Aargau & Baselland

Bis heute finden sich Spuren der Römer am Hochrhein

sda,alb

Von sda & Michael Baas

Fr, 03. Januar 2020 um 07:35 Uhr

Aargau

Die Region war ein Zentrum der römischen Kultur. Immer wieder kommt es zu überraschenden Funden. Neue Ausgrabungen im ehemaligen Legionärslager Vindonissa im Aargau vertiefen das Wissen.

Die Region war vor gut 2000 Jahren um Christi Geburt ein Hotspot der römischen Kultur nördlich der Alpen. Vor allem in den Kantonen Aargau und Baselland finden sich bis heute überraschende Spuren des antiken Roms – in und um Augusta Raurica oder um die aargauischen Nachbargemeinden Brugg und Windisch, auf deren Gebiet einst das antike Vindonissa lag. Dort wurden bei Ausgrabungen im Areal der Klinik Königsfelden in Windisch Ende 2019 die Befestigung eines frührömischen Militärlagers und Reste eines Tores entdeckt, was das Wissen über Vindonissa weiter vertieft.
Römisches am Hochrhein

Das antike Rom hat am Hochrhein reichlich Spuren hinterlassen. Im Grenzgebiet der Kantone Baselland und Aargau wurde Augusta Raurica zu einer stattlichen Kolonie ausgebaut. Wenige Kilometer südöstlich gab es im Raum Brugg/Windisch am strategisch wichtigen Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat zudem ein Lager für bis zu 6000 Soldaten. Seinen Ursprung hat dieses antike Vindonissa in einer keltischen Siedlung und wurde unter Kaiser Tiberius (14 –37 nach Christus) vom Militärposten zu einem veritablen Legionslager ausgebaut. Sowohl Augusta Raurica wie auch Vindonissa sind heute wichtige Kulturdenkmäler. An der Universität Basel gibt es im Übrigen auch eine eigene Vindonissa-Professur für Provinzialrömische Archäologie, die der Kanton Aargau gemeinsam mit der Universität finanziert. Diese betreibt unter anderem interdisziplinäre Grundlagenforschung in Verbindung mit den Ausgrabungen an den regionalen Fundstellen.

Das Areal der Baugrube für ein Neubauprojekt der Psychiatrischen Dienste Aargau war bereits in den 1930er Jahren großflächig ausgegraben worden, erläutert die aargauische Kantonsarchäologie in einer Mitteilung. Es sei daher vermutet worden, dass in größeren Tiefen noch intakte römische Überreste vorhanden sind. Diese wurden seit September 2019 in einer flächigen Ausgrabung auf 1800 Quadratmetern freigelegt und dokumentiert. Zum Vorschein kam ein früher Spitzgraben des Römerlagers, der dieses auf einer Länge von 35 Meter durchquerte, sowie die Reste eines Befestigungswalles.

Glücklicherweise hatten die Ausgräber vor rund 80 Jahren diese eher unscheinbaren Spuren im Boden belassen, hält die Kantonsarchäologie fest. Der fünf Meter breite und bis zu zwei Meter tiefe Spitzgraben war vom römischen Militär in den Boden eingetieft worden. Von großer wissenschaftlicher Bedeutung ist für Ausgrabungsleiter Jürgen Trumm und Grabungstechniker Hermann Huber die Tatsache, dass der Graben ganz im Westen des Areals endet und hier eine Torsituation zu rekonstruieren ist.

Vom frühen Holztor fanden sich zwar lediglich die Bodenverfärbungen seiner Standpfosten, die in mächtige Gruben eingelassen worden waren. Doch zeigen vergleichbare Funde in anderen römischen Truppenlagern, dass diese Pfosten zu einem mehrere Meter hohen Torturm gehörten, dessen Pendant außerhalb der Baugrube wohl noch unberührt im Boden liegen dürfte. Zwischen beiden Tortürmen führte eine gekieste, wohl mindestens acht Meter breite Straße in das frühe Truppenlager des römischen Vindonissa.

Im übrigen Grabungsareal wurden zudem Reste der ebenfalls bereits zwischen 1935 und 1939 ausgegrabenen Holz- und Steinbauten des jüngeren Truppenlagers gefunden. Neben Fundamenten von Mannschaftsbaracken fanden sich mehrere Mauerzüge des Lagerspitals, gewissermaßen der antike Vorläufer der heutigen Klinik Königsfelden, hält Trumm fest. Erhalten hat sich ein über 1,8 Meter tiefer gemauerter Kanal, der einst wohl mit Steinplatten abgedeckt war und eine breite Kiesstraße des Lagers entwässerte. Die detailliert gezeichneten, aber schlecht verorteten Pläne der alten Ausgrabungen können dank exakter Neuvermessung nun erstmals mit genauen Geodaten dokumentiert werden. Das verbessert den Gesamtplan des antiken Vindonissa und dessen innerer Organisation und schafft nicht zuletzt mehr Sicherheit für künftige Grabungen.

Bereits im September hatten die Kantonsarchäologen eine trockengelegte, gut drei Kilometer lange "tote Wasserleitung" dokumentiert und untersucht. Die Römer hatten diese parallel zu einer bekannteren, bis heute Wasser führenden Leitung erstellt. Die mit Kontrollschächten bestückte Parallelleitung versorgte das Lager über eine Aquäduktbrücke in Windisch vermutlich mit Wasser aus dem gestauten Süssbach. Solche Entdeckungen und Funde ergänzen das Puzzle der Römerzeit in der Region und kommen immer wieder vor. Um Vindonissa etwa sorgte 2016 ein römischer Kochtopf, der mit Öllampen und Münzen gefüllt war und vor dem Lager vergraben war, für Aufsehen. Oder in Brugg wurden im Oktober 2012 bei Bauarbeiten Gräber aus dem ersten Jahrhundert nach Christus samt Grabbeigaben freigelegt. Wichtige Fundstücke werden übrigens im Vindonissa Museum in Brugg, das zum Museum Aargau gehört, ausgestellt.

Vindonissa Museum: Di bis Fr und So 13 bis 17 Uhr, Brugg, Museumstraße 1