Bürgerinitiativen

Beim Internationalen Sommerfest in der Freiburger Lokhalle wurde die kulturelle Vielfalt gefeiert

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 24. Juli 2019

Freiburg

Internationales Sommerfest in der Lokhalle: Drei Initiativen, die für Geflüchtete aktiv sind, haben alle, die dabei sind, eingeladen.

FREIBURG-BRÜHL. Deutsch und Fahrradfahren lernen und sich für den deutschen Arbeitsmarkt qualifizieren – das sind wichtige Ziele für die meisten geflüchteten Menschen. Drei Initiativen, die sich dafür engagieren, dass möglichst viele diese Chancen bekommen, haben jetzt zusammen gefeiert: In der Lokhalle am Alten Güterbahnhof trafen sich Ehrenamtliche und Teilnehmende der Vereine "Bildung für alle", "Bike Bridge" und die Ausbildungswerkstatt P3 beim Sommerfest. Auch alle anderen Interessierten waren willkommen.

Sie sitzen zufällig nebeneinander – und kommen ins Gespräch: Mustafa Altake, der ursprünglich aus dem Irak stammt, und die Brüder Saher und Sarmad Alghadab aus Syrien. Mustafa Altake ist Schweißer, hat den Irak vor 30 Jahren verlassen, zwölf Jahre in Finnland gelebt, dann kam er nach Deutschland.

Die zwei syrischen Brüder sind 2015 geflüchtet, Sarmad Alghadab (29) ist Elektriker und hat nun eine Weiterqualifizierung in Gebäudetechnik hinter sich, Saher Alghadab (22) ist Schauspieler und hat gerade zwei Monate als Küchenhilfe gejobbt. Er besucht zurzeit seinen Bruder, der am Deutschunterricht von "Bildung für alle" teilnimmt. Auch Mustafa Altake wurde zum Fest mitgenommen, von seiner Frau Venus Abbas, die Anfang der 1990er aus dem Irak geflohen ist. Sie hat längst einen deutschen Pass und arbeitet als Kinderpflegerin in einer Krippe, doch erst vor einem Jahr hat sie angefangen, sich einen Traum zu erfüllen: Sie will endlich Radfahren lernen. Inzwischen kann sie geradeaus fahren – und übt weiter bei den Angeboten des Vereins "Bike bridge", der dieses Jahr bisher sieben Frauenkurse mit je zehn Teilnehmerinnen und ebenso vielen Ehrenamtlichen organisiert hat. Clara Speidel ist eine von drei Hauptamtlichen mit halben Stellen, dazu kommen rund 70 Ehrenamtliche. Venus Abbas schwärmt von den Trainerinnen und der guten Atmosphäre.

Auch Leonie Bozenhardt von "Bildung für alle" kennt viele der Frauen, die bei "Bike Bridge" Radfahren lernen – die Kontakte der Engagierten sind eng: "Wenn wir uns vernetzen, sind wir stärker und können besser aufmerksam machen auf geflüchtete Menschen", sagt sie. Kooperationen gibt’s viele, unter anderem auch mit dem Aktionstheater "Panoptikum", das mit einigen Schülern der Deutschkurse ein Projekt am Stadttheater gemacht und zum Feiern die Räume in der Lokhalle zur Verfügung gestellt hat. Zurzeit lernen 250 Menschen Deutsch bei 70 Ehrenamtlichen, die für "Bildung für alle" aktiv sind.

Ziel ist, die Schülerzahl im Herbst wegen der langen Warteliste auf 330 zu erhöhen, auch die begleitende Kinderbetreuung soll von 30 auf 50 Kinder ausgeweitet werden. Dafür werden noch Engagierte gesucht: "Aber wir sind zuversichtlich", sagt Leonie Bozenhardt. Neben dem Deutschunterricht vermitteln die Kurse Begegnungen und Infos zum deutschen Alltag – wie dem aus Afghanistan stammenden Vater einer künftigen Erstklässlerin, der nicht wusste, was eine Schultüte ist. Und wer sich für eine Ausbildung in Industrie und Handwerk interessiert, kann an die Ausbildungswerkstatt P3 weitervermittelt werden. Die gemeinnützige GmbH bereitet zurzeit sieben Männer aufs Arbeitsleben vor, mit theoretischem Unterricht und viel Praxis, für die zwei Schreinermeister, ein Mechatroniker und ein Arbeitserzieher zuständig sind. Dabei entstehen Produkte, die verkauft werden, unter anderem Lampen, Hocker und mobile Küchen. Es gebe zehn Mal so viele Bewerber wie Plätze, sagt der Geschäftsführer David Rösch – die Zuschüsse erlauben keine Ausweitung.