150. Geburtstag

Alte Ansichtskarten aus der Ortenau: Dorfansicht oder Tipps für die Ehefrau

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Von Christian Kramberg & Manfred Eble

Mi, 01. Juli 2020 um 08:27 Uhr

Lahr

Heute vor 150 Jahren wurde die Postkarte in Deutschland von Otto von Bismarck offiziell genehmigt. Der Kuhbacher Sammler Manfred Eble hat für die BZ ein paar besondere Motive ausgewählt.

Die Postverwaltungen hatten sich lange mit dem Hinweis auf das Briefgeheimnis lange gegen die Postkarte gewehrt. Aber bereits während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurden bis Dezember 1870 rund zehn Millionen Feldpostkarten nach Hause versendet.

Die frühen Ansichtskartenmotive waren alle kunstvoll handgezeichnet, entweder in Braun oder Schwarzweiß. Ab etwa 1895 kam dann verstärkt das Druckverfahren der Chromolithographie – ein farbiger Steindruck – zum Zuge. Nun wurden die Karten auch mehrfarbig, wahre Kunstwerke entstanden. Eine solche komplette Steindruckplatte und das Druckverfahren kann man auch im Lahrer Tonofenmuseum bewundern. Die erste Lithographie von Kuhbach stammt aus dem Jahr 1897.

Goldenes Zeitalter beginnt ab 1896

Ab 1896 begann das goldene Zeitalter der Ansichtskarte. Allein in Deutschland wurden 1899 über 88 Millionen Exemplare produziert. Das Wachstum dieser Industrie steht im Zusammenhang mit der sich gleichzeitig ausbreitenden Sammelleidenschaft unter der gesamten Bevölkerung. In der Zeit von 1898 bis 1920 gab es kaum einen Haushalt in Deutschland, in dem nicht begeistert Ansichtskarten gesammelt wurden. Im damaligen Deutschen Reich gab es über 60 Fabriken mit tausenden von Mitarbeitern die spezielle Sammelalben für die Karten herstellten. In den Jahren 1903 und 1904 wurden jeweils über 1,1 Milliarden Postkarten von der Deutschen Post befördert.
Alle Karten im Online-Dossier

Für die Badische Zeitung stellt Sammler Manfred Eble regelmäßig thematische Sonderseiten mit alten Ansichtskarten zusammen. Im Online-Dossierkönnen alle bislang veröffentlichten Karten angeschaut werden, darunter auch weitere aus Anlass des 150. Geburtstages.

Die Motive der Ansichtskarten sind bis heute unterschiedlichster Art: Sie zeigen Landschaften, Städte, Straßen, Baudenkmäler oder Kirchen, es gab aber auch Monarchie-, Humor- oder Poesiekarten. Zu Neujahr, Ostern, Weihnachten oder Geburtstagen gab es spezielle Motive. In den Kriegen wurde das Soldatentum auf den Ansichtskarten verherrlicht.

Dokumente des Alltagslebens

Alte Ansichtskarten sind für Thorsten Mietzner, den Archivar der Stadt Lahr, nicht nur schön anzuschauen, sondern wichtige historische Zeugnisse. "Sie sind Dokumente des Alltagslebens." Während heutzutage oft Sehenswürdigkeiten oder Bauwerke abgebildet werden, seien es früher alltägliche Straßensituationen gewesen. Erhalten sind dadurch die alten Ansichten von Straßenzügen und Stadtbildern.

"Es gibt wahnsinnig viele und tolle Karten von Lahr", sagt Manfred Eble. Er führt das darauf zurück, dass es in Lahr um 1900 viele lithographische Anstalten gegeben habe, die im ständigen Wettbewerb um die schönsten Karten standen. Dazu gehörten Ernst Kaufmann, C. F. Huber, Fritz Lorenz, Hermann Pfaff, H. Keicher, J. H. Geigers, Pfisterer & Leser, Fr. Schmidt, Udo Jäger, Moritz Schauenburg, M. von der Linde, Carl Veylmann, F. König Dinglingen, Chr. Schömperlen, August Deibel und Wilhelm Fischer.

Fotoansichtskarten sind für Manfred Eble besonders interessant, weil es sie um die Jahrhundertwende noch nicht so oft gab. Besonders angetan hat es dem Kuhbacher der Lahrer Fotograf C. Greulich: "Er hat mit die tollsten Fotokarten gemacht, weil er die Menschen auf seinen Aufnahmen miteinbezogen hat."
Der Sammler

Manfred Eble aus Kuhbach sammelt für sein Leben gerne: Mit Briefmarken hat er als kleiner Bub mit sieben Jahren angefangen, sein Opa hat ihm die Leidenschaft vermittelt. Und sie ist bis heute, auch als Rentner, geblieben. Eble verbindet seine Sammelleidenschaft mit seinem historischen Interesse, er ist Vorsitzender der Briefmarken- und Münzenfreunde Lahr und des Vereins zur Heimatpflege und Ortsgeschichte Kuhbach. Zu den Objekten, die Eble sammelt, gehören Postkarten aus der Region. Erst 2006 hat er sich diesem Thema gewidmet, seine Sammlung ist seither stetig größer geworden. Bei Messen, aus Nachlässen oder im Internet findet er immer wieder neue Ansichtskarten. Wer Kontakt mit ihm aufnehmen will, kann dies unter Tel. 07821/77714 oder
E-Mail: manfred.eble@gmx.de tun.