WAS NOCH WAR: Normale Nähe

Julia Jacob

Von Julia Jacob

Sa, 21. November 2020

Rheinfelden

Seit wir Masken tragen, ist Begegnung ein Angstwort geworden. Auch beim Spazieren gehen machen die, die entgegenkommen, einen Ausfallschritt auf den Rasen und dann sitzt jeder für sich auf seiner Parkbank mit einer Singleportion Lunch – dabei wäre da Platz für mehr als einen, auch mit 1,5 Metern Abstand. Schön, wenn sich dann doch jemand traut. Ein älteres Paar aus der Schweiz, wir sitzen zusammen in der Sonne und genießen den Blick auf den Rhein. Herrlich! Ja, das finden sie auch. Wir reden darüber, wie schön es ist, dass wir diesen Moment teilen. Wie gut es tut, mit Fremden zu lachen und wie fremd uns das doch fast schon erscheint.

Digital verbunden

Der Musikschulunterricht, der Sportkurs, die Vereinssitzung: In der Corona-Pandemie sind viele Dinge, die eigentlich vom ganz analogen Miteinander leben, ins Internet gewandert. Vieles kann momentan nur so stattfinden – schön, dass es dafür überhaupt eine Möglichkeit gibt! Wofür es auch vor der Pandemie schon einen digitalen Kanal gab: Geplauder und Gerüchte. Allerdings können lokale Facebook-Gruppen den richtigen Dorfplatz nur bedingt ersetzen. Das haben sich die beiden Rheinfelden zu Herzen genommen und einen eigenen digitalen Dorfplatz eingerichtet, über die Schweizer App Crossiety. Man kann sich dort vernetzen, über aktuelle Themen plaudern und sogar, wie auf einem echten Marktplatz, Dinge verkaufen. Und das grenzüberschreitend. Erstaunlich, dass es mit dem Marktplatz scheinbar doch noch einen Ort gab, wo die Grenze eine Rolle spielt. Wobei, dass es nach wie vor zwei Rheinfelden verschiedener Länder – mit einer Grenze dazwischen – sind, hat der Schweizer Stadtammann Franco Mazzi am Mittwoch beim Besuch von Baden-Württembergs Europaminister Guido Wolf bewiesen: Stolz hat er ihm die Grenzmarkierung auf der Alten Rheinbrücke gezeigt. Für manche Dinge gibt es einfach keine digitale Alternative.