Kriminalstatistik 2020

Weniger Einbrüche, mehr Sexualstraftaten in Freiburg und Südbaden

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Fr, 26. Februar 2021 um 11:47 Uhr

Südwest

Die Zahl der Delikte ist in Südbaden im Jahr 2020 um fast 10 Prozent zurückgegangen. Das Polizeipräsidium Freiburg registriert jedoch deutlich mehr Sexualstraftaten und Gewalt gegen Polizisten.

Weniger soziale Kontakte, Ausgehbeschränkungen, mehr Polizei auf der Straße, um das Einhalten der Corona-Regeln zu kontrollieren: Die Pandemie wirkt sich auch auf die Arbeit im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Freiburg aus. Zu diesem gehören der Stadtkreis Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Lörrach und Waldshut.

Die Einschränkung des öffentlichen Lebens verstärke den positiven Trend der vergangenen Jahre, teilte Polizeipräsident Franz Semling am Freitag mit. Die polizeilich erfasste Kriminalität gehe zurück, wenn auch nicht in allen Bereichen. Nach 64.694 registrierten Straftaten im Jahr 2019 verzeichnete das Polizeipräsidium Freiburg für das Jahr 2020 58.690 Delikte. Das entspricht einem Rückgang von 9,6 Prozent. Das ist der niedrigste Stand von Straftaten in den vergangenen zehn Jahren. 2011 waren es noch 73.026. Die Zahl der Straftaten ging im Stadtkreis Freiburg und in allen Landkreisen zurück, am wenigsten im Landkreis Emmendingen, am stärksten im Landkreis Lörrach.

Parallel dazu stieg die Aufklärungsquote im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Freiburg leicht an, um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 63,2 Prozent der bekannt gewordenen Straftaten konnten 2020 aufgeklärt werden. Das entspricht fast genau der landesweiten Quote von 64 Prozent. "Damit sind wir aber noch nicht ganz zufrieden", kommentierte Semling das Ergebnis.

In der gesamten Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2020 zurückgegangen sind: Straftaten gegen das Leben, Straftaten im öffentlichen Raum und Wohnungseinbrüche. Dagegen treibe die Zahl der Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt, gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Gewalt gegen Polizei und Hilfsorganisationen den Polizisten zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn, sagte Semling.

Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche fiel im Jahr 2020 auf einen historischen Tiefstand. Das Polizeipräsidium Freiburg registrierte 420 Wohnungseinbrüche. 2019 waren es noch 931 Delikte. Ein Rückgang um 55 Prozent. Der Zehnjahresmittelwert von 1147 Wohnungseinbrüchen wird sogar um 63 Prozent unterschritten. Wenn die Menschen mehr zuhause seien, hätten potenzielle Täter weniger Gelegenheiten, kommentierte Kripo-Chef Arno Englen das Ergebnis. So kam es in mehr als der Hälfte aller Fälle nur zum Einbruchsversuch. Die Aufklärungsquote beträgt 34,4 Prozent. "Ein absoluter Spitzenwert im Landesvergleich", sagte Englen. Pandemiebedingt habe man vor allem mit ortsansässigen und bekannten Tätern zu tun gehabt. "75 Prozent waren bereits polizeibekannt."

Straftaten im öffentlichen Raum

Einen starken Rückgang verzeichnet das Polizeipräsidium Freiburg auch bei Straftaten im öffentlichen Raum. Darunter werden anderem Sachbeschädigungen, Drogendelikte, Körperverletzungen, aber auch Raub- und Diebstahlsdelikte zusammengefasst. Es sind laut Polizei Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger beeinflussen. Die Zahl der erfassten Delikte fiel im Jahr 2020 auf einen Zehnjahrestiefstand. Registrierte das Polizeipräsidium Freiburg 2019 noch 31.215 Straftaten im öffentlichen Raum, waren es 2020 nur noch 28.193.

Das ist ein Rückgang von 9,3 Prozent. Es sei die viertbeste Entwicklung aller Polizeipräsidien in Baden-Württemberg, im Vergleich zu den Polizeipräsidien Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe sogar die Beste, kommentierte Semling das Ergebnis. "Darauf sind wir stolz", sagte der Polizeipräsident. Die Polizei könne durch ihre Präsenz und mit Unterstützung der städtischen Vollzugsdienste dazu beitragen, dass die Straftaten im öffentlichen Raum zurückgingen. Das werde sich nach dem Ende der Corona-Pandemie sicher ändern, glaubt Semling, "doch wir werden uns darauf vorbereiten."

Häusliche Gewalt

Anders als im Landesvergleich hatte die Polizei im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Freiburg nur wenig mehr Einsätze wegen häuslicher Gewalt als im Vorjahr. Im Jahr 2020 erfasste die Polizei 1453 angezeigte Straftaten, eine Zunahme von einem Prozent. Das sind jedoch die höchsten Fallzahlen in Baden-Württemberg. "Wir wollen diesen Bereich in den kommenden Jahren mit ganzheitlichem Blick anschauen", sagte Polizeipräsident Semling. Die Polizei hat dazu eine Koordinierungsstelle für häusliche Gewalt geschaffen und wird verstärkt externe Stellen einbinden.

Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung

Gestiegen ist allerdings die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. 2019 verzeichnete das Polizeipräsidium Freiburg noch 916 Delikte. 2020 erfasste die Behörde 1040 Fälle. Das ist ein Anstieg um 13,5 Prozent. Er liegt leicht unter dem landesweiten Anstieg von 13,8 Prozent. "Wir sind zum ersten Mal vierstellig", sagte Kripo-Chef Arno Englen. Der Anstieg sei vor allem auf den Bereich Internet, vorwiegend WhatsApp-Gruppen, zurückzuführen. Die Verbreitung von pornografischem Bild-, Text- und Videomaterial nehme immer mehr zu, die Ermittler müssten gigantische Datenmengen sichten. Deutlich steigt auch die Zahl tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher an.

"Die junge Generation tauscht Bilder aus, man wundert sich, was für heftiges Material das ist", sagte Englen. Hoffnung mache ihm aber, dass sich das Anzeigeverhalten in diesem Bereich verbessere. "Das Dunkelfeld lichtet sich." Auch die Zahl der Sexualstraftaten mit weiblichen Opfern ist im Jahr 2020 stark gestiegen. Bei Vergewaltigungen verzeichnet das Polizeipräsidium Freiburg einen Höchstwert mit 93 Fällen. "Worauf dieser Anstieg zurückzuführen ist, ist noch offen", sagte Englen. Die Aufklärungsquote bei diesen Straftaten liegt bei 88 Prozent. Auch das ist höher als der Landesdurchschnitt von 85,8 Prozent.

Gewalt gegen Polizei und Hilfsorganisationen

Noch nie gab es so viele Straftaten gegen Polizisten und Angehörige von Hilfsorganisationen, namentlich Feuerwehr und Rettungsdienste. 579 Delikte erfasste das Polizeipräsidium Freiburg im Jahr 2020. Im Vergleich: 2019 waren es noch 565 Delikte. Das sind die zweithöchsten Fallzahlen in Baden-Württemberg. 1324 Polizeibeamte von insgesamt 1900 Polizeibeamten haben 2020 eine Gewalterfahrung in ihrem täglichen Dienst erlebt. "Diese Entwicklung ist unschön und nicht zu tolerieren", kommentierte Polizeipräsident Semling das Ergebnis. Rund 55 Prozent der Tatverdächtigen in dieser Deliktsgruppe hätten unter Alkoholeinfluss gestanden.

Straftaten gegen das Leben

Bei der Tötungskriminalität verzeichnet das Polizeipräsidium Freiburg den Tiefstwert der vergangenen Zehn Jahre und die zweitniedrigsten Fallzahlen in Baden-Württemberg. 2019 waren es noch 27 erfasste Fälle, 2020 nur noch 19. Das ist ein Rückgang um 29,6 Prozent. Die Aufklärungsquote beträgt 95 Prozent. Rund 45 Prozent der Tatverdächtigen waren kriminalpolizeilich bekannt, fast jeder vierte Tatverdächtige stand unter Alkoholeinfluss. "Jeder Totschlag ist einer zuviel", kommentierte Kripo-Chef Englen die Zahlen. Auch Altfälle sollen in den kommenden Jahren neu aufgerollt und mit neuer Ermittlungstechnik bearbeitet werden. "Wir wollen diese Täter haben", sagte Englen.

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