Kleinfeldklasse

Bosporus FC Friedlingen ist nun auch mit Fußballerinnen am Start

Mario Schmidt

Von Mario Schmidt

Fr, 23. April 2021 um 00:00 Uhr

Frauenfussball

Aus einer Idee im kleinen Freundeskreis ist beim Bosporus FC Friedlingen ein Frauenteam entstanden. Nach der Debütsaison in der Kleinfeldklasse will sich der Club mittelfristig in einer Elferliga etablieren.

Fünf Freunde, die über den Fußball zueinander gefunden haben, sitzen im vergangenen Sommer gemeinsam beim Essen. Aus einer Laune heraus kommt ihnen die Idee, eine eigene Fußballmannschaft zu gründen. Alle sind sofort begeistert, sodass der älteste unter ihnen, Alphan Mert, zum Telefon greift und seinem ehemaligen Mitspieler, Teberdar Yildirim, den Vorschlag unterbreitet, beim Bosporus FC Friedlingen ein Frauenteam zu gründen. Beim ersten Vorsitzenden des BFC rannte er damit offene Türen ein.

So kommt es, dass die Friedlinger in Zeiten von tendenziellem Spielerinnenmangel mit ihrer neu gegründeten Frauenmannschaft schon vor ihrer zweiten Spielzeit stehen. Drei Partien durften sie in ihrer Debütsaison bestreiten – viele weitere sollen folgen. Yildirim hatte ein Engagement Alphan Merts, der zuvor die Frauen des TuS Binzen trainierte, schon länger im Blick. "Ich habe Alphan immer gesagt, dass wir ein Frauenteam wollen und er der Trainer sein kann, wenn er will."

Unterstützt wurde Mert von Beginn an von Martin Furmanski. Für den 29-jährigen Krankenpfleger, dessen Freundin gemeinsam mit ihrem Coach von Binzen nach Friedlingen wechselte, ist es die erste Station als Übungsleiter. "Ich habe zuhause klar gesagt, dass wir auf dem Platz nur Trainer und Spielerin sind. Daheim bekomme ich dann die Resonanz – in beide Richtungen", sagt er lachend.

"Um mit elf Spielerinnen spielen zu können, brauchst du mindestens einen 18er-Kader." BFC-Coach Alphan Mert
Vor der Saisonunterbrechung im November zählten 16 Spielerinnen zum Kader. Zwei weitere 15-jährige Mädchen werden zum Start der neuen Saison spielberechtigt sein. "Wir haben auf unseren Social-Media-Kanälen Werbung geschaltet und unsere Kontakte spielen lassen", erzählt Furmanski. In Absprache mit den Vorständen sei dann aber die Entscheidung gefällt worden, erst einmal nur für die Kleinfeldstaffel, sprich für das 9er-Feld, zu melden.

"Um mit elf Spielerinnen spielen zu können, brauchst du mindestens einen 18er-Kader", sagt Mert, dessen Ziel es ist, "in den kommenden Wochen noch einige Mädels zu aktivieren". Auch der Vereinschef teilt diese Auffassung: "Ein 11er-Team ist unser Ziel. Wir müssen zeigen, dass es bei uns gut läuft und dann noch mehr Spielerinnen dazuholen." Einstiegsstufe wäre die zweigleisige Bezirksliga, die seit der Verschmelzung mit der Kreisliga 2018 im Bezirk die unterste Ebene im 11er-System darstellt.

Mischung aus erfahrenen Fußballerinnen und Neueinsteigerinnen

Ähnlich wie das Trainerteam verkörpert auch die Friedlinger Mannschaft eine Mischung aus erfahrenen Fußballerinnen und Neueinsteigerinnen. "Wir haben einen Mix aus aktiven und reaktivierten Spielerinnen und dann sind da auch noch einige, die zum ersten Mal in einem Verein spielen", berichtet Furmanski, der sich selbst erst in die Trainingsarbeit einarbeiten musste. "Ich gucke viele Videos und leihe mir Fachbücher aus. Alphan hat hingegen viel Erfahrung als Trainer. Wir besprechen alles gemeinsam und ergänzen uns da sehr gut." Auch, weil sich die Coaches untereinander gut verstehen, sei die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft hervorragend. "Wir haben ein richtiges Team und sind auch während Corona füreinander da. Die Stimmung ist optimal", meint Mert, für den ein Wermutstropfen bleibt: "Das Dumme ist nur, dass wir nach der Pause von vorne anfangen müssen. Gerade für unser frisches Team ist das hart."

Zum Ziel gesetzt haben sich die beiden Trainer die sportliche Etablierung innerhalb einer Liga, in der elf gegen elf gespielt wird. "Zwei Mädels fehlen halt doch immer", meint Furmanski schmunzelnd. Sein Trainerkollege denkt, "dass wir uns vielleicht in zwei Jahren in einer normalen Staffel etablieren könnten – allerdings nur ohne Unterbrechung".

Auf die ersten drei Ligaspiele blickt Bosporus stolz zurück. Der Reserve der SG Görwihl konnte man sogar einen Punkt abtrotzen. "Wir haben uns gut geschlagen", resümiert Alphan Mert. Für seinen Assistenten Furmanski ist klar: "Wir können uns bald mit den anderen messen. Dieser Verein ist wie eine Familie und bedeutet mehr als nur Fußball – das hat viel Potenzial."