Tuchfühlung

Wie nah sich Menschen bei Kuschelpartys wirklich kommen

Annika Schubert

Von Annika Schubert

Sa, 23. Juni 2018 um 21:45 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Wer Nähe sucht, findet sie bei Kuschelpartys. Jeden Monat kann man in Freiburg organisiert und straffrei auf Tuchfühlung gehen. Grapschen und Küssen sind allerdings tabu. Das fällt nicht jedem leicht.

Der Ort, an dem heute Abend in Freiburg auf Kommando gekuschelt werden soll, liegt gleich hinter dem Colombipark. Man passiert ein verriegeltes Tor, geht ein paar Schritte in den Innenhof und steht dann vor einem Schild, das gleich die Spielregeln für diese als Wohlfühl-Kuschelparty bezeichnete Veranstaltung diktiert: "Berühren der erogenen Zonen und Küsse sind tabu, die Kleidung bleibt an."

Gekuschelt wird in einer Tanzschule. Helles Parkett, ausgelegt mit Kissen und Decken, die Spiegel sind mit weißen Tüchern abgehängt. In der Mitte des Raumes steht ein dicker Kerzenstumpen, dekorativ umspielt von orientalischen Tüchern. Außen liegen, kreisförmig angeordnet, zwölf orangefarbene Matratzen. Im Hintergrund läuft Jack Johnson.

Ein von Natur aus scheuer Mensch
Die Anordnung hat Markus Günther vorgenommen. Er ist großgewachsen und schlank, hat blaue Augen und empfängt mit grauen Hausschuhen. Die angeblich wohltuende Kuschelenergie entdeckte er vor neun Jahren. Gerade frisch getrennt, wollte er, statt sich sofort auf eine neue Beziehung einzulassen, erstmal ganz bewusst für sich selbst sorgen. Günther beschreibt sich als einen von Natur aus scheuen Menschen. Die Teilnahme an einer Kuschelparty gab ihm damals die Möglichkeit, unter vorgegebenen Regeln, Berührungen mit anderen Menschen auszutauschen. Diese Berührung kann ein formaler Händedruck sein oder aber auch mehr. Um einen formalen Händedruck auszutauschen, ist heute allerdings keiner gekommen.

Langsam treffen die ersten Teilnehmer ein. Mancher wirkt gleich etwas verloren und drückt sich zögernd an die Eingangstür. Andere sind beherzter und kommen rasch miteinander ins Gespräch. Nach ein paar Minuten sind dreißig Teilnehmer da. Es herrscht Frauenüberschuss, einige sind ziemlich attraktiv. Auf 23 Frauen kommen lediglich sieben Männer. Für vier Stunden Kuschelvergnügen zahlen die Teilnehmer 20 Euro. Wer danach ...

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