Großprojekt

An der Grenze zwischen Weil und Basel soll eine Logistikdrehscheibe entstehen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 15. November 2019 um 16:00 Uhr

Basel

Mit Gütergleisen, einem Container-Terminal sowie einem Hafenbahnhof soll die Bahnstrecke mit der Schifffahrt verknüpft werden. Und die Drehscheibe eröffnet neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung.

Die Deutsche Bahn (DB), das deutsche Bundeseisenbahnvermögen (BEV) und der Kanton Basel-Stadt haben am Freitag eine Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit bei der Verlagerung des Güterverkehrs auf Bahn und Schiff unterzeichnet. Im Fokus steht der Ausbau der Verknüpfungen der Rheintalstrecke und der Rheinschifffahrt mit Zufahrten zur Neuen Eisenbahn-Alpentransversale in Basel. An der deutsch-schweizerischen Grenze soll in den nächsten Jahren eine neue Logistikdrehscheibe realisiert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Diese umfasst Gütergleise, ein Container-Terminal mit Hafenbecken sowie einen Hafenbahnhof und stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine Stadtentwicklung am Rhein dar.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Die neue Vereinbarung zwischen dem BEV, der DB und dem Kanton Basel-Stadt ergänze eine Reihe bestehender deutsch-schweizerischer Staatsverträge von 1852 bis 2003. Darin wird die gegenseitige Berücksichtigung und Koordination der geplanten Bahn- und Logistikprojekte auf dem Gelände des Badischen Rangierbahnhofs in den kommenden Jahren vereinbart und so eine Basis für die damit verbundenen Grundstücksübertragungen geschaffen.

Logistikdrehscheibe kombinierter Verkehr
Ziel der Vereinbarung ist es, die Projekte der beteiligten Eisenbahn- und Hafeninfrastrukturbetreiber zu realisieren. Die DB baut die Rheintalstrecke Karlsruhe-Basel auf vier Gleise aus (Vierspuranschluss Basel Badischer Bahnhof) und schließt diese an die schweizerische NEAT an. Für den Umschlag des kombinierten Verkehrs dient als internationale Logistikdrehscheibe ein erweitertes Containerterminal der Deutschen Umschlaggesellschaft Schiene–Straße auf deutscher Seite und der Neubau des Terminals Gateway Basel Nord auf der Schweizer Seite. Die Schweizerischen Rheinhäfen schließen den Hafen an diese Drehscheibe an und machen sie damit trimodal (Bahn–Schiff–Straße).

Dazu muss die DB-Güterstrecke Basel Badischer Bahnhof – Weil am Rhein teilweise verlegt werden. Schließlich will der Kanton Basel-Stadt die bestehende Hafenbahn so umbauen, dass deren Gleise südlich des Flusses Wiese zugunsten einer Stadtentwicklung verlegt werden können. Die komplexen Abhängigkeiten sind in einem gemeinsamen Infrastruktur-Zielbild beschrieben, welches die Erfordernisse aller Beteiligten zwischen Basel Badischer Bahnhof und Weil am Rhein/Haltingen beinhaltet. Der Vierspuranschluss und die erste Etappe des Gateway-Terminals sollen als erste Schritte zum Zielbild durch das Schweizer Bundesamt für Verkehr genehmigt werden. Für alle diese Projekte, die im Zeichen einer ökologischen Verkehrsverlagerung und damit für den Klimaschutz stehen, seien die Auswirkungen auf die Umwelt selbst die größte Herausforderung. Die Realisierung in Etappen führe zu einer Großbaustelle im betroffenen Bereich für die Dauer eines Jahrzehnts.

Innenverdichtung und Stadtentwicklung am Rhein
Das Gelände des Badischen Rangierbahnhofs ist schon seit Langem im Fokus von Entwicklungs- und Infrastrukturprojekten. Aus großen Brachflächen auf Basler Seite entwickelte sich ein wertvolles Naturobjekt. Nach den nationalen Vorgaben in der Schweiz und in Deutschland sowie der Festsetzung als Logistikstandort im kantonalen Richtplan Basel-Stadt und als "Zwischenergebnis Naturobjekt" wird die Eisenbahn- und Hafeninfrastruktur im Sinne einer Innenentwicklung unter hohen Anforderungen des Naturschutzes verdichtet.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt den Infrastrukturbau auch als bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dem Schweizer Parlament liegt ein Haushaltsantrag für das neue Hafenbecken über 115 Millionen Franken vor. Im Gegenzug soll der Kanton künftig die Möglichkeit erhalten, mit der Verlagerung von Hafen- und Bahninfrastrukturen das heute vom Hafen belegte Rheinufer für eine städtische Entwicklung zu nutzen.