Wort und Klang

Markus Manfred Jung und Uli Führe in der Haltinger Galerie Underground

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 06. Dezember 2019 um 16:46 Uhr

Weil am Rhein

Umgeben von den atmosphärischen Naturimpressionen der Malerin Bettina Bohn, erlebten mehr als 40 Besucher in der Galerie Underground in Haltingen einen besonderen lyrisch-musikalischen Abend.

Der Autor Markus Manfred Jung trug eigene Gedichte in Mundart und in Hochdeutsch vor, die der Liedermacher und Komponist Uli Führe effektvoll und einfühlsam musikalisch umsetzte. Hier der Klang der alemannischen Sprache und die assoziative Kraft von Jungs moderner Lyrik, dort die experimentelle Vertonung durch den Multiinstrumentalisten Führe: Das verwob sich zu dichten und expressiven Wort- und Klangbildern. Die beiden Künstlerfreunde sind seit Jahrzehnten ein eingespieltes Team, haben vier gemeinsame CDs herausgebracht. Und es ist für den Dichter aus Hohenegg immer wieder überraschend, was sein Bühnenpartner aus den lyrischen Wortgebilden macht.

Kühne Sprachbilder

Im Rahmen der Ausstellung "Lichtmeer" lauschten die Zuhörer gebannt den teils neuen, unveröffentlichten Gedichten wie dem Liebesgedicht "Du bisch", aber auch poetischen Texten von der CD "Fedrelicht" und aus dem Sylt-Band "Schluchten von Licht". Jungs kühne Sprachbilder vom Novembersturm, vom Silbermöwenschrei, vom Lichtstrahl in der schwarzen Regenwand und dem Strandhafertanz interpretierte Führe klanglich und stimmlich vielschichtig und facettenreich. Der Musiker setzte abwechselnd Gitarre und E-Kontrabass ein, nutzte auch seine Stimme als vielseitiges Instrument, mal in rap-artigem Sprechgesang, mal heftig-expressionistisch im Ausdruck, mal verschmitzt-hintergründig. Für spezielle "mehrstimmige" Effekte und raffinierte Sounds sorgte Führe mittels Loops, die live eingespielt seine eigene Stimme gleichsam "vervielfältigten". Das ergab fantastische, suggestive Klangwirkungen wie in dem eindrücklichen "Novemberbild". In diesen drei Haikus beschwört Jung eine gespenstische Novemberstimmung, einen Regensturm, leer gefegte Straßen, Eislachen, gefrorene Blätter und Irrlichter und Führe reflektiert diese atmosphärischen Natursplitter klanglich sehr intensiv.

Schauspiel zwischen Himmel und Hölle

Dramatische Stimmung erzeugte das Gedicht "Gwitter am Hohen Egg", in dem Autor Jung und Musiker Führe die schwefelgelben Wolken, die sich vor den höheren Himmel schieben, und das heranziehende Unwetter wie ein packendes Schauspiel zwischen Himmel und Hölle ausmalen. Auch in dem Gedicht "Ungeduld" und dem hochexpressiven "Wien e Placenta" wurden die Metaphorik und die doppeldeutigen Wortbilder Jungs von Führe musikalisch sehr komplex, aber auch mit erfrischender Spontaneität und improvisatorischer Lust am Spiel mit Stimme, Klang und Geräuschhaftem ausgehorcht. Das kongeniale Duo ließ sich immer wieder von Bettina Bohns Bildern inspirieren, etwa in dem packenden "Dä Nebel", in dem die eisige, dichte, alles verschluckende Nebelsuppe förmlich spürbar wird.

Im Anschluss nutzten die Besucher gern die Gelegenheit, sich Bettina Bohns atmosphärische Nebel-, Meeres-, Baum- und Küstenlandschaften und den Film über die Malerin, den Galerist Rolf Frei gedreht hat, anzuschauen.