Wallfahrtsort Meron

Zahlreiche Tote und Verletzte bei Massenpanik in Israel

dpa

Von dpa

Fr, 30. April 2021 um 06:52 Uhr

Ausland

Pilger wollten auf dem Meron-Berg einen jüdischen Feiertag begehen. Dann kam es zu einer Massenpanik mit vielen Toten und Verletzten. Viel mehr Menschen als erlaubt sollen anwesend gewesen sein.

Nach der tödlichen Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels hat die Polizei mit der Suche nach den Ursachen begonnen. Man habe erste Ermittlungen aufgenommen, sagte der für den Norden zuständige Polizeichef Schimon Lavi am Freitag vor Journalisten. "Es war eine schlimme, tragische Nacht", sagte er. "Ich trage die übergreifende Verantwortung, im Guten wie im Schlechten." Er sei "zu jeder Prüfung bereit".

Bei der Massenpanik in dem Wallfahrtsort Meron wurden nach Medienberichten mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Tausende - vor allem Strengreligiöse - hatten auf dem Meron-Berg den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen. Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl auf 10 000 begrenzt, nach Medienberichten waren aber bis zu zehnmal mehr Menschen angereist.

Polizei weist Kritik zunächst zurück

Nach ersten Erkenntnissen kamen Menschen auf einer abschüssigen Rampe mit Metallboden und Wellblech-Trennwänden auf beiden Seiten ins Rutschen. Die dicht gedrängten Feiernden fielen dann übereinander.

Augenzeugen warfen der Polizei vor, sie habe Leute in das abgesperrte Areal gelassen, obwohl es schon extrem voll gewesen sei. Nach Beginn der Panik habe die Polizei dann nicht schnell genug Ausgänge auf der anderen Seite geöffnet, so die Kritik. Insgesamt waren rund 5000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Polizeichef Lavi sagte, die Sicherheitskräfte hätten sich sehr gründlich auf die Feier vorbereitet. "Die Sicherheit stand an erster Stelle." Er warnte vor der Verbreitung von Fehlinformationen in sozialen Medien. Viele der Polizisten hätten Leben gerettet und sich dabei selbst in große Gefahr begeben, betonte er.

Probleme mit dem Handyempfang

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte im Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. "Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte der Sprecher. "Das sind unfassbare Zahlen." Auch ein Sanitäter berichtete, er habe Schreckliches mit ansehen müssen.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Die Polizei sperrte Zufahrtsstraßen und räumte das Gelände. Berichten zufolge weigerten sich jedoch Hunderte Gläubige zu gehen, weil sie beten wollten. Es sei auch zu Konfrontationen gekommen. Selbst Soldaten waren im Einsatz, darunter eine Eliteeinheit der Armee. Der Polizei zufolge gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron telefonisch nicht erreichen.

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb bei Twitter, er verfolge die Berichte über die Tragödie und bete für die Genesung der Verletzten. Regierungschef Benjamin Netanjahu zeigte sich bestürzt über das "schwere Unglück" und sicherte den Rettungskräften Unterstützung zu. Gesundheitsminister Juli Edelstein sprach von einer schrecklichen Katastrophe. Auch er sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und dankte den Rettungskräften für ihre Arbeit.
Lag Baomer

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden, doch inzwischen sind die Infektionszahlen deutlich gesunken und die Regeln wieder gelockert worden.