Kanzlerkandidatur

Wie CDU-Ortsvereine in Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt entscheiden würden

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Fr, 16. April 2021 um 20:08 Uhr

Rheinfelden

Laschet oder Söder: Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Die BZ hat sich umgehört, wie der Machtkampf an der CDU-Basis in Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt ankommt.

Fünf Monate vor der Bundestagswahl leisten sich CDU und CSU einen internen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur. Noch Anfang der Woche war der CDU-Parteivorsitzende Armin Laschet vom CDU-Präsidium in seinem Vorhaben, Kanzlerkandidat der Union zu sein, bestätigt worden, aber auch der CSU-Vorsitzenden Markus Söder will die Unionsparteien in den Wahlkampf führen. Innerhalb der CDU mehren sich Stimmen, die sich für den CSU-Mann aussprechen. Die BZ hat sich umgehört, wie der Machtkampf an der CDU-Basis in Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt ankommt.

Rheinfelden

Eckhart Hanser, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Rheinfelden, ist ein bisschen verwundert über den Konkurrenzkampf zwischen Laschet und Söder. "Es gab eine relativ klare Abmachung, dass, wenn die CDU ihren Kandidaten bestimmen will, Söder dann zurücksteht. Aber das macht er jetzt nicht", stellt Hanser fest. Er weiß, dass diese Verwunderung auch einige der rund 200 Mitglieder des Stadtverbandes teilen. Die Stimmung nach der Landtagswahl ist im Stadtverband nicht besonders gut, auch wenn es die CDU-Kandidatin Sabine Hartmann-Müller letztlich noch in den Landtag geschafft. "Wir sehen verhalten positiv in die Zukunft", meint Hanser, der einen großen Kretschmann-Effekt bei der Landtagswahl vermutet, während bei der Bundestagswahl ein gelungenes Corona-Management die größere Rolle spielen dürfte. Deutliche Positionierungen zu einem der zwei Kanzlerkandidaten sind im Stadtverband eher ausgeblieben. Hanser traut das Amt beiden zu, stellt sich persönlich aber hinter Laschet. "Laschet ist authentischer", sagt Hanser. "Ich glaube, dass er eher in der Lage ist, zu integrieren und die CDU geeint in die Bundestagswahl zu führen."

Grenzach-Wyhlen

"Die Landtagswahl war nicht optimal, das kann man nicht verleugnen", sagt Felix Kohler, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Grenzach-Wyhlen, der etwa 40 Mitglieder stark ist. Aus den bei der Landtagswahl gemachten Fehlern werde die CDU lernen und schauen, wie sie sich bei kommenden Wahlen wieder verbessern kann.

Wir sehen verhalten

positiv in die Zukunft.

Eckhard Hanser, CDU Rheinfelden

Kohler schaut zuversichtlich auf die Bundestagswahl, schränkt aber ein, dass die vorherrschende Uneinigkeit um die Frage des Kanzlerkandidaten der Union nicht gut tue. Kohler hält sowohl Laschet als auch Söder für fähig, die Union in den Bundestagswahlkampf zu führen. Die Stimmung im Ortsverband tendiere aber zu Söder, auch wenn Laschet als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und als Parteivorsitzender gute Arbeit leistet. "Ich glaube, von den Mitgliedern aus dem Ortsverband ist die Mehrheit der Meinung, dass Söder der bessere Kandidat wäre", sagt Kohler auch mit Blick auf Söders bessere Umfragewerte in der Bevölkerung. Er meint, dass sich der Ortsverband für Söder aussprechen würde, wenn er mitbestimmen dürfte.

Schwörstadt

Die CDU-Ortsverein Schwörstadt umfasst nur noch fünf Mitglieder. Ein echtes Stimmungsbild hat der Vorsitzende Harald Ebner nicht erhoben, aber er weiß, dass der Konkurrenzkampf auch bei CDU-nahen Nichtmitgliedern nicht gut ankommt. "Ich spüre eine gewisse Frustration und Müdigkeit", sagt Ebner. "Da kommt alles zusammen: Corona, Maskenaffäre und das Hickhack um die Kanzlerkandidatur." Nach der Landtagswahl wünschten sich die Parteimitglieder vor allem Sicherheit. Ebner ringt schon eine ganze Weile mit sich, wen er als besseren Kanzlerkandidat einschätzt. Der erst im Januar gewählte CDU-Parteivorsitzende sollte natürlich nicht beschädigt, aber Söder wäre trotzdem Ebners Wunschkandidat. "Aufgrund seines Auftretens und seiner Persönlichkeit ist Söder eher geeignet, wieder Schwung rein zu bringen."