BZ-Hautnah

BZ-Leser erkunden eine der größten Baustellen der Region – die Breisgau-S-Bahn

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 23. Mai 2019 um 18:50 Uhr

Freiburg

100 Millionen Euro kostet der Ausbau der Breisgau-S-Bahn zwischen Freiburg und Breisach. Doch was genau geht da vonstatten? BZ-Leser konnten die Großbaustelle hautnah erleben.

Es ist eines der derzeit größten Bauvorhaben im Kreis: der rund 100 Millionen Euro teure Ausbau der Breisgau-S-Bahn zwischen Freiburg und Breisach. 25 BZ-Leserinnen und Leser nutzten jetzt die seltene Gelegenheit, mit der Großbaustelle auf Tuchfühlung zu gehen.

Auf Einladung der Badischen Zeitung und unterstützt von der Deutschen Bahn wurde mit dem Bus zu Bahnhöfen und Bereitstellungsflächen getourt. Vor Ort wurden Fragen rund um das Projekt, das Ende November 2019 abgeschlossen sein soll, beantwortet.

Die Begrüßung der gut zwei Dutzend Fahrgäste im Bus am Zentralen Omnibusbahnhof in Freiburg durch DB-Pressesprecher Jörg Friedmann und Benedikt Metzger von der Badischen Zeitung erinnerte zunächst ein wenig an eine Kaffeefahrt. Statt Heizdecken und Schweinebraten gab es aber orangefarbene Warnwesten und Sprudel für alle.

Mitten ins Mammutbauwerk

Spätestens bei der Einweisung der Teilnehmer durch Detlef Brettschneider, Chef der Baustellenüberwachung, wurde dann aber deutlich, wohin die Reise geht: mitten hinein in ein Mammutbauwerk. Während die in Unterzahl befindlichen Damen an Bord zumindest teilweise noch mit dem Sitz der Westen haderten, vermittelte DB-Projektleiter Thomas Gamber bereits mittels Info-Flyer und Mikrofon erstes Grundlagenwissen in Sachen Bauvorhaben.

Neben der Elektrifizierung, dem Kernziel des Projekts, würden große Teile der rund 25 Kilometer messenden Gleisanlage samt Unterbau erneuert – auch und vor allem um den künftig höheren Geschwindigkeiten wie der dichteren Taktung Stand halten zu können. Hinzu kämen umfangreiche Umbauten an Bahnsteigen und -übergängen. Unbeschrankte Übergänge, betonte Gamber, gebe es künftig keine mehr entlang der Trasse.

Station Nummer eins war die ehemalige S-Bahn-Haltestelle Freiburg-West, die künftig Landwasser heißen wird. Hier werde der Bahnsteig verlängert und leicht verschoben, wusste Gamber.

Bevor er weitere Details unters Volk bringen konnte, stahl ihm jedoch das Zwei-Wege-Fahrzeug vorübergehend die Schau. Der stählerne Gigant verfügt neben einem Straßenfahrwerk auch über eines für Schienen. Mit 20 Stundenkilometern vermag er darauf über die Gleise zu sausen. Allein – dafür muss er erst einmal auf diese hinauf. Dabei erinnert das Zwei-Wege-Fahrzeug ein wenig an den legendären Baron von Münchhausen: War dieser in der Lage gewesen, sich am eigenen Zopf aus dem Sumpfe zu ziehen, lupft sich das Zwei-Wege-Fahrzeug mit dem eigenen Hydraulikarm aufs Gleis. Insbesondere den Männern war dieses Schauspiel konzentrierte Blicke und den Fotografen gleich eine ganze Fotoserie wert.

Optisch irgendwo zwischen Mondlandschaft und einer Siedlung von Monstermaulwürfen rangieren die sogenannten Bereitstellungsflächen. Auf jener kurz vor March-Hugstetten werde sowohl das noch zu verbauende Material als auch das Altmaterial gelagert, erläuterte Gamber angesichts großer Erd- und Schotterhügel. Das Altmaterial werde abgeholt und anschließend anderswo recycelt. Für eine Aufarbeitung vor Ort habe man keine Genehmigung erhalten, begründete Gamber den aufwendigen Abtransport.

Gottenheimer Bahnhof wird komplett umgebaut

Von diesem Hügelgrab ging es weiter an den Gottenheimer Bahnhof, der im Zuge der Arbeiten die wohl größte Umgestaltung erfährt. Neben der Verlängerung der Bahnsteige und der Vollautomatisierung der Stellwerke wird eine Unterführung samt riesiger Rampe gebaut. Die wie Ameisen in der großen Grube wuselnden Bauarbeiter erwiesen sich wie zuvor das Zwei-Wege-Fahrzeug als Hit für die Kamerabesitzer. Zu Eile und Einstieg mahnte Reiseleiter Friedmann. Schließlich warteten noch zwei Stationen auf die Gruppe.

Zart umzäunt habe man die Bereitstellungsfläche vor Wasenweiler – um womöglich geschütztes Getier von dort fernzuhalten, berichtete Projektleiter Gamber zum ohnehin komplexen Thema Naturschutz. Anekdoten über angstbesetzte Lebewesen wie Triel und Beißheuschrecke machten sogleich im Bus die Runde.

Eindrucksvoll vor dem Schwarzwald am Horizont liegt die Bereitstellungsfläche. Hier wird auch Baumaterial wie Betonschwellen, eindrucksvoll zu Türmen gestapelt, gelagert. Etliche Tour-Teilnehmer machten sich beherzt zur Materialprüfung auf. Projektleiter Gamber erläuterte derweil, was im Riesenpuzzle wohin gehört.

Die Endstation bildete der Breisacher Bahnhof – für die Reisegruppe und vorerst auch für die Breisgau-S-Bahn. Wann deren Züge weiter bis nach Colmar fahren, vermochte selbst Thomas Gamber nicht zu beantworten.

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