Freiburg

Wegen Corona hat sich die Brauerei Ganter von ihren Brauereipferden getrennt

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

So, 13. September 2020

Freiburg

Es ist das Aus für eine Freiburger Tradition: Zweimal pro Woche belieferte die Brauerei Ganter den Ausschank auf dem Münsterplatz per Pferdekutsche. Jetzt wurden die Tiere weggegeben - um zu sparen.

Die Pferde der Brauerei Ganter sind Geschichte. Die Brauerei hat die Tiere vor einer Woche weggegeben. "Das tut uns wahnsinnig weh", sagt Geschäftsführer Detlef Frankenberger: "Die Tiere waren schließlich schon eine Tradition". Doch wegen Corona seien die Umsatzrückgänge der Brauerei so gravierend, dass das Unternehmen nach Einsparpotentialen schauen musste. Also fiel die Entscheidung, sich von den drei Pferden zu trennen. Eine sechsstellige Summe lasse sich dadurch jedes Jahr einsparen, sagt Frankenberger.

Die Brauerei kontaktierte den Händler, von dem sie die Pferde gekauft hatte, und dieser schaute sich nach Interessenten um. Die beiden jüngeren Tiere Odin und Phoenix fanden einen Abnehmer, der 18 Jahre alte Wodan wird seinen Ruhestand auf einem Gnadenhof bei Salzburg verbringen. "Den Pferden geht es also auch in Zukunft gut", versichert Frankenberger. Dabei hatten sich noch gar nicht alle Pferde in Freiburg vorgestellt. Die Brauerei hatte Odin erst vor zwei Jahren gekauft. "Er war da erst drei Jahre alt", sagt Frankenberger, "und brauchte noch eineinhalb Jahre, bis er bereit war, rauszufahren." Dieses Frühjahr hätte er das erste Mal Bier ausfahren sollen – doch dann kam Corona, und Odin musste im Stall in Stegen im Dreisamtal bleiben.

Sonst wären die Kaltblüter der Rasse Ardenner wie jeden Sommer zweimal die Woche zum Münsterplatz getrabt, um den Ganter-Brauereiausschank mit Fassbier zu beliefern. Auch die Feste, auf denen die Pferde sonst eine Attraktion waren, fielen diesen Sommer ins Wasser.

Wie lange es die Brauereipferde schon gibt, weiß der Ganter-Chef selbst nicht ganz genau. Vermutlich sind sie noch ein Relikt aus der Zeit, als das Bier ganz regulär mit Pferdekutschen ausgeliefert wurde. In all den Jahren kann sich Frankenberger nur an einen Unfall mit den vierbeinigen Bierlieferanten erinnern. Im August 2012 ging das Gespann auf dem Münstermarkt durch, rannte die Auslagen eines Obsthändlers und zwei Fahnenmasten über den Haufen. 17 Steigen Himbeeren musste die Brauerei ersetzen. "Und wir haben auch noch ein bisschen Bier dazugegeben", lacht Frankenberger.

Mit etwas Glück müssen die Freiburger aber nicht ganz auf Bierfässer ziehende Pferde verzichten. Denn der Fässlewagen der Brauerei steht noch in der Garage. Für diesen würde die Brauerei aber auf geliehene Pferde zurückgreifen, statt selbst welche zu halten. So wie das zum Beispiel bei den Brauer-Kollegen in der Bier-Hauptstadt München üblich ist.Manuel Fritsch