Oppenau

Yves R. soll tagelang nicht gegessen und sich nur nachts bewegt haben

Joshua Kocher

Von Joshua Kocher

Mi, 22. Juli 2020 um 12:35 Uhr

Offenburg

Wie konnte sich der 31-jährige Yves R. sechs Tage lang vor mehr als 2500 Polizisten im Oppenauer Wald verstecken? Darüber gab seine Aussage bei der Polizei Aufschluss, deren Inhalt jetzt bekannt wurde.

Am Ende wurden ihm die Hinweise zweier Zeugen sowie die Fährte eines Spürhunds namens Milow zum Verhängnis. Der über sechs Tage flüchtige Yves R. aus Oppenau wurde schließlich am Freitagnachmittag von Polizeibeamten entdeckt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Nach seiner Festnahme soll der 31-Jährige gegenüber der Kriminalpolizei ausgesagt haben, wie die Polizei am Mittwoch in einer Pressemitteilung schreibt. Vor dem Haftrichter soll er jedoch in Absprache mit seinen Verteidigern von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht haben.

Sein Handy hatte Yves R. ausgeschaltet

Bei seiner Aussage vor der Polizei beschrieb der 31-Jährige, wie er über sechs Tage vor den insgesamt mehr als 2500 Einsatzkräften fliehen konnte. Yves R. habe, so die Polizei, die vier Pistolen geschnappt, die er den Beamten abgenommen hatte, und sei in den Wald geflüchtet. Proviant habe er keinen eingepackt. Noch am Sonntag habe R. einen Polizeihubschrauber wahrgenommen und so mitbekommen, dass er gesucht werde.
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Die Ermittler gehen davon aus, dass R. die bundesweite mediale Berichterstattung über seine Flucht nicht gelesen hat. Gegenüber der Kriminalpolizei äußerte R., dass er sein Handy ausgeschaltet habe, um nicht geortet werden zu können. Er habe ohnehin keinen Empfang im Wald gehabt. Ab und zu habe er abgespeicherte Fotos und Videos angeschaut.

Hauptsächlich nachts unterwegs

Yves R. gab außerdem zu Protokoll, dass er sich ausschließlich in den Wäldern um Oppenau aufgehalten, hauptsächlich nachts bewegt und tagsüber in Gruben und Erdlöchern versteckt habe. Nahrung habe er keine eingepackt, er habe einzig Wasser getrunken.

Das Schreiben, das R. bei der Verhaftung bei sich trug, soll ein persönliches Schreiben an seine Angehörigen gewesen sein, das er für den Fall verfasst habe, dass ihm bei der Flucht etwas zustoßen sollte.

Bei der Verhaftung habe der 31-Jährige keine "nennenswerten Verletzungen" davongetragen, so die Ermittler. Ein Beamter sei allerdings von R. mit einer Axt verletzt worden. Der Mann musste nicht stationär behandelt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dennoch wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Weitere Details zur Festnahme nannten die Ermittler in der Pressemitteilung nicht – "aus einsatztaktischen Gründen". Die "polizeilichen Maßnahmen" in Oppenau seien abgeschlossen. Zuvor seien Spuren in Straßburg, Böblingen, Dornstetten oder Baiersbronn überprüft worden. Auch in Freiburg wurde ein Zug durch Polizeibeamte durchsucht.

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