Parteien nutzten das Internet kaum

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 05. Juni 2019

Weil am Rhein

Stadtjugendring stieß mit seiner Wahlwerbung in den sozialen Medien auf große Resonanz.

WEIL AM RHEIN (BZ). An seiner Frühjahrs-Delegiertenversammlung hatte der Stadtjugendring (SJR) vereinbart, im Rahmen seiner Möglichkeiten Jugendliche für die Europa- und Gemeinderatswahl zu begeistern. Am Ende zieht Vorsitzender Jörg Corsten eine ebenso überraschende wie denkwürdige Bilanz: Zum einen habe die hohe Zahl von 20 000 Interaktionen gezeigt, dass die Jugendlichen das parteipolitisch neutrale Angebot zu schätzen wissen. Gleichzeitig deckte der Stadtjugendring aber auch erhebliche Defizite bei den Ortsvereinen der Parteien auf. Sie zeigen in den sozialen Medien kaum Präsenz – und wenn, seien die Seiten nicht immer aktuell.

Hintergrund und Durchführung
Da die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren zurückgegangen war, hatte sich der Stadtjugendring entschieden, gezielt Erstwähler und Jugendliche bis 26 Jahre anzusprechen. Mittels digitaler Werbung und Informationsangeboten auf der eigenen Website wurden Jugendliche über "Ihre Wahl" informiert. Dabei hat der SJR nicht nur über die Partizipationsmöglichkeiten informiert, sondern auch den Jugendlichen deutlich gemacht, wieso die eigene Stimme so relevant ist und was ihre Stimme auch schon auf der Gemeindeebene bewirken kann. Zurückgreifen konnte der SJR auf die Kampagne "Genies wählen" des Landesjugendrings oder den Wahl-o-Mat. Zudem wurde die Veranstaltung "Politik und Pizza" der Stadtjugendpflege mitbeworben.

Resultate
Insgesamt konnte der Stadtjugendring fast 20 000 Interaktionen mit Jugendlichen in und um Weil am Rhein mit dieser Kampagne auf Facebook, Instagram und auf der Website erzielen. Da das Team um Jörg Corsten selbst von der Höhe der Zahl überrascht war, wurde die Statistik mehrfach kontrolliert. Dabei bestätigte sich, dass der SJR tatsächlich sehr zielgenau Weiler Jugendliche angesprochen hat. 90 Prozent der Interaktionen kamen aus einem Radius von nur zwei Kilometern um die Stadt Weil am Rhein herum – selbstverständlich ohne Schweiz und Frankreich.

Fazit und Gedanken
"Dass wir so viele Interaktionen erzielen konnten, zeigt uns, dass die Jugendlichen unser neutrales Angebot doch zu schätzen wissen," so der SJR-Vorsitzende. Wenn gleichzeitig die Parteien klagen, dass sich Jugendliche nicht für deren Politik interessierten, passe das nicht zusammen, folgert Corsten aus der Beobachtung. Zwar könne er da nur spekulieren, aber es liege doch nahe, dass diese Diskrepanz etwas mit der Art und Weise zu tun habe, "wie die Parteien Jugendliche ansprechen – das benötigt sicherlich weitergehende Analysen der Parteien." Zwar hätten alle Parteien allgemeine lokale Webseiten, aber eine laufende Berichterstattung über ihre inhaltliche Arbeit finde dort zwischen den Wahlen nur sehr selten statt. "Auf Instagram findet man keine der Weiler Ortsgruppen, bei Facebook sind nur ein paar vereinzelte Angebote zu finden, nicht alle sind aktuell", zieht Corsten Bilanz über die Außendarstellung. Hier, so seine Empfehlung an die Parteien, könne sich ein erster Ansatzpunkt für Verbesserungen ergeben.

Weiteres Vorgehen
Aufgrund der guten Resultate will der Stadtjugendring solche Kampagnen in der Zukunft weiterführen. Zusammen mit anderen Institutionen wie dem Jugendparlament und der Stadtjugendpflege soll überlegt werden, wie Jugendliche für Politik und insbesondere für ihre Wahl begeistert werden können. Da gebe es noch eine Vielzahl guter Ansatzpunkte, ist sich Corsten sicher und verweist etwa auf die ursprünglich vom Stadtjugendring geplante Postkartenaktion, die aufgrund mangelnder Kapazitäten diesmal nicht realisiert werden konnte.