Agenturbezirk Lörrach

Arbeitslosigkeit ist auf einem Level wie in der Krise 2009

Michael Baas

Von Michael Baas

Mi, 06. Januar 2021 um 16:58 Uhr

Kreis Lörrach

Der Chef der Agentur für Arbeit in Lörrach hält den Arbeitsmarkt für stabil. Horst Eckert ist guter Dinge für 2021: Er sieht keine drohende Insolvenzwelle.

"Stabil", so bewertet die Agentur für Arbeit in Lörrach die Lage am Arbeitsmarkt Ende 2020. Für den Kreis Lörrach registrierte sie im Dezember 6164 Arbeitslose, für den Bezirk, also die Kreise Lörrach und Waldshut, 10.077. Das sind 127 mehr als im November. Vor allem darauf basiert die Einschätzung der Stabilität. Denn im Jahresvergleich ist das Bild ein anderes: Die Perspektive zeigt 2265 Arbeitslose mehr als im Dezember 2019 oder einen Anstieg um rund ein Drittel. Lag die Arbeitslosenquote im Bezirk Ende 2019 bei 3,3, sind es nun 4,5 Prozent, 0,3 Prozentpunkte über dem Landesschnitt (4,2 Prozent).

Heruntergebrochen auf die Kreise ist das Bild ähnlich. Für den Lörrach bedeuten 6164 Arbeitslose zwar sieben weniger als im November, aber auch 1660 oder gut ein Drittel mehr als im Dezember 2019. Die Arbeitslosenquote im Kreis liegt damit bei 4,7 Prozent (2019: 3,5 Prozent). Zum Jahreswechsel gebe es noch "keine bösen Überraschungen", bewertet Agenturchef Horst Eckert die Lage. Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bezirk sei für Dezember nicht ungewöhnlich. Gleichwohl hat die Arbeitslosenquote ein Niveau erreicht wie in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009.

Januar-Statistik wird spannend

Die Auswirkungen des aktuellen Lockdown erfassen die Zahlen zudem noch nicht. Denn der Stichtag für die Statistik war der 16. Dezember, also kurz vor der Schließung des Einzelhandels. Insofern werde die Januar-Statistik spannend, vermutet Eckert. Auch der weitere Ausblick auf 2021 sei schwierig und abhängig von der Pandemie. Dennoch sei er guter Dinge, dass sich der Lockdown erneut mit dem Instrument Kurzarbeit abfedern lasse. "Es wird nicht im großen Stil entlassen und wir sehen keine Insolvenzwelle auf uns zu rollen", sagt der Agenturchef.

Besonders trifft die Arbeitslosigkeit Ältere über 50 Jahre, Ausländer und Langzeitarbeitslose. In den Gruppen nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber November erneut leicht zu. Aufgeteilt nach Rechtskreisen fallen knapp 40 Prozent der Arbeitslosen unter das Sozialgesetzbuch II, besser bekannt als Hartz IV. Im Kreis Lörrach verbucht die Agentur da exakt 2367 Langzeitarbeitslose, 439 mehr als Ende 2019, auf Bezirksebene, also mit Waldshut, 3837 oder 737 mehr als vor einem Jahr. Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit seit November geht übrigens ganz auf die steigende Langzeitarbeitslosigkeit zurück.

Es wird weniger Personal gesucht

Auch andere Indikatoren signalisieren eine flachere Dynamik am Arbeitsmarkt. So sank die Kräftenachfrage und die Zahl gemeldeter freier Stellen für den Kreis Lörrach gegenüber Dezember 2019 um 172 auf 1442. Aufs Jahr gesehen bilanziert die Agentur gar ein Minus von 1362 Stellen, fast ein Viertel. Es wird also weniger Personal gesucht. Zwei weitere Zahlen unterstreichen die Pandemie-Delle: So ging die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk von 137.215 im Herbst 2019 auf 133.375 im Juni 2020 zurück. Auch die Unterbeschäftigung, sie zählt auch Personen, die arbeitsmarktpolitische Projekte besuchen oder einen Sonderstatus haben, liegt im Kreis mit sechs Prozent 1,1 Punkte höher als 2019 und addiert sich mit den 6164 Arbeitslosen auf fast 8000 Betroffene.