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Wie man gebrauchte Kinderkleidung schnell und günstig kaufen und verkaufen kann

Mirjam Stöckel

Von Mirjam Stöckel

Mo, 26. April 2021 um 14:35 Uhr

Wirtschaft

Vor der Pandemie kam gebrauchte Kinderkleidung in den Second-Hand-Shop oder auf den Flohmarkt. Jetzt boomt der Handel im Internet. Wir erklären,worauf Käufer und Verkäufer achten sollten.

Eltern kennen das: Der Frühling ist da, die Kartons mit den zu klein gewordenen Kinderklamotten quellen über und zugleich braucht der Nachwuchs dringend die Sommerausstattung in der nächsten Größe. Die Lösung? Eigentlich: ab in den Second-Hand-Shop oder auf den Kinderflohmarkt. Nur: Beides ist in Corona-Zeiten kaum möglich – oder gar nicht.

Was also tun? Eine Möglichkeit: übers Internet verkaufen und kaufen. Und das tun gerade viele. Das zeigen die Zahlen des Internetportals Ebay-Kleinanzeigen, das rund 36 Millionen Menschen mindestens einmal monatlich nutzen – und auch bei der auf Kleidung spezialisierten Plattform Vinted mit rund neun Millionen Mitgliedern. Beide gehören zu den Gewinnern der Corona-Krise. Ihr Geschäft brummt wie selten zuvor.

Beispiel Ebay-Kleinanzeigen: "In der Kategorie Baby- und Kinderkleider sehen wir bei den Anzeigen eine Steigerung von rund 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum", sagt Sprecher Pierre Du Bois. Auch bei Kinderschuhen gebe es 30 Prozent mehr die Anzeigen, bei Spielzeug sogar 50 Prozent mehr, so Du Bois. "Das ist enorm. Wir haben zwar auch in den letzten Jahren allgemein einen Aufwärtstrend gesehen."Aber in dieser Stärke sei das nur mit Corona zu erklären.

Bei Vinted, dem Zusammenschluss von Mamikreisel und Kleiderkreisel, will man zwar keine Detail-Zahlen für Kinder- und Babyklamotten nennen – aber, so sagt PR-Managerin Lisa-Marie Berns: "Auf unseren Plattformen in ganz Europa ist die Anzahl der eingestellten Artikel während der zwei Lockdown-Phasen im Frühjahr und Winter 2020 insgesamt um 16 bis 17 Prozent angestiegen. Die deutsche Community hat als zweitgrößter Markt maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen."

Für Neueinsteiger ein paar einfache, aber hilfreiche Tipps.
Käufer sollten:

  • Verschiedene Suchbegriffe ausprobieren – also etwa "Strampler" und "Strampelanzug".
  • Über die Filterfunktion gezielt etwa nach bestimmten Größen, Farben und Preisen suchen.
  • Bei Ebay-Kleinanzeigen die Umkreissuche nutzen. So findet man Klamotten in der Nähe, die man abholen und vor dem Kauf anschauen kann.
  • Möglichst sicher shoppen – sprich: die Ware selbst abholen und bar bezahlen. Oder – bei Ware, die versandt wird – über die integrierten Bezahlsysteme der Plattformen zahlen. Das kostet zwar eine kleine Zusatzgebühr, bietet aber mehr Schutz davor, etwa mit beschädigter Versand-Ware übers Ohr gehauen zu werden.
  • Bei Fragen den Verkäufer anrufen oder anschreiben.
    Vor einem Kauf die Bewertung und das Profil des Verkäufers prüfen – für Rückschlüsse, wie zuverlässig andere Käufer diesen Anbieter finden. Falls der Verkäufer noch andere passende Kinderkleider anbietet, kann das Portokosten sparen.

Verkäufer sollten:

  • Gute Fotos ihrer Ware machen (mit Details, Tageslicht und neutralem Hintergrund). Nur selbst gemachte Bilder veröffentlichen – Stichwort Urheberrecht.
  • Einen aussagekräftigen Anzeigentitel wählen – etwa mit Größe, Zustand, Farbe und Marke der Ware.
    Den Artikel im Anzeigentext ausführlich, genau und ehrlich beschreiben, auf Mängel hinweisen.
  • Zunächst vergleichbare Artikel auf der Plattform suchen, um einen realistischen Preis für die eigene Ware festzulegen.
  • Bereit sein, die Ware zu versenden – das erhöht die Zahl potentieller Interessenten deutlich.
  • Ware erst versenden, wenn das Geld dafür auf dem Konto eingegangen ist – Stichwort Vorkasse. Alternativ kann man die integrierten Bezahlsysteme nutzen, bei denen die Plattformen wie ein Mittelsmann agieren und sowohl Käufer als auch Verkäufer Schutz bieten.
  • Aufs Kleingedruckte in der eigenen Anzeige achten – denn: "Grundsätzlich gilt bei Verkäufen die zweijährige Gewährleistungspflicht", sagt Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherschutzzentrale Hamburg.
  • Privatleute könnten die Haftung für mögliche Mängel gebrauchter Ware aber ausschließen – anders als Unternehmen, so Rehberg: "Wenn man die Gewährleistung ausschließen will, muss man das bei Vertragsschluss vereinbaren. Es muss also deutlich sein, dass der Käufer die Sache im Wissen erwirbt, dass kein Gewährleistungsrecht besteht."

Die Stiftung Warentest empfiehlt Privatverkäufern daher, immer folgenden Text in Anzeigen aufzunehmen: "Ich schließe jegliche Sachmangelhaftung aus. Die Haftung auf Schadenersatz wegen Verletzungen von Gesundheit, Körper oder Leben und grob fahrlässiger und/oder vorsätzlicher Verletzungen meiner Pflichten als Verkäufer bleibt uneingeschränkt." Wer Nachrichten freundlich und schnell beantwortet, erhöht die Chancen, abgelegte Kinderklamotten loszuwerden oder ein Second-Hand-Schnäppchen zu machen – und von anderen Nutzern gut bewertet zu werden.

Es gibt auch Kinderflohmarkt-Whatsappgruppen: Wer Klamotten oder Spielzeug loswerden will, lädt Fotos in den Chat hoch – und Interessenten nehmen dann per Privatnachricht Kontakt zum Anbieter auf. Oft geben die Gruppenmitglieder den Einladungslink weiter. Oder man schaltet eine Zeitungsannonce.
Ein anderer Weg

Gebrauchte Kinderklamotten online verkaufen oder kaufen, das geht auch über Momox.de beziehungsweise Momoxfashion.com. Das Prinzip hier ist aber ein anderes als bei den Kleinanzeigen-Portalen: Momox.de fungiert quasi als Zwischenhändler, der abgelegte Kleidung von Privatleuten ankauft und dann über Momoxfashion.com weiterverkauft. Dabei nimmt Momox.de nur Markenkleidung ohne Mängel (von rund 2000 Herstellern) an – abgelegte Klamotten aus dem Discounter beispielsweise wird man hier nicht los. Die Ankaufspreise bei Momox.de liegen meist deutlich unterhalb dessen, was man bei Ebay-Kleinanzeigen oder Vinted erzielen kann. Allerdings hat man als Verkäufer auch weniger Aufwand, weil man mehrere Sachen auf einmal loswerden kann: Auf ;Momox.de legt man die zu klein gewordenen Klamotten in eine Online-Verkaufsbox, bekommt dafür einen Lieferschein und einen Versandaufkleber zum Ausdrucken, packt alle Kleidungsstücke in ein Paket und bringt das dann zur Post. Momox prüft die Ware und überweist dem Verkäufer dann die Ankaufssumme. Wer bei Momoxfashion.com gebrauchte Kinderkleider einkauft, muss dafür meist mehr bezahlen als bei Ebay-Kleinanzeigen oder Vinted – hat dafür aber auch immer ein Rückgaberecht.