteiligung
Bürgermeister Benitz lag es bei beiden Gelegenheiten am Herzen, darauf hinzuweisen, dass das Projekt von Anfang an mit größtmöglicher Transparenz und Bürgerbeteiligung vorangetrieben wurde – von der Bürgerwerkstatt, dem Kursbuch 2030, Ausstellungen und Einwohnerversammlungen bis hin zu den Arbeitsgruppen mit Staufener Bürgern. In 20 Jahren im Amt sei es das einzige Bauvorhaben gewesen, bei dem es keinerlei Einwendungen im Bebauungsplanverfahren gab.

Die Finanzen
Die zentrale Frage im Gemeinderat wie der Öffentlichkeit war die der Kosten. Nach dem Verzicht auf die wegen des Grundwassers zu aufwändige Tiefgarage werden die Baukosten nach dem Vorentwurf mit 16,9 Millionen Euro beziffert. Auf Nachfragen aus dem Publikum konnte der Bürgermeister Zweifel an der Machbarkeit zerstreuen: "Ja, wir können uns das leisten", so Benitz, "wir haben in der Vergangenheit sehr verantwortungsvoll gewirtschaftet und uns einiges nicht geleistet". Man müsse für den Bau angesichts vorhandenen Eigenkapitals und der erwarteten Zuschüsse von vier Millionen Euro allenfalls drei Millionen Euro an Krediten aufnehmen, wofür Benitz ausdrückliches Lob vom Staufener LBS-Manager Wolfgang Kaltenbach erntete.

Die Zweifel der Grünen
Die von Grünen-Sprecher Heinrich Ladener im Rat geäußerten und durch eine persönliche Ergänzung von ihm und Fraktionskollegin Daniela Winkler zum Nutzungskonzept unterstrichenen Zweifel an der Finanzierbarkeit der Folgekosten und dem Wunsch nach einer Alternativplanung für einen kleineren Bau für weniger als 15 Millionen Euro stießen auf wenig Verständnis beim Bürgermeister und den anderen Fraktionen. FWV, CDU und SPD sahen die Finanzierung gesichert, waren zuversichtlich, was zusätzliche Zuschüsse aus bislang noch nicht eingepreisten KfW-Programmen anbelangt und befürchteten, die große Chance, die sich für Staufen auftut, zu verspielen. Wenn man nicht bald mit dem Bau loslege, drohe das Zeitfenster, das das Städtebauförderprogramm lasse, zuzuschlagen. Alle fragten sich, warum die Grünen bislang allen Entscheidungen, auch dem Nutzungskonzept ausdrücklich zugestimmt hatten und nun "rumlavierten". Man wolle keine negative Stimmung gegen das Projekt machen, das "gewiss positiven Schwung nach Staufen bringen wird", beeilte sich Monia Mainberger die vermeintlich indifferente Position von ULS/Grüne zu verteidigen. Es gehe vielmehr darum, "alle Aspekte einzubeziehen und Stimmen der Bevölkerung mit reinzunehmen".

Die Nachfragen
In der Frage- und Diskussionsrunde am Donnerstag ging es wie schon im Gemeinderat um eine mögliche Bürgerbefragung. Angesichts des mittlerweile sechs Jahre währenden, äußerst komplexen, aber von größtmöglicher Transparenz begleiteten Planungsprozesses waren Bürgermeister wie auch FWV, CDU und SPD skeptisch. Wie die meist knapp ausgehenden Bürgerentscheide in der Nachbarschaft gezeigt hätten, sei die Gefahr groß, dass der Ort hinterher total zerstritten sei.

Mehrere Bürgerfragen drehten sich um Klimaschutz und Ökologie. Man werde getreu dem Ziel, klimaneutrale Kommune zu werden, bei diesem für mehrere Generationen bestimmten Projekt im abgesteckten Finanzrahmen so nachhaltig wie möglich bauen, so Bürgermeister und Architekt. Es wird demnach mindestens KfW-Standard 40 eingehalten, das Dach wird komplett für Photovoltaik genutzt und eine Zertifizierung angestrebt, sofern Kosten und Nutzen stimmten.

Bei der Frage der oberirdisch nachzuweisenden Stellplätze sei man noch in Verhandlungen mit Grundstückseigentümern. Selbst wenn Teile des jetzigen Schulgartens in eine Lösung einbezogen würden, habe man im neuen Flächennutzungsplan genug Gelände beim Schulzentrum zur Verfügung, um einen adäquaten Ersatz zu schaffen, beruhigte Benitz. Zu den mit rund 635.000 Euro jährlich bezifferten Folgekosten stellten die Experten klar, dass darin fast 275.000 Euro an Abschreibungen enthalten seien. Außerdem dürften die jetzt noch mit rund 400.000 Euro jährlich zu Buche schlagenden Aufwendungen für die Bewältigung der Rissekatastrophe bald wegfallen, so dass man auch hier zuversichtlich sei, ohne Steuererhöhungen auszukommen. Gemeindesteuern im Übrigen, die in Staufen weit unterdurchschnittlich sein, wie Benitz anmerkte.

Die Hoffnungen
Viele ausdrücklich positive Rückmeldungen zu den vorgestellten Plänen bestimmten ansonsten die öffentliche Veranstaltung. "Eine Kulturstadt wie Staufen braucht das Faust-Forum dringend, um für die Zukunft gerüstet zu sein", meinte BDB-Direktor Christoph Karle. Der Bund Deutscher Blasmusikverbände baut ja in Staufen seine neue Musikakademie mit einem 160-Betten-Hotel und erhofft sich – wie auch die Stadt – viele Synergien.

Wie dringend ein großer Saal mit 450 Plätzen gebraucht wird, weil dann nicht mehr die Belchenhalle ständig für Veranstaltungen aller Art umgerüstet werden muss und für den (Schul-)Sport wegfällt, machten Martin Ardelt für den TV, Staufens größter Verein mit 1200 Mitgliedern, ebenso deutlich wie Wolfgang Schuhmann für die Freiwillige Feuerwehr, Klaus Wenig vom MV Wettelbrunn im Namen auch der Stadtmusik und des Musikvereins Grunern sowie Rektor Jürgen Gutgsell vom Faust-Gymnasium.

Der Zeitplan
Wenn der Gemeinderat am 29. September der Vergabe der Leistungsphasen 3 und 4 (Entwurfs- und Genehmigungsplanung) zustimmt und die damit ermittelten exakten Kosten befürwortet und grünes Licht zum Bau gibt, könnte laut Architekt Maucher im Frühjahr 2022 ein Bauantrag eingereicht werden. Die Bauzeit dauere eineinhalb bis zwei Jahre, so dass man im allergünstigsten Fall Ende 2023, realistisch eher 2024 mit einer Fertigstellung rechnen könne.
Die Regeln der BZ sehen – analog zum amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung – eine Schreibung mit Binnenmajuskeln, also Großbuchstaben inmitten eines Wortes, nicht vor. Deshalb schreiben wir Kulturbaustelle statt "KulturBauStelle" und Faust-Forum statt "FaustForum".