Lahrerin beim Bürgerfest

Wie Franciska Schmitt den Bundespräsidenten auf Badisch zum Selfie gebeten hat

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Do, 05. September 2019 um 19:30 Uhr

Lahr

Wegen ihres ehrenamtlichen Engagements wurde Franciska Schmitt vonFrank-Walter Steinmeier zum alljährlichen Bürgerfest des Bundespräsidialamts eingeladen. Hier berichtet sie darüber.

Franciska Schmitt könnte allein wegen ihres sozialen Berufs der Jugend- und Heimerzieherin spannende Geschichten erzählen. Aus ihrer Arbeit beim Intensiv-Stationären-Krisen-Interventions-Zentrum (ISKIZ) hat sich eine Kooperation mit dem Jugend-Musikwerk Baden ergeben. Wegen ihres ehrenamtlichen Engagements wurde sie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum alljährlichen Bürgerfest des Bundespräsidialamts eingeladen. Hier berichtet sie über ihre Erlebnisse.

Der Brief: "Zuerst wollte ich den Brief gar nicht öffnen", gesteht Schmitt. Das Kuvert habe so amtlich gewirkt. Und obwohl schnell klar war, dass es sich um eine Einladung zum Bürgerfest in Berlin handelte, zauderte die junge Heimerzieherin noch ein wenig: "Wer sollte sich um meine kleine Edda kümmern, wenn ich meine Schwester, die das sonst übernimmt, mitnehme?", war ihr erster Gedanke. Der Zweite: Was zieht man da an? Und: Wie viel kostet die Anreise?

Die Anreise: Es wurden 18 Stunden Zugfahrt, erzählt Schmitt, danach blieb nur kurz Zeit fürs Einchecken im Hotel und fürs Schickmachen. "Wir hatten nur eine halbe Stunde wegen des langen Security-Checks", erzählt sie. Sie seien überpünktlich gewesen, Einlass war um 15 Uhr. "Die Warteschlange erstreckte sich auf nur 50 Meter." Klingt trotzdem lang, aber so ist Glamour in der Hauptstadt.

Die Garderobe: "Ich hatte ein schwarzes Spitzenkleid ausgewählt." Doch dann stand in der Einladung: Gartenfest im Schlosspark. Also keine Highheels. Schmitt bewies Mut und kam in edlen Sneakern. Als Sie den finnischen Teen-Pop-Sänger Robin Packalen auf der Bühne sah, waren die Zweifel am Stilbruch verflogen: "Der trug zwei verschiedene Sportschuhe."

Wie ist Steinmeier so?
Der Bundespräsident habe viel Nähe zugelassen. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht immer zu sehen gewesen sei: "Ich habe den Pulk aus Bodyguards und dicht gedrängten Fotojournalisten, der ihn bei seinem Rundgang völlig verdeckte, erst einmal eine halbe Stunde lang beobachtet. Dann wurde ich irgendwie in den Strudel hineingezogen." Mit dem Selfie ging es dann ganz leicht: "Ich habe ihn in meinem breiten Badisch angesprochen." Da habe das deutsche Staatsoberhaupt ihr tatsächlich so geantwortet: "Ein bissle Zeit hab ich auf jeden Fall!" Noch mehr habe ihr aber gefallen, dass Steinmeier und seine Frau ehrliche Herzlichkeit ausstrahlten und auch die zahlreichen Kinder, die mit den Erwachsenen angereist waren, begrüßten. Aber Franciska Schmitt habe sich entschieden, die vierjährige Edda zu Hause zu lassen. Ein bisschen befremdet habe sie, dass manche Eltern dem Bundespräsidenten ihre Kinder regelrecht auf den Arm gesetzt hätten. "Ich erzählte Edda einfach: Ich habe den König besucht, er hatte weiße Haare, keine Krone und etwas Blaues an."

Was gab’s noch zu sehen?
Zahlreiche Vereine und Organisationen, in denen sich Ehrenamtliche engagieren, stellten sich im Schlosspark vor. Doch Schmitt war hin und weg vom Schloss-Faktor: Sie nutzte die Möglichkeit zu einer kostenlosen Führung. Sie und ihre Schwester genossen das Fest bis in die Abendstunden. Edles Catering inklusive. Vom vietnamesischen Fingerfood seien sie fast nicht weggekommen, gesteht sie.

Was nimmt sie mit? "Ich habe mich wenig mit anderen ausgetauscht, sondern viel gestaunt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich es in vollen Zügen genossen, dass mein Engagement anerkannt wird", sagt Franciska Schmitt im Rückblick.