Gute Geschäfte, schlechtes Verhältnis

Friederike Marx /

Von Friederike Marx &

Mi, 21. Oktober 2020

Wirtschaft

Für die deutsche Wirtschaft bleiben die USA trotz aller Irritationen ein außerordentlich wichtiger Markt / Außenhandel wächst.

. "Unberechenbar", "chaotisch", "vergiftetes Klima" – die deutsche Wirtschaft stellt der Trump-Regierung kurz vor der US-Wahl ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Doch hat die "Amerika zuerst"-Politik Trumps den Geschäften wirklich Schaden zufügen können?

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und den USA sind eng. Doch Störfeuer der Regierung unter Präsident Donald Trump haben den Beziehungen aus Sicht der deutschen Wirtschaft geschadet. "Mit seinem unberechenbaren Stil und dem Rückzug aus internationalen Abkommen hat Trump weltweit in der Wirtschaft für viel Unsicherheit gesorgt", bilanziert der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, kurz vor der US-Wahl.

Für Verärgerung der deutschen Wirtschaft sorgen insbesondere die von Trump angeheizten globalen Handelskonflikte. "Seit dem Inkrafttreten der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium auf EU-Produkte im Juni 2018 ist das handelspolitische Klima zwischen den USA und Europa vergiftet", beklagt der Maschinenbauverband VDMA. Fest steht, dass Trumps Gepolter und Drohungen – etwa die monatelang im Raum stehenden Strafzölle auf Autoimporte – der Atmosphäre geschadet haben. Doch inwieweit leiden die deutschen Firmen tatsächlich unter der umstrittenen "Amerika zuerst"-Politik?

"Vor dem Hintergrund der Handelskonflikte ist bemerkenswert, dass sich im Warenhandel zwischen Deutschland und den USA seit dem Amtsantritt Trumps außer bei den direkt betroffenen Produkten keine gravierenden Veränderungen ergeben haben", konstatiert Experte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Zwischen 2016 und 2019 seien die deutschen Warenexporte in die USA von rund 107 auf rund 119 Milliarden Euro gestiegen, die Importe von 58 auf 71 Milliarden (siehe Grafik). Der Anteil der USA habe bei den Importen von 6,1 auf 6,5 Prozent zugenommen und bei den Exporten bei 8,9 Prozent stagniert.

Die USA sind der größte Einzelmarkt für den Export von Waren "Made in Germany", daran änderte sich trotz aller Konflikte auch 2019 nichts. Zugleich investieren deutsche Firmen kräftig in der größten Volkswirtschaft der Welt und umgekehrt. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) haben sie über die Jahre einen Kapitalstock von 430 Milliarden Euro in dem Land aufgebaut. Die Vereinigten Staaten seien damit der mit Abstand wichtigste Markt für deutsche Direktinvestitionen. VW, BMW und Co. produzieren in Übersee. Umgekehrt haben große US-Firmen wie Amazon, Exxon Mobil oder der Landmaschinenhersteller John Deere Standorte in Europas größter Volkswirtschaft. Hunderttausende Jobs hängen jeweils daran.

Sorge bereitet der deutschen Wirtschaft die Lähmung der Welthandelsorganisation (WTO). Washington blockiert seit Monaten die Nachbesetzung von Stellen beim zentralen Organ der Streitschlichtung bei Handelsdisputen. Diese Gremien sind daher nicht mehr beschlussfähig. Allerdings ist es der EU bereits im Mai gelungen, eine alternative Institution bei der WTO zu etablieren, bei der Handelsstreitigkeiten verhandelt werden können. Außer den USA tun da alle wichtigen Handelspartner mit.

Trumps Steuerreform kann die deutsche Wirtschaft wenigstens teilweise etwas Gutes abgewinnen. Die Steuersenkungen haben nach Einschätzung des Maschinenbauverbandes die Investitionsbereitschaft der US-Firmen erhöht. Davon profitierten auch deutsche Hersteller. Der Export von Maschinen deutscher Firmen in die USA stieg zwischen 2016 und 2019 um fast 20 Prozent. BDI-Chef Kempf kritisiert allerdings, dass die Reform den Standortwettbewerb um Investitionen noch einmal drastisch verschärft habe. "Dies setzt den deutschen Steuerstandort bis heute unter Druck." Das Institut der deutschen Wirtschaft hat bereits eine deutliche Aufwärtstendenz bei deutschen Kapitalzuflüssen in die USA beobachtet (siehe Grafik).

Wie wird es nach der Wahl weitergehen mit dem Verhältnis zwischen Deutschland und den USA? Bei Außenhandelspräsident Börner ist die Hoffnung auf einen Kurswechsel der US-Politik gering – unabhängig vom Ausgang. Man dürfe sich nicht der Illusion hingeben, "dass der Freihandel eine Renaissance erleben und die Hinwendung zu reinen nationalen Interessen ein Ende haben wird". Wahrscheinlich werde sich unter einem Präsidenten Biden nur der Ton im Umgang ändern. Schließlich sind die Demokraten traditionell skeptisch, was den Außenhandel angeht.

Studien zeigen allerdings, dass deutsche Unternehmen den Wirtschaftsstandort USA ungeachtet allen Getöses Trumps weiter als attraktiv betrachten. Laut einer Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer und der Beratungsfirma KPMG etwa rechneten 96 Prozent der Firmen zu Jahresbeginn damit, dass ihr Geschäft in den USA 2020 wächst. Im Vorjahr waren es 91 Prozent. Befragt wurden Manager von 177 US-Töchtern deutscher Unternehmen. "Das US-Geschäft ist für deutsche Konzerne äußerst relevant – und auch profitabel", sagte Peter Riehle, Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer.