Von den Höhenflügen und Abgründen der Liebe

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mi, 11. Dezember 2019

Bad Säckingen

Zwei junge koreanische Musikerinnen überzeugten in bekannten – und anspruchsvollen – Liedern der deutschen Romantik.

BAD SÄCKINGEN. Der hohen Kunst des Liedgesangs war das Sigma-Konzert am Montag gewidmet. Die Sopranistin Irina Jae-Eun Park und die Pianistin Dokyung Han widmeten sich berühmten Werken von Schumann, Wolf und Liszt.

Bereits in Liszts Lied "Freudvoll und leidvoll" (nach Goethe) zeigte die Sopranistin die ganze Bandbreite der Gefühle, die sie zu schildern vermochte. Sie entschied sich für eine expressive Lesart, kostete die dramatischen Momente mit opernhaftem Pathos aus und legte auch Andeutungen von Seufzern in die Kantilenen. Eine an Tonmalerei reiche Musikerzählung ist Liszts "Lorelei" (nach Heine). Die Pianistin trug mit ihrem kultivierten Anschlag zur Charakteristik bei, setzte markante Akzente, etwa im Fortissimo, das den Schiffbruch schilderte, beschrieb in rauschenden Tonfiguren den Fluss und harmonisierte mit der Gesangsstimme.

Besonders anspruchsvoll waren die Lieder, die Hugo Wolf der Gestalt der Mignon (aus Goethes "Wilhelm Meister") gewidmet hatte. Mehr noch als bei Liszt und Schumann stand da die Schärfe der psychologischen Charakteristik im Mittelpunkt, und das Klavier war ein ebenbürtiger Kommentator, der das ausdrückte, was der Text nicht explizit sagte. "Heiss mich nicht reden" wirkte eher wie ein Sprechgesang, und in "Nur wer die Sehnsucht kennt" verschwammen die Harmonien in unsteter Chromatik: Ein Zeichen, dass der Liebe Mignons kein glückliches Ende beschieden war. In "So lass mich scheinen" entfaltete die Sängerin die Kantilene in großer Schönheit. Ein Höhepunkt war "Kennst Du das Land", in dem die Sängerin mit großer Intensität die Hoffnungen der Mignon beschwor, um dann ihren unterdrückten Gefühlen und der Verzweiflung im leidenschaftlichen Forte-Ausbruch Raum zu geben.

Schumanns Zyklus "Frauenliebe und –leben" schildert die Gefühle in ebenso überzeugender Weise, entfernt sich aber nicht so weit von konventioneller Tonalität. "Seit ich ihn gesehen" und "Er, der Herrlichste von allen" sang die Sopranistin mit großer Emphase, man hörte die schwärmerische Begeisterung heraus. Den Kontrast bildete das Lied um den verstorbenen Geliebten. Die Sopranistin ließ die Stimme subtil in fast tonlosem Flüstern verklingen, doch in dem Nachspiel des Klaviers kehrten die Harmonien wieder: Ganz so hoffnungslos sollte der Zyklus doch nicht enden.