Freiburger Genossenschaft

Bilanz des Bauverein Breisgau: gut aufgestellt, aber schwierige Zukunft

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Di, 28. Juni 2022 um 12:00 Uhr

Freiburg

Die Genossenschaft Bauverein Breisgau zieht Bilanz: die Nachfrage ist nach wie vor hoch und die Genossenschaft steht finanziell gut da, doch trüben Baukostensteigerungen und Inflation die Aussichten.

Der Bauverein Breisgau sieht sich gut und krisenfest aufgestellt, blickt dennoch mit einem flauen Gefühl in die Zukunft. Denn Inflation, Materialknappheit und Baukostensteigerungen machen Planungen kaum möglich. Und mit der angepeilten Klimaneutralität bis 2045 liegt noch eine große Anstrengung vor der Genossenschaft.

Große Aufgabe: Klimaneutralität

Gut 5000 Wohnungen besitzt der Bauverein Breisgau zwischen Herbolzheim und Bad Krozingen, Breisach und Buchenbach. Darin leben rund 11 000 Menschen. Dazu kommen Gewerbeimmobilien, Kindertagesstätten und Seniorenwohnanlagen. Getragen wird die Genossenschaft von knapp 24 000 Mitgliedern, wie Vorstand Jörg Straub bei einem Pressetermin bilanzierte.

Weil die Nachfrage nach neuen Mitgliedschaften bei Genossenschaften bundesweit hoch sei, erklärte Vorstandsvorsitzender Marc Ullrich, würden immer mehr Genossenschaften einen Aufnahmestopp verhängen. Der Bauverein möchte das nicht, werde dafür aber künftig ein Eintrittsgeld von 200 Euro verlangen.

Im vergangenen Jahr hat die Genossenschaft gut 25 Millionen Euro in Neubauprojekte gesteckt. 101 Wohnungen und zwei Kitas wurden fertiggestellt. In Freiburg waren das 56 Wohnungen und eine Kita auf dem Güterbahnareal sowie 24 Wohnungen in Littenweiler. Während fast acht Millionen Euro für die Instandhaltung der Gebäude ausgegeben wurden, flossen nur noch rund 500 000 Euro in die Modernisierung. "Dass liegt daran, das wir eigentlich energetisch durchmodernisiert sind", erklärte Straub. In Gundelfingen wurde ein letztes Haus energetisch saniert, nun richte sich der Fokus darauf, den Gebäudebestand in den nächsten Jahren klimaneutral zu machen. Das werde aber kaum ohne staatliche Förderung und eventuell auch Rückgriff auf den Bestand der Genossenschaft zu machen sein.

Bau des "Kirchhof" in Opfingen hat begonnen

Aktuell habe der Bauverein 191 Wohnungen in Bau oder Planung. Darunter zwölf seniorengerechte Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen beim Projekt "Kirchhof" in Opfingen, das mit dem katholischen Siedlungswerk realisiert wird. Dieses will dort in vier Gebäuden weitere 16 Eigentums- und 19 Mietwohnungen bauen, sowie eine Tagespflegegruppe. In das Gebäude des Bauvereins soll ein Stützpunkt der Evangelischen Sozialstation kommen, ein kirchlicher Gemeinschaftsraum der Gemeinde St. Nikolas und eine Wohngruppe für Personen mit Unterstützungsbedarf. Ursprünglich sollte der Bau im Sommer 2021 beginnen, dann verzögerte sich der Start jedoch bis in den März. Die Fertigstellung ist für das erste Halbjahr 2024 geplant. Das Siedlungswerk investiert bei dem Projekt rund 13,5, der Bauverein rund 7 Millionen Euro.

In St. Georgen ist der Bau von zwei Gebäuden mit 16 Wohnungen und einer dreigruppigen Kita vorgesehen, die von der Evangelischen Kirche betrieben werden soll. Insgesamt sei es in Freiburg jedoch nach wie vor schwierig, größere Projekte zu realisieren, so Ullrich: "In Freiburg müssen wir Klinken putzen, während aus dem Umland Bürgermeister bei uns anrufen oder Gemeinderäte beschließen, dass wir bei ihnen bauen sollen."

Die Projekte, die in der Planung weit fortgeschritten sind oder deren Bau begonnen hat, sollen auch fertiggestellt werden, mittelfristig jedoch verzichteten die beiden Vorstände darauf, weitere Planungen vorzustellen. Zu unwägbar sei die weitere Entwicklung, angesichts des Ukrainekrieges (fast der gesamte Stahl der europäischen Bauwirtschaft sei bislang aus Mariupol gekommen, erklärte Straub), der Baukostensteigerungen (zwölf Prozent im vergangenen Jahr) und der steigenden Zinsen. Zwar sei der Bauverein durch sein Konzept weiter solide aufgestellt, doch sei nicht absehbar, wie sich das Baugeschäft im zweiten Halbjahr entwickeln werde.