Coronavirus

So reagiert der Handel im Kreis Lörrach auf den Wegfall der Notbremse

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Sa, 08. Mai 2021 um 15:48 Uhr

Kreis Lörrach

Einzelhändler im Landkreis Lörrach klagen: Termin- und Testpflicht, die bis einschließlich Samstag gilt, schreckt Kunden ab. Welche Hoffnungen setzen die Händler auf die Lockerungen ab Montag?

"Die Abholangebote laufen zäh, weil es schon seit Wochen eine wahnsinnige Verunsicherung gibt", sagt Heike Erdrich vom Modehaus Kilian in Lörrach. Ihre Kunden hätten den Überblick darüber verloren, was erlaubt sei und was nicht. Nur eine kleine Kernkundschaft von Shopping-Begeisterten traut sich noch in das Modehaus an der Basler Straße, so Erdrich. "Für das Shoppen würden die aber auch nach Karlsruhe fahren, um sich testen zu lassen." Von Montag bis Freitag lag der Inzidenzwert im Landkreis Lörrach unter 100. Ab Montag tritt die Notbremse deshalb außer Kraft. Kunden dürfen dann mit Terminvereinbarung shoppen, ohne einen negativen Corona-Test vorlegen zu müssen. "Das wird die Kundschaft wieder anlocken", glaubt Erdrich.

"Wenn am Montag die Tests wegfallen, wird es auch nicht besser." Stefan Klever
Schuhhändler Stefan Klever, der Läden unter anderem in Schopfheim und Lörrach betreibt, blickt weniger optimistisch auf den Wochenanfang: "Wenn am Montag die Tests wegfallen, wird es auch nicht besser." Um zwei Prozent, so schätzt er, werde die Kundenanzahl höchstens steigen. Durch die Terminvereinbarung bleibe der Aufwand weiterhin zu groß. "Bevor sie einen Termin bei uns ausmachen, um Schuhe abzuholen, bestellen sie die online", sagt Klever. In den letzten Wochen seien zwar trotz Testpflicht mehr Kunden gekommen, aber die zusätzlichen Einnahmen seien nicht der Rede wert gewesen.

Flexibel müssen die Einzelhändler bleiben, um auf mögliche Lockerungen oder Verschärfungen zu reagieren. Sigrid Walter-Dohle, stellvertretende Marktleiterin bei Hornbach in Binzen, sagt: "Wir haben mittlerweile Schilder in verschiedenen Ausführungen, die wir nur noch wechseln müssen." Baumärkte dürfen ab Montag unter den Hygieneauflagen der Corona-Verordnung öffnen. Damit werden sie mehr Lockerungen genießen als beispielsweise Modehändler. "Click & Meet" und ein negatives Testergebnis fallen dann nämlich weg. Walter-Dohle freut sich darüber, wundert sich aber über die ihrer Meinung nach unverständlichen Regeln bei einer Inzidenz über 100. "Wer in den Gartenmarkt geht, braucht keinen Test, wer in den Baumarkt geht schon."

Geimpfte Schweizer sorgen für Umsätze

Auf dem Parkplatz von Hornbach steht seit einigen Tagen ein Testzentrum. "Kunden ohne Test, können dort einen machen lassen", sagt Walter-Dohle. Für deutsche Kunden sei das allerdings nur ein geringer Anreiz, um "Click & Meet" im Baumarkt zu betreiben. "Franzosen und Schweizer nutzen das Angebot dafür stark", berichtet die stellvertretende Marktleiterin. Denn seit geimpfte Eidgenossen wieder quarantänefrei nach Deutschland kommen können, steigen die Umsätze.

Antje Bendel, Pressesprecherin beim Hauptzollamt Lörrach, bestätigt das: "Es ist noch lange nicht auf dem Niveau vor Corona, aber es nimmt spürbar zu." Ihren Kolleginnen und Kollegen werden vermehrt Ausfuhrbescheinigungen vorgelegt. "Darüber merken wir, dass wieder ein erhöhter Andrang herrscht." Bisher kann Bendel aber nur einen Trend mitteilen, weil der Zoll unterjährig keine Zahlen veröffentlichen darf. Einen Überblick über die Kundenströme aus Frankreich habe sie nicht.

"Click & Meet ist nicht die optimale Lösung, aber es ist die Realität, mit der wir momentan umgehen müssen." Alev Kahraman
Alev Kahraman, Centermanagerin des Rheincenters in Weil am Rhein, beobachtet ebenfalls vermehrt Besucher aus den Nachbarländern. Doch auch die deutsche Kundschaft nehme die Abholangebote immer besser an. "Click & Meet ist nicht die optimale Lösung, aber es ist die Realität, mit der wir momentan umgehen müssen", sagt sie. Die Apotheke im Rheincenter testet seit fünf Wochen, um es den Kunden so einfach wie möglich zu machen. Mit einer vorgelegten Krankenkassenkarte hat jeder Anspruch auf einen kostenlosen Test pro Woche. "Das wird wunderbar angenommen", sagt die Centermanagerin. Die Schweizer und Franzosen lassen sich ebenfalls testen und zahlen die 25 Euro aus der eigenen Tasche.



"Wir sehen Licht am Ende des Tunnels", sagt Kahraman. "Es ist zwar noch nicht mit den früheren Umsätzen vergleichbar, aber es kommen immer mehr Kunden." Das hat auch das Ordnungsamt bemerkt, das laut Kahraman sehr häufig kontrolliert, ob die Vorschriften eingehalten werden. "Wir haben intensiven Kontakt zu den Behörden", sagt sie. So sei garantiert, dass Neuerungen in den Verordnungen auch regel- und coronakonform umgesetzt werden.

In der Stadt Lörrach prüft der Vollzugsdienst ebenfalls, ob sich der Einzelhandel an die Verordnungen hält. "Bei den Kontrollen konnten einige wenige Verstöße festgestellt werden", schreibt Patricia Janz, stellvertretende Fachbereichsleiterin Straßen/Verkehr/Sicherheit der Stadt Lörrach, auf Nachfrage der Badischen Zeitung. Von anonymen Kontrollen, die einzelne Händler vermuten, nimmt Janz Abstand: "Unsere Mitarbeiter sind nur in Uniform unterwegs."

Teststellen in Lörrach werden rege genutzt

Um mehr Menschen in die Innenstadt zu locken, setzt die Stadt Lörrach auf eine intensive Teststrategie. Seit Montag gibt es am Senser Platz ein neues Schnelltestzentrum, das täglich 500 Tests schafft. Darüber hinaus gibt es acht weitere Teststellen in Lörrach. Eine davon ist die Bahnhof-Apotheke, die von Montag bis Freitag testet. "Das Angebot wird sehr rege genutzt", sagt Anke Leumann-Runge, Inhaberin der Bahnhof-Apotheke. "Bislang hatten wir keine Probleme, die Zeitfenster zu füllen." Ob sich ihre Kunden für den Familienbesuch, die eigene Sicherheit oder das Einkaufen testen lassen, wisse sie allerdings nicht. "Wir fragen natürlich nicht nach." Spätestens an Pfingsten wird sie das Angebot aber einstellen. Das neue Schnelltestzentrum genüge. Ab Montag, wenn keine Tests mehr für "Click & Meet" notwendig sind, wird sich zeigen, ob die Schnelltestangebote in der Stadt noch so stark genutzt werden.

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