Süßes

Corona verändert das Einkaufsverhalten bei Schokolade

Christiane Oelrich und Ralf E. Krüger

Von Christiane Oelrich und Ralf E. Krüger (dpa)

So, 29. November 2020 um 11:18 Uhr

Wirtschaft

Feine Schokolade zum Fest – bislang war das in vielen Familien eine Selbstverständlichkeit. Aber in diesem Jahr wurde wegen Corona die Produktion zurückgefahren – und die Prioritäten der Verbraucher haben sich verändert.

Trotzdem müssen Schokoliebhaber den Gürtel so schnell nicht enger schnallen. Denn zumindest die industrielle Weihnachtsproduktion ist längst gelaufen. Im Sommer werden die Saisonartikel für die Advents- und Weihnachtszeit hergestellt, sodass der höhere Kakaopreis darauf keine Auswirkungen hat.

"Weniger soziale Kontakte heißt weniger Geschenke, also läuft eher das, was man für den Eigenkonsum kauft." Urs Furrer

Allerdings könnte die Auswahl kleiner als normal sein. "Corona und der Lockdown haben eine starke Bremsspur im Schokoladengeschäft hinterlassen", sagt der Direktor des Schweizer Schokoladenverbands Chocosuisse, Urs Furrer. Der Umsatz sank in der Schweiz im zweiten Quartal um 21 Prozent. Ähnlich war es in Deutschland: "Als Kanäle sind etwa der Süßwarenfachhandel, das Geschäft an Bahnhöfen und mit Touristen eingebrochen", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Torben Erbrath.

Auch in Kaufhäusern laufe es nicht mehr wie früher: "Das Einkaufsverhalten hat sich geändert. Die Menschen bleiben nicht mehr so lange an den Verkaufsständen, sie stöbern und probieren nicht mehr." Die Hersteller mussten die Produktion anpassen. Die Schweizer machen beispielsweise die Erfahrung, dass ganz normale Milchschokolade sich besser verkauft als raffinierte Pralinen. "Weniger soziale Kontakte heißt weniger Geschenke, also läuft eher das, was man für den Eigenkonsum kauft", sagt Furrer.

Die größten Produzentenländer haben die Kakaopreise erhöht

Und was ist mit dem Preis? Gut 60 Prozent der Kakaobohnen weltweit kommen aus Westafrika, vor allem aus der Elfenbeinküste und Ghana. Die Länder produzieren zusammen fast drei Millionen Tonnen Kakao. Sie haben die garantierten Mindestpreise für die Kakao-Farmer um 21 Prozent auf umgerechnet rund 1,50 Euro pro Kilo heraufgesetzt. Living Income Differential (LID) heißt die Prämie, die den Bauern ein besseres Auskommen ermöglichen soll.

Der neue Garantiepreis sei zwar ein Fortschritt, meint Moussa Koné, Präsident einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in der Elfenbeinküste. "Aber in Wirklichkeit ist er unzureichend, um sich positiv bei den Kakaopflanzern auszuwirken." Der Preis müsste noch 50 Prozent höher liegen.

Zu den Kleinbauern in Ghana gehört Emmanuel Felixo. Der 41-Jährige bestellt seit sechs Jahren seine 3,5 Hektar große Pflanzung in der Volta-Region. "Vergangenes Jahr habe ich drei Säcke Kakaobohnen geerntet", sagt er und fügt an: "Ich denke, das ist erst der Anfang."

Wenn Bauern wegen der höheren Garantiepreise nun ihre Produktion ausbauen oder mehr Bauern in den Kakaoanbau gehen, sieht Erbrath Probleme. "Eine Überproduktion wäre kontraproduktiv", um die Lage der Bauern nachhaltig zu verbessern. Denn dann könnte der Preis am Weltmarkt sogar zurückgehen, warnt der Verbandschef. "Ziel muss es nicht sein, mehr Kakao anzupflanzen, sondern auf geringerer Fläche größere Erträge mit Kakao und anderem, etwa Maniok und Bananen, zu erzielen", sagt er.

Schokoladenhersteller versprechen, Lebensstandard der Kakaobauern zu verbessern

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé habe die LID-Prämie als eines der ersten Unternehmen in diesem Jahr gezahlt, sagt die Sprecherin Juliette Montavon: "Wir unterstützen alle Bemühungen der Regierungen von Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und Ghana, den Lebensstandard der Kakaobauern zu verbessern." Nestlé habe auch sein eigenes Projekt "Cocoa Plan", mit dem das Leben der Bauern und ihrer Gemeinschaften verbessert werden sollte.

Der Schokohersteller Lindt & Sprüngli, der seine Kakaobohnen in Ghana kauft, setzt "auf nachhaltige Intensivierung des Kakaoanbaus, die Schaffung zusätzlicher Einkommensmöglichkeiten, die Stabilisierung des Einkommens sowie die Unterstützung der Gemeinden", sagt die Sprecherin Vicky Kummer. Steigende Rohstoffpreise würden möglichst durch Effizienzoptimierung ausgeglichen. "LID wird jedoch Auswirkungen auf alle Schokoladenhersteller haben, und Preiserhöhungen könnten möglich sein", sagt sie.